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Kampf um die Lutherschule wird zum Wettlauf mit der Zeit

Abrisspläne

SELM. Die Bemühungen von Wilhelm Gryczan-Wiese, um den Abriss des Gebäudes der ehemaligen Lutherschule zu verhindern, führen ihn bis nach Düsseldorf. Jedenfalls telefonisch.

Selm

, 11.08.2018
Kampf um die Lutherschule wird zum Wettlauf mit der Zeit

Das Gebäude der ehemaligen Lutherschule liegt mitten im Wohngebiet. Anwohner erwägen jetzt eine Anfechtungsklage gegen den geplanten Abriss des Gebäudes. Drinnen laufen vorbereitende Arbeiten.

Wilhelm Gryczan-Wiese hat beim Bauministerium NRW angefragt, welche Fördermöglichkeiten es für einen wirtschaftlichen Umbau des Gebäudes gibt. Das teilt er in einer E-Mail an die Redaktion mit. Die Pressestelle des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung schreibt auf Anfrage der Ruhr Nachrichten dazu: „Zu laufenden, noch nicht abgeschlossenen Projekten beziehen wir keine Position. Erst recht nicht, wenn es um Inhalte von Telefonaten geht, bei denen die Entscheidungshoheit der Kommunen betroffen ist.“ Ob und in wieweit eine Entscheidung im Projekt Lutherschule getroffen werde, hänge von der Planungsautonomie der Kommune und/oder den (wirtschaftlichen) Interessen eines möglichen Investors ab.Pressesprecher Robert Vornholt weiter: „Das Land kann nur auf der Grundlage der aktuellen Bestimmungen gegebenenfalls bei Bedarf zusammen mit den Bewilligungsbehörden für die Wohnraumförderung beraten und gute Projektbeispiele benennen. Die Entscheidung über Planung einer Umnutzung oder Abriss und Ersatzneubau bleiben in der Zuständigkeit von Kommunen und Investoren.“

Gryczan-Wiese: „Rückkauf möglich“

Gryczan-Wiese hat in Mails an Bürgermeister Mario Löhr und Matthias Fischer, Geschäftsführer der Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft mbH (UKBS), die Stadt und die UKBS aufgefordert, sich mit dem Bauministerium in Verbindung zu setzen, „damit vielleicht doch noch eine vernünftige und wirtschaftliche Sanierung möglich wird“.

Der Abriss und Neubau seien nicht die einzige Alternative für die Lutherschule, so Gryczan-Wiese: „Die Stadt kann die Immobilie zum alten Preis zurückkaufen, es können Seniorenwohnungen, Mehrgenerationen-Wohnungen, Kindergarten oder Begegnungsstätten und ähnliche Einrichtungen in dem sanierten Gebäude untergebracht werden. Das alles mit einer Förderung des Landes, wie bei der Burg oder der Zeche Hermann.“

Stadt: Kein Rückkauf

Wir haben Bürgermeister Mario Löhr und UKBS-Chef Matthias Fischer gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, sich um Fördermöglichkeiten zu bemühen. Antwort Mario Löhr: „Da wir nicht Eigentümer sind, kann ich diese Frage nicht beantworten.“ Zum Thema möglicher Rückkauf des Gebäudes durch die Stadt antwortet Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage: „Im Haushalt 2018 sind keine Mittel für den Kauf der Lutherschule vorgesehen.“

Mathias Fischers Antwort in Sachen Fördermöglichkeiten lautet so: „Diese Fördermöglichkeiten kennen wir. Sie kommen aber nur dann zum Tragen, wenn soziale Wohnungen gebaut werden sollen. Das planen wir nicht. Wir werden nicht unsere Planungen umschmeißen.“

