Karlsruher Zoo-Chef: „Es ist indiskutabel, mit der Menschenaffenhaltung in Zoos aufzuhören“

Krefelder Zoo-Brand

Nach dem katastrophalen Brand im Krefelder Zoo ist die Kritik an der Haltung von Zootieren wieder lauter geworden. Dazu äußert sich Karlsruher Zoo-Chef Matthias Reinschmidt im Interview.

Krefeld/Karlsruhe

04.01.2020, 12:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Karlsruher Zoo-Chef: „Es ist indiskutabel, mit der Menschenaffenhaltung in Zoos aufzuhören“

Karlsruher Zoo-Chef Matthias Reinschmidt sieht keinen Anlass, jetzt generell die Affenhaltung in Zoos infrage zu stellen. © Roland Weihrauch/dpa

Der verheerende Brand in Krefeld ist aus Sicht des Karlsruher Zoo-Chefs Matthias Reinschmidt kein Anlass, generell die Affenhaltung in Zoos infrage zu stellen. „Wir sehen uns als Zentren der Arterhaltung“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Vom Aussterben bredrohte Arten erhalten

Gerade für vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans brauche man jeden verfügbaren Platz. Im Karlsruher Zoo wird das Zuchtprogramm der europäischen Zoos für Orang-Utans koordiniert. In der Silvesternacht waren in Krefeld mehr als 30 Tiere bei einem Feuer ums Leben gekommen, darunter mehrere Menschenaffen.

Am Samstagmittag werden erneut zahlreiche Teilnehmer zu einer Mahnwache am Zoo erwartet. Eine Fortsetzung des Zuchtprogramms in den Zoos sei aber entscheidend für die Zukunft der Menschenaffen, argumentierte Reinschmidt. Von ehemals rund einer Million Orang-Utans auf der Erde gebe es inzwischen nur noch 50 000 in der freien Natur - auch weil immer mehr Wälder abgeholzt würden.

Reinschmidt: Tierparks sollen Brandschutzmaßnahmen anpassen

Derzeit lebten 1200 Orang-Utans in Zoos. Um die genetische Vielfalt zu sichern, sollten es nach seiner Meinung noch mehr sein. „Es ist deshalb indiskutabel, mit der Menschenaffenhaltung in Zoos aufzuhören“, sagte Reinschmidt. Tierparks sollten aber nach seiner Meinung ihre Brandschutzmaßnahmen anpassen.

„Wir müssen das Thema noch mal differenzierter angehen.“ Denkbar seien etwa neue Feuermelder, mehr Kontrollgänge und eine Art Sicherheitszone um Zoos an Silvester.

dpa

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