Kassenbon aus Marzipan statt aus Papier: Bei Bäcker Telgmann gibt es nachhaltige Kassenbon-Berliner

dzKassenbon-Pflicht

Viele Kunden und Geschäftsleute ärgern sich über die Kassenbon-Pflicht. Darauf reagiert Konditor Friedrich Telgmann: Er bietet Berliner an - inklusive Kassenbon aus Marzipan, statt aus Papier.

Werne

, 27.01.2020, 14:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unzählige Kassenbons landen jeden Tag in der Konditorei Telgmann in Werne im Müll. 98 Prozent der Kunden verzichten auf das Stück Papier. Die Kassenbon-Pflicht, die seit diesem Jahr gilt, sorgt für verärgerte Kunden und Geschäftsleute. Für Konditormeister Friedrich Telgmann (55) aus Werne ist es einfach nur „Schwachsinn“.

Deshalb reagiert er jetzt auf seine Art auf die Kassenbon-Pflicht mit einer süßen Idee. Ab sofort gibt es Kassenbon-Berliner - inklusive umweltfreundlichem Kassenbon. Denn der Bon ist aus Marzipan, statt aus Papier und liegt gleich mit oben auf dem glasierten Teilchen.

Alle Angaben auf dem Marzipan-Kassenbon

„Ich habe den Original-Bon eingescannt und ihn mit einem Lebensmitteldrucker auf Marzipan gedruckt“, erklärt Friedrich Telgmann. Steuernummer, Adresse der Konditorei, Mehrwertsteuer und Preis stehen auf dem Kassenbon aus süßer Masse.

Alle Details, die der Kassenbon nach dem neuen Gesetz zum Schutz vor Steuerbetrug aufweisen muss, stehen auch auf der süßen Variante. Außerdem der Zusatz: Umweltfreundlich, Nachhaltig, Lecker. Der Kassenbon aus Marzipan-Schicht ist natürlich auch verzehrbar.

Kassenbon aus Marzipan statt aus Papier: Bei Bäcker Telgmann gibt es nachhaltige Kassenbon-Berliner

Mit einem Lebensmitteldrucker hat Friedrich Telgmann einen gescannten Kassenbon auf die Marzipanschicht gedruckt. © Andrea Wellerdiek

30 Exemplare des Kassenbon-Berliners hat Telgmann am Montagmorgen produziert. Es sollen weitere folgen. Bis mindestens zum Ende der Woche werde es die ganz besonderen Berliner zum Stück für 1,95 Euro in den Bäckereien von Telgmann geben, so Telgmann.

Idee stammt aus Süddeutschland

Er wolle ein Zeichen setzen, das Thema weiter diskutieren und mit „einer süßen Idee auf den Schwachsinn antworten“. Die Idee hatte aber schon ein Konditorkollege aus Süddeutschland vor ihm, wie Telgmann erzählt.

Dort gibt es Kassenbon-Krapfen zur Faschingszeit. „Das ist eine geniale Sache. Deshalb habe ich mir das abgeguckt“, sagt Telgmann. Auch die Kunden in Werne reagieren mit einem Schmunzeln und mit Humor, erzählt er.

Kassenbon aus Marzipan statt aus Papier: Bei Bäcker Telgmann gibt es nachhaltige Kassenbon-Berliner

Alle Details für das Finanzamt stehen auch auf dem Marzipan-Kassenbon. © Andrea Wellerdiek

Der Konditormeister kann der Kassenbon-Pflicht nicht viel abgewinnen. „Die meisten Kunden wollen ihn nicht haben“, erzählt der 55-Jährige. Dementsprechend viel Müll wird aktuell in den Bäckereien produziert.

„Alles ist heutzutage gläsern“

Auch die Kassenrollen, auf denen die Bons ausgedruckt werden, müssen häufiger beim Großhändler nachbestellt werden. Und es kostet natürlich deutlich mehr. Die Intention der sogenannten Belegerteilungspflicht, einen möglichen Steuerbetrug zu verhindern, kann Telgmann nicht nachvollziehen.

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„In den elektronischen Kassen ist sowieso alles sichtbar - und wenn der Kunde nur ein Brötchen kauft“, so Telgmann. Jede einzelne Bewegung sei schon vor der Kassenbon-Pflicht durch das Kassensystem überprüfbar. „Alles ist heutzutage gläsern. Hier geht kein Brötchen über die Theke, das nicht erfasst wurde“, sagt Telgmann.

Plastiktüten schon verbannt

Weil die Kassenbon-Pflicht, die seit Anfang des Jahres gilt, für ihn erheblichen Mehraufwand bedeutet, denkt Friedrich Telgmann darüber nach, einen Befreiungsantrag von der Belegerteilungspflicht zu stellen.

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Vor allem der Umwelt zuliebe hofft er, dass es eine Befreiung geben wird oder das neue Gesetz wieder abgeschafft wird. „Für mich ist das der falsche Weg. Wir haben gerade erst alle Plastiktüten aus unseren Filialen verbannt“, erklärt Telgmann. Längst gibt es Papiertüten in den Bäckereien.

Wenn sich bei der Kassenbon-Pflicht doch nichts ändert, dann gibt es in der Konditorei Telgmann eben weiterhin die süße und umweltfreundliche Antwort darauf: Kassenbon-Berliner.

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