Als Gerichtsmediziner im Kölner Tatort kennt man Joe Bausch. Der Schauspieler und Mediziner hat auch eine enge Verbindung zum Heinz-Hilpert-Theater, das in diesem Jahr Geburtstag feiert.

Lünen

, 11.11.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Seit 1997 spielt Joe Bausch (65) den Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth im Kölner Tatort. Als Arzt arbeitet der Schauspieler und Mediziner in der Justizvollzugsanstalt Werl. Seine Erfahrungen dort hat er in mittlerweile zwei Büchern festgehalten. Seine Liebe gehört aber auch dem Theater. Gerne erinnert er sich zum 60. Geburtstag des Heinz-Hilpert-Theaters an die Zeit, als er in Lünen auf der Bühne stand. Im Ensemble des freien Theaters „Theaterpathologisches Institut“ (TPI).

Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an Ihre Zeit beim „Theaterpathologischen Institut“ in Lünen denken?

Es war eine wunderbare Zeit in einem aufregenden Theater und mit einem unendlich wunderbaren Publikum. Auf einmal standen Autos mit Kennzeichen aus dem ganzen Ruhrgebiet und NRW auf dem Theaterparkplatz. Es war eine tolle Zeit in einem wunderbaren Theater.

Hatten Sie vor Ihrem Auftritt mit dem TPI schon mal was vom Lüner Theater gehört?

Von Lünen habe ich das erste Mal etwas gehört, als man uns sagte, fahrt doch mal hin, weil wir in Hattingen nicht mehr weiter spielen konnten. Ich hab nicht erwartet, dass Lünen so ein tolles Theater hat mit solch einer professionellen Bühnentechnik.

Was hat Ihnen die Zeit am Lüner Theater gebracht?

Persönlich, dass ich vor einem immer größeren Publikum spielen konnte. 750 Zuschauer - das war schon eine Hausnummer, dieses Haus immer halbwegs füllen zu wollen. Beruflich war das eine wahnsinnige Erfahrung für mich als Schauspieler auf so einer Bühne zu stehen. Ich kann mich auch gut an die enge Vernetzung mit lokalen Kulturträgern und den Menschen erinnern. Ob wir nach den Proben in eine Pizzeria gingen oder zum Restaurant von Franz Lauter in Schwansbell (Franz Lauter führt mittlerweile das Restaurant im Schloss Nordkirchen, Anm.d.Red.) oder einfach in der Stadt unterwegs waren - wir sind angesprochen worden. Das war auch eine besondere Erfahrung, diese alltägliche Begegnung mit dem Publikum. Bevor wir nach Lünen kamen, haben wir eine Tour durch die SPD-Ortsvereine gemacht und uns vorgestellt. Auch dass wir durchaus kritisch betrachtet wurden, war klasse.

Gab es besondere Bühnenmomente, die Sie nicht vergessen haben?

Ich erinnere mich natürlich an die Zusammenarbeit mit tollen Kollegen wie Jochen Nickel. Und an eine ganze Reihe von Erfahrungen wie der Idee, eine Hüpfburg vors Theater zu stellen oder das letzte Bild bei „Mein Traum ist nur ein krankes Kind“. Da haben wir hinten das Tor aufgestoßen, durch das immer die Bühnenbilder auf die Bühne gebracht werden. In diesem Moment fährt ein IC vorbei. Da bekomme ich heute noch Gänsehaut. So was kannst du nur in Lünen machen.

Sie gehen in diesem Jahr als Arzt in Rente. Dann hätten Sie ja wieder mehr Zeit für die Schauspielerei.

Ich moderiere ja alle zwei Tage mit Fritz Eckenga zusammen den Auftakt für die Krimireihe „Mord am Hellweg“. Vor Publikum zu stehen macht mir immer wieder Spaß, ich hab auch schon Ideen, was ich gerne spielen möchte. Aber es gibt auch mehr Schauspieler als Ärzte.

Der Kontakt nach Lünen ist ja geblieben, auch nachdem das TPI-Gastspiel beendet war.

Allerdings. Beispielsweise die Freundschaft mit Wolfram Kuschke (Staatsminister a.D., Anm.d.Red.). Ich weiß noch, als wir unsere Premiere mit dem ersten TPI-Stück hatten, war das an einem 6. Dezember und es gibt ein Video, in dem Wolfram Stutenkerle auf die Bühne wirft und ruft „Ihr müsst in Lünen bleiben“. Ich bin auch gerne in Berlin beim Berlinale-Empfang des Lüner Kinofestes und war auch mit meinem Buch bei einer Lesung zum Kinofest-Auftakt in Lünen. Da hab ich übrigens wieder in meiner alten Garderobe im Theater gesessen.

Was wünschen Sie dem Hilpert-Theater zum 60. Geburtstag, der offiziell am 13. November gefeiert wird?

Dass man es immer wieder schafft, sich neu zu erfinden. Dass man den Mut hat mit so verrückten Leuten wie den Theaterpathologen zusammen zu arbeiten und dass das Theater in der Mitte der Lüner Gesellschaft platziert ist. Wichtig ist auch, dass man immer wieder etwas ausprobiert, damit auch junge Leute sagen „wir haben ein tolles Theater, auf das wir stolz sein können. Es darf nicht in einen Dornröschenschlaf fallen sondern muss in der Wahrnehmung der Menschen seinen Platz haben.

Die Feier zum 60-Jährigen des Hilpert-Theaters findet am Dienstag, 13. November, um 20 Uhr natürlich im Theater, Kurt-Schumacher-Straße 39, statt. Geboren wird eine bunte, multimediale Reise durch 60 Jahre Theater in Lünen. Mit: Rufus Beck, Susanne Hocke, Jochen Nickel, Zhannet Avrutis, Norbert Baensch, Charlotte Steiling, Uwe Wortmann, Barbara Höpping, Dirk Husemann. Moderation: Jürgen Larys. Tickets zu 7 Euro beim Kulturbüro Lünen, Tel. (02306) 104 22 99 und bei der Lippe-Buchhandlung Lünen, Tel. (02306) 5 59 98.
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