Unterdessen prüfen direkt von einem Abriss des Gebäudes der ehemaligen Lutherschule betroffene Anwohner laut Wilhelm Gryczan-Wiese, ob sie bis zum 16. August eine Anfechtungsklage gegen die Abrissgenehmigung einreichen. Marion Küpper, eine der Initiatoren des Bürgerbegehrens gegen den Abriss, habe Einsicht in den Genehmigungsantrag erhalten. Gryczan-Wiese: „Es wurde keine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt bezüglich der nistenden Fledermäuse und der Brutbäume für Krähen – beides ist schutzbedürftig. Weiterhin wurde keine Gutachten und Beseitigungskonzepte für gefährliche Schadstoffe durchgeführt – dies betrifft die Asbestmaterialien bei den Heizungsrohren, Deckenverkleidungen etc.“ Ebenso fehlen laut dem Architekten Untersuchungen zum Schadstoffaufkommen in den Teerschichten des Schulhofes. Wilhelm Gryczan-Wiese ist sich sicher: „Insgesamt erhält der Abrissantrag, der am 12. Juli eingereicht wurde und am 16. Juli ohne Bedenken genehmigt wurde, entscheidende Mängel, sodass eine Klage durchaus Erfolg haben könnte.“

Antrag schon im November gestellt?

Mittlerweile hat Marion Küpper auf eine Anfrage beim Kreis Unna in Sachen möglicher asbesthaltiger Baustoffe in der ehemaligen Lutherschule eine Antwort von der Abteilung Natur und Umwelt des Kreises Unna erhalten. Demnach sei die Fachabteilung bereits im November 2017 von der Stadt Selm beim Abbruchantrag beteiligt worden. Weiter heißt es: „Dem Bauantrag lag ein Rückbau- und Entsorgungskonzept eines Ingenieur-Büros bei. Hinsichtlich der verschiedenen asbesthaltigen Bauteile und sonstigen gefährlichen Abfälle wurden entsprechende Nebenbestimmungen in unserer Stellungnahme formuliert. Nach Abschluss der Arbeiten fordern wir einen Abschlussbericht mit einer Auflistung der anfallenden Abfälle, der Abfallmengen und den Entsorgungswegen.“ Bisher hatte es geheißen, der Antrag auf Abrissgenehmigung sei erst am 12. Juli 2018 gestellt worden. Ein Widerspruch? Stadtsprecher Malte Woesmann antwortet darauf: „Bei dem vorliegenden Schreiben des Kreises Unna zu einem Rückbau geht es um den rückwärtigen Anbau der Schule. Bereits beim Kauf der Lutherschule durch die UKBS im Jahr 2014 war von seiten der UKBS klar gemacht worden, dass der Anbau und der Toilettentrakt abgerissen werden sollen. Darauf beziehen sich der Bauantrag und das Rückbau- und Entsorgungskonzept, zu dem das Schreiben des Kreises Unna vorliegt. Es handelte sich also nicht um das Hauptgebäude. Hier erfolgte die Genehmigung zum Abriss erst nach dem bekannten Ratsbeschluss im Juli 2018.“

Zieltermin: 17. August

Unterdessen spielt der Faktor Zeit eine Rolle. Den Initiatoren des Bürgerbegehrens ist klar, dass die Zeit bis zu einem möglichen Abriss der Lutherschule immer geringer wird: „Aktuell konzentrieren wir uns auf die Unterschriftensammlung zum Bürgerbegehren, die formal noch bis zum 7. Oktober 2018 laufen kann. Wegen der vorangetriebenen Abrissarbeiten durch die UKBS und der Möglichkeit, diese durch einen Beschluss im Rat am 23. August zu stoppen, ist der 17. August der nächste Zieltermin.“

Kein Schulneubau

Kritiker des Abrisses – unter anderem die UWG-Fraktion am 5. Juli in der Ratssitzung – fürchten, dass die Stadt in ein bis zwei Jahren angesichts steigender Schülerzahlen eine neue Schule bauen muss, verbunden mit der Forderung, die Lutherschule zu erhalten statt eine neue Schule zu bauen. Stadtsprecher Malte Woesmann dazu: „Der Schulentwicklungsplan für die kommenden Jahre zeigt konstante Schülerzahlen im Grundschulbereich. Daher ist im Schulentwicklungsplan kein Neubau eines Schulgebäudes vorgesehen.“