Junge Lüner erinnern an Grauen der Pogromnacht

Gegen das Vergessen

„Respekt und Toleranz“ forderten Schüler des Stein-Gymnasiums am Freitag auf der Lippebrücke. Vor allem junge Menschen hielten am 9. November das Gedenken an die Pogromnacht aufrecht.

Lünen

, 09.11.2018, 17:57 Uhr / Lesedauer: 2 min
Junge Lüner erinnern an Grauen der Pogromnacht

Respekt und Toleranz forderten Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums mit ihrer Aktion „Kippa, Kappe und Kopftuch“ auf der Lippebrücke. © Magdalene Quiring-Lategahn

Am Morgen diskutierten Schüler der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule mit dem Regisseur Michael Kupczyk über dessen Dokumentarfilm „Die Kinder der Turnstunde“. Am Montag hatten sie den Film, der sich mit dem jüdischen Leben in Lünen und dessen grausamem Ende in der Nazizeit beschäftigt, gesehen. Am Freitag gab es noch eine Kurzversion, bei der es hauptsächlich um die Ereignisse vor 80 Jahren in Lünen-Süd ging, bei denen Siegmund Kniebel und Albert Bruch ermordet wurden. Und um Bernhard Samson und Waldemar Elsoffer, die an diesem Tag ebenfalls ihr Leben verloren.

Junge Lüner erinnern an Grauen der Pogromnacht

Volker Krieger (2.v.r.), Vorsitzender des AK Schule gegen Rassismus, hatte Regisseur Michael Kupczyk (r.) ins Forum der Schule eingeladen, um über den Film „Kinder der Turnstunde zu diskutieren“. © Beate Rottgardt

„2014 hab ich den Auftrag bekommen, diesen Film über das jüdische Leben in Lünen zu realisieren, von dem ich damals auch nicht viel wusste“, so Kupczyk. Das Foto der Kinder der jüdischen Schule in Lünen habe ihn sofort berührt. „Alle schauen einen an und dazu kam, dass die Dame, aus deren Nachlass das Bild stammt, auf die Rückseite die Namen der Kinder geschrieben hat. Von 17 Leuten auf dem Foto sind sieben einige Jahre später in Konzentrationslagern umgekommen“, so Kupczyk.

Vergleich mit Anne Franks Schicksal

Eine Schülerin erinnerte das Schicksal von Lore Gottlieb, die im Film zu Wort kommt an das von Anne Frank. Beide flohen vor den Nazis aus Deutschland in die Niederlande, beide wurden versteckt und dann verraten. Beide kamen ins KZ. Lore Gottlieb überlebte geschwächt und wanderte nach Israel aus. Kupczyk hatte das Glück, mit Überlebenden sprechen zu können. Aber ein Neffe eines der Kinder auf dem Foto wollte nicht vor die Kamera: „Er hatte Angst, dass, wenn sein Name im Abspann zu sehen ist, die Nazis vor seiner Tür stehen.“

Auf der Lippebrücke erklangen am Vormittag fröhliche Lieder, komponiert von jüdischen Musikern. Gegenüber der musizierenden Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums hatten andere Jugendliche der Schule drei Steini-Figuren aufgebaut, die eine Kippa, eine Kappe und ein Kopftuch trugen. Diese Kopfbedeckungen sollten aufrütteln - „Kippa, Kappe, Kopftuch - für Respekt und Toleranz“ lautete das Motto auf einem Banner an der Brücke.

Junge Lüner erinnern an Grauen der Pogromnacht

Verschiedene Kopfbedeckungen trugen die Stein-Schüler während ihrer Aktion. © Beate Rottgardt

Religionslehrer Martin Löer trug eine „Takke“, die Kopfbedeckung muslimischer Männer. „Eine muslimische Schülerin hat sie mir mitgebracht und gefragt, ob ich die Takke ihres Vaters tragen könnte.“ Schüler verschiedener Jahrgangsstufen beteiligten sich an der Aktion, die Passanten zum Nachdenken bringen sollte.

Junge Lüner erinnern an Grauen der Pogromnacht

Schülerinnen des Altlüner Gymnasiums gestalteten die Gedenkveranstaltung. © Fröhling

Am Abend gestalteten dann Schülerinnen des Altlüner Gymnasiums das Gedenken an der Lippebrücke, bei dem an die vier Lüner erinnert wurde, die in der Pogromnacht ermordet wurden. Es waren Schülerinnen, die in der AG „Schule ohne Rassismus“ Aktionen planen, um auch auf aktuelle Diskriminierung hinzuweisen. Mit berührenden Texten wollen sie zum Nachdenken anregen.

Junge Lüner erinnern an Grauen der Pogromnacht

Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns hielt eine Rede anlässlich der Gedenkveranstaltung in der Stadt. © Fröhling

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Voice of Germany

Aus nach den Battles: Welche Pläne Sängerin Jo Marie Dominiak jetzt hat - auch mit dem BVB

Hellweger Anzeiger Facharztversorgung

Schmerzen im Arm: Warum es schwierig ist, beim Neurologen einen Termin zu bekommen

Hellweger Anzeiger Ein Zeuge erzählt

Wie Ersthelfer Frank Ahlrichs nach dem Unfall auf der Kamener Straße reagiert hat

Hellweger Anzeiger Pläne für Villa Urbahn

Warum das Lüner Museum jetzt ganz dringend einen neuen Standort braucht

Meistgelesen