Kassenbon-Pflicht: Bäcker zeigt Papierberg bei Facebook

Kassenbons ausdrucken, die kaum ein Kunde will: Nicht nur ein Bäcker aus dem Münsterland versteht die Welt nicht mehr. Er veröffentlicht ein Foto von einem Papierberg in seinem Laden. Er bekommt Zuspruch.

28.11.2019, 13:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für jedes verkaufte Brötchen den Kassenbon ausdrucken? Wahnsinn, findet Bäckermeister Michael Tenk. Zwei Tage lang sammelte der Bäcker aus Südlohn im westlichen Münsterland die Kassenbons, die er - ab 2020 gesetzlich vorgeschrieben - an jeden Kunden ausgeben muss. Davon machte der 41-Jährige ein Foto und veröffentlichte es bei Facebook. „Ich dachte mir, ich lasse aus Spaß mal den Drucker laufen“, sagte Tenk am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Am Samstag habe er den Versuch allerdings bereits abgebrochen. „Wir hatten knapp 600 Zettel ausgedruckt. Es wurden einfach zu viele“, sagte der Bäcker. Für das Foto hatte er den Riesenberg an Zetteln vor dem Verkaufstresen ausgebreitet.

Tenk schätzt, dass nur rund drei Prozent seiner Kunden überhaupt einen Kassenbon haben wollen. „Einer meiner Kundinnen führt ein Haushaltsbuch, die will den Bon als Beleg“, sagt der Bäcker. Damit sei sie aber die große Ausnahme. Ansonsten kann er den bürokratischen Aufwand („Bürokratiewahnsinn“) und die Belastung für die Umwelt nicht nachvollziehen. Er schätzt, dass die Vorgabe des Finanzministeriums aus Berlin ihn rund 1000 Euro im Jahr plus die Entsorgung kosten wird. Da die Kasse alle Zahlvorgänge für die Finanzbehörden zum Schutz gegen Steuerhinterziehung aufzeichnet, versteht Tenk die Pflicht zum Bon nicht.

„Für die Bäckereien deuten sich derzeit keine neuen Lösungen an, auch aus dem Ministerium gibt es im Augenblick keine Hinweise, dass es unbürokratische Lösungen für die Branche geben wird, die den Bon- und Müllwahnsinn beenden. Das ist in Anbetracht der durchgängig in Politik, Gesellschaft und Medien geäußerten flächendeckenden Kritik völlig unverständlich“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, Daniel Schneider.

„Wir haben deshalb in dieser Woche einen Brief an Bundesfinanzminister Olaf Scholz geschrieben und um Korrektur seines Anwendungserlasses aus dem Sommer des Jahres gebeten, weil er in rechtswidriger Weise die gesetzliche Ausnahmevorschrift viel zu stark einschränkt und damit praktisch leerlaufen lässt“, sagte Schneider. Gleichzeitig habe der Verband einen Antrag auf Befreiung von der Belegausgabepflicht für das Deutsche Bäckerhandwerk gestellt.

Das Bundesfinanzministerium verwies am Donnerstag darauf, dass die Belegausgabepflicht die Transparenz stärke und gegen Steuerbetrug helfe. „Die Bons werden eigentlich nur bei den stichprobenartigen Überprüfungen gebraucht, wenn die Steuerprüfer in den Laden kommen und Kasse und Bons abgleichen“, sagte eine Sprecherin.

Hintergrund der Aktion des Bäckers ist die Abgabenordnung. Das gesetzliche Regelwerk sieht ab 2020 die Pflicht vor, jedem Kunden einen Beleg auszuhändigen.

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