Josef Spiegel: Vom Schustersohn zum Direktor des Ruhrtal-Museums

dzSerie: Häuser erzählen

Der Vater war Schumacher. Der Sohn lernte Weichensteller bei der Eisenbahn. Seine Leidenschaft war jedoch die Archäologie. Josef Spiegel gründete das Ruhrtal-Museum.

Schwerte

, 06.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man muss einen Schritt um die Ecke gehen, um die Plexiglastafel an den grünen Zinkblechplatten zu entdecken: „In diesem Haus wurde am 17. Juli 1901 Josef Spiegel geboren, Gründer des Ruhrtal-Museums und dessen Leiter von 1933 bis 1977“ erinnert die Inschrift an den berühmtesten Einwohner des Häuschens in der Kleppingstraße 7.

Josef Spiegel: Vom Schustersohn zum Direktor des Ruhrtal-Museums

Eine Plexiglastafel erinnert an den Museumsgründer Josef Spiegel. © Reinhard Schmitz

Wie ein Museumsstück duckt sich das Fachwerk selbst zwischen hohen Wohn- und Geschäftshäusern. 1786 erstmals erwähnt, war es einst als Bauernhaus errichtet worden. Anfang des 20. Jahrhunderts zogen Handwerker ein. Erst ein Anstreicher, später ein Schuster. In dem Anbau, wo noch lange Sohlen erneuert und Absätze gerichtet worden sind, betrieb schon Spiegels Vater eine Schuhmacherei. Elf Kinder tobten in der Wohnung.

Ein Weichensteller mit archäologischem Interesse

Josef, das drittälteste, trat eine Lehre bei der Eisenbahn an. Weichensteller sollte er werden, doch seine eigentliche Leidenschaft galt der Archäologie. Die war geweckt worden, als der junge Mann auf einem abgeernteten Acker bei Gut Ruhrfeld Kartoffeln sammelte. Statt einer Knolle hob er plötzlich einen Feuerstein auf. Eine Pfeilspitze aus dem Mittelalter? Leider nicht, wie sich herausstellte. Nur ein Bruchstück von einem Steinschloss-Gewehr.

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Doch der Sammeleifer war geweckt. Dank der Freifahrtscheine, die er als Eisenbahner erhielt, konnte Spiegel mit dem Spaten zu den Lagerplätzen der alten Germanen fahren. Seine größte Ausgrabung machte er jedoch quasi vor der Haustür, im Gänsewinkel. An der Stätte einer steinzeitlichen Siedlung kamen Pfeilspitzen und Steinbeile zum Vorschein.

Beerdigt wie ein Steinzeit-Krieger

Die Funde bildeten den Grundstock, um den Traum von einem Heimatmuseum zu erfüllen. 1933 war Spiegel am Ziel, als er die Ausstellungsräume im alten Rathaus in der Brückstraße eröffnen konnte. Bis 1977 leitete er als Direktor sein Lebenswerk. Selbst im Tode blieb Spiegel seiner Geschichts-Leidenschaft treu. In seinem letzten Willen verfügte er, wie ein Steinzeitkrieger beerdigt zu werden – in Hockstellung und auf der Seite liegend.

Zu seinem 100. Geburtstag wurde die Gedenktafel in der Kleppingstraße angeschraubt. Ursprünglich aus Bronze, was Altmetalldiebe anlockte. Als Ersatz spendierte der Heimatverein 2009 das Plexiglasschild.

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