Heße: Gemeinden müssen bei Flüchtlingen um Einheit ringen

Auch in der Kirche gibt es Angst vor dem Fremden und vor den Fremden, sagt der Hamburger Erzbischof Heße. Er ist Sonderbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen. Die kirchliche Flüchtlingsarbeit stand im Mittelpunkt einer Tagung in Essen.

04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Aufnahme von Flüchtlingen sorgt auch in katholischen Kirchengemeinden für Spannungen. „Auch unter uns in der Kirche gibt es Angst vor dem Fremden und vor den Fremden - und auch Ablehnung“, sagte der Sonderbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Flüchtlingsfragen, der Hamburger Erzbischof Stefan Heße, am Donnerstag in Essen. Manche Kirchengemeinde müsse um ihre Einheit ringen, „wenn es um Flüchtlinge und Migranten geht“.

Die katholische Kirche wolle „eine offene und ehrliche Debatte führen, die auch Raum lässt für das Unbehagen und die oft diffuse Angst, die sich in der Gesellschaft verbreitet haben“, sagte Heße beim vierten katholischen Flüchtlingsgipfel. Es gebe aber gute Argumente, auf Hoffnung und Vertrauen zu setzen. „Hass und Hetze treten wir entschieden entgegen“, betonte der Erzbischof.

Die katholischen Bistümer und die kirchlichen Hilfswerke in Deutschland haben im vergangenen Jahr rund 125,5 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitgestellt. Der Großteil des Geldes ging mit 83,5 Millionen Euro an Hilfsmaßnahmen im Ausland, wie Heße mitteilte. Nach seinen Angaben engagieren sich rund 51 000 ehrenamtliche und 5100 hauptamtliche Mitarbeiter in der Hilfe für Geflüchtete.

Im Anschluss an den Flüchtlingsgipfel wurden die Preisträger des Katholischen Preises gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus geehrt. Der mit 4000 Euro dotierte erste Preis ging an das Kunstprojekt „Global Village: Weltort Lennep“ einer Pfarrgemeinde in Remscheid. Im Mittelpunkt steht dabei der Austausch zwischen Kulturen und Generationen. Der Preis wird alle zwei Jahre verliehen. Die Preisträger waren aus 81 Bewerbungen ausgewählt worden.

In seiner Festrede lobte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), dass die Preisträger mit beeindruckendem Einsatz den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärkten. „Mit ihrem Engagement leisten die Preisträgerinnen und Preisträger und ihre ausgezeichneten Projekte einen wichtigen Beitrag für unsere Demokratie“, sagte Laschet laut einer Mitteilung.

Die beiden zweiten Preise mit jeweils 3000 Euro gingen zum einen an die Katholische Landjugendbewegung Deutschlands (KLJB) und den Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland (BDAJ) für ihre gemeinsame Initiative „Tacheles! Klare Kante gegen Extremismus“, zum anderen an die Caritas Schweinfurt für das Projekt „Lesekoffer Flucht und Vertreibung“.

Das Projekt „Café Hoffnung“ der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen erhielt einen Sonderpreis (1500 Euro) für die „innovative Projektidee“.

Weitere Meldungen