Neues Gesetz zwingt zum Kassenbon - Werner Markthändler finden das „total bescheuert“

dzNeues Gesetz

Ab dem 1. Januar soll jeder Kunde einen Kassenbon bekommen - auch, wenn er nur ein Brötchen kauft. Die Werner Markthändler gehen auf die Barrikaden.

Werne

, 21.11.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“, kurz Kassengesetz 2020, muss ab dem 1. Januar jeder Kunde einen Bon bekommen - ob er will oder nicht.

„Das ist doch völlig gaga“, findet eine Kundin am Obststand auf dem Werner Wochenmarkt. „Wie viele Bäume werden für das Papier gefällt? Das Thermopapier, auf dem die Bons gedruckt werden, ist schadstoffbelastet. Das will doch keiner“, fügt sie hinzu. „Die Kassenzettel werden ohnehin in den Mülleimer geworfen - wenn denn einer da ist“, pflichtet ihr Mann ihr bei.

Die Markthändler sind sich einig: Bons halten das Geschäft auf

Andrea Schlunz (41) sieht mit ihrem Grillwagen vor allem ein Problem mit dem Zeitaufwand: „Da müssten wir einen Mitarbeiter extra für die Bons einstellen, wenn beispielsweise auf Simjü, wo es sowieso schon stressig ist, alle einen Bon bekommen sollen.“

Neues Gesetz zwingt zum Kassenbon - Werner Markthändler finden das „total bescheuert“

Auch an der Grillbude von Andrea Schlunz (41) gibt es keine Kassenbons. © Sylva Witzig

„Wenn ich mir eine elektronische Kasse anschaffen und jedem einem Bon geben muss, mache ich den Laden zu“, sagt Marita Weber (60), die auf dem Wochenmarkt Reibekuchen verkauft. „Für Kleinstbeträge ist das Gesetz doch bescheuert. Tinnef ist das“, fügt sie hinzu.

Alternative zum Papier-Bon: Der Beleg per SMS oder E-Mail

Auch beim Obst- und Gemüsehändler Heinrich Kraenhemke (56), der seit sechs Jahren auf dem Werner Markt steht, wurde noch nie nach einem Bon in Papierform gefragt. Für Kunden, die mit Karte zahlen, gäbe es den Beleg per SMS.

„Für Kleinbetriebe wäre der Mehraufwand mit den Bons immens. Wir müssen so schon jede kleine Rechnung zehn Jahre lang für das Finanzamt aufbewahren“, sagt der Obsthändler.

„Außerdem wird viel Papier verschwendet. Kein Kunde bewahrt den Kassenbon auf. Wer seine Ausgaben notieren will, kann das auch auf dem Handy machen“, meint er. Die Bons dürfen nach dem neuen Gesetz auch digital versendet werden - doch wer wirklich beim Bäcker seine E-Mail-Adresse oder Handynummer hinterlegt, ist fraglich.

Kassenbon-Pflicht gilt nicht für offene Kassen

Anja Hüttner verkauft auf dem Wochenmarkt Blumen und ist von der Bon-Pflicht genauso unbegeistert wie ihre Kollegen: „Für eine elektronische Registrierkasse bräuchten wir extra Strom. Das geht gar nicht.“

Doch die Markthändler, die noch mit Geldkassetten arbeiten, können aufatmen: Eine Pflicht, auf elektronische oder digitale Kassen umzusteigen, gibt es derzeit in Deutschland nicht.

Für offene Kassen gilt die Bon-Pflicht nach dem neuen Gesetz nicht. Aufwendig ist die Arbeit mit der offenen Kasse jedoch trotzdem: Wer eine offene Ladenkasse führt, muss jeden Tag ein Kassensturz-Protokoll mit Zählliste (Art und Anzahl der Münzen und Scheine) erstellen, unterzeichnen und aufbewahren.

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