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Jimmy Gawdi ist Jungunternehmer des Jahres und hat große Pläne

Supermarktinhaber ausgezeichnet

Jimmy Gawdi aus Selm darf sich Jungunternehmer des Jahres 2018 nennen.Eine Freude für den Unternehmer, dessen Geschichte in Afghanistan begann.

Selm

, 18.07.2018
Jimmy Gawdi ist Jungunternehmer des Jahres und hat große Pläne

Jimmy Gawdi ist von der Lebensmittel-Zeitung zum bundesweiten Jungunternehmer des Jahres 2018 gekürt worden. Sein Dank gilt vor allem seiner Frau Rita (mit Sohn Krish) und seinem Team des Rewe-Marktes Selm. © Arndt Brede

Der 34-jährige Einzelhandelskaufmann und Handelsfachwirt Jimmy Gawdi ist unter anderem für seinen unternehmerischen Mut ausgezeichnet worden. Ein Fachbeirat, unter anderem mit Journalisten und Vertretern der großen Handelsketten besetzt, hat erstmals überhaupt den Jungunternehmer des Jahres im Lebensmittelbereich unter Bewerbern aus der ganzen Bundesrepublik gekürt.

Ausgezeichnet wurde letztendlich Gawdi. Beziehungsweise Gawdi und sein 40-köpfiges Team des Lebensmittelgeschäftes an der Ludgeristraße. Denn eines ist für Jimmy Gawdi klar: „Die Mitarbeiter sind das Gesicht des Geschäfts. Ich sehe sie nicht als Kosten-, sondern als Erfolgsfaktor.“

Filmdreh im Supermarkt

Die Parameter, die als Bewertungskriterien herangezogen wurden, waren unter anderem: Strategien, Personalführung, unternehmerische Ideen, deren Umsetzung, Umsatzzahlen. Kennzahlen, die dem Fachbeirat zunächst einmal nichts über den Menschen Jimmy Gawdi sagten. Erst, als es um die Entscheidung über die letzten acht Kandidaten ging, sei ein Team der Fachzeitschrift ins Geschäft von Rewe Gawdi gekommen und habe einen Film gedreht.

Diesen Film hat Gawdi in Frankfurt während der Feier, die die „Lebensmittel Zeitung“ ausgerichtet hat, erst über die Leinwand laufen sehen, als sein Name bei der Verkündigung des Gewinners des Titels Jungunternehmer des Jahres genannt worden war. Die Gefühle, die ihn und seine Frau Rita da ergriffen haben, beschreibt er so: „Das ist gar nicht in Worte zu fassen. Unbeschreiblich.“ Wenn also Worte nicht Emotionen ausdrücken können, muss dem Redakteur ein Blick in Gawdis Augen genügen. Sie glänzen im Gespräch. Die ganze Zeit. So sieht Glück aus.

Jimmy Gawdi ist Jungunternehmer des Jahres und hat große Pläne

Diese Plakette ziert jetzt den Eingangsbereich des Rewe-Marktes an der Ludgeristraße. © Arndt Brede

Glück. „Na klar war es Glück, das ich gehabt habe“, erzählt der Bochumer. Doch um sich einen Traum zu erfüllen, bedarf es noch weiterer Qualitäten: Fleiß, Ausdauer. Gawdi spricht, wenn es um den beruflichen Werdegang geht, von seiner Reise. Einer Reise, die in frühester Kindheit in seinem Geburtsland Afghanistan begonnen habe: „Ich wollte schon als Kind so ein erfolgreicher Kaufmann werden wie mein Vater.“ In Deutschland, wohin es die Familie 1994 verschlug, sollte er die Chance dazu bekommen. Zunächst kam er ohne deutsche Sprachkenntnisse in die siebte Klasse einer Hauptschule in Bochum. „Zwei Jahre später war ich Klassenbester.“

Klage drohte

Danach liest sich seine berufliche Biografie so: Abschluss mit Fachoberschulreife, Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Bochumer Rewe-Geschäft, Rewe-Nachwuchsförderung und Erwerb des Grades eines Handelsfachwirtes, Marktmanager in einem Herner Rewe-Geschäft. Dann fragte die Rewe-Zentrale in Dortmund an, ob er Marktmanager im Rewe-Geschäft in Selm werden möchte. Jimmy Gawdi überlegte, besuchte das Geschäft an der Ludgeristraße, sah das Team bei der Arbeit und sagte zu: „Es hatte einfach gefunkt.“

Dabei waren die Voraussetzungen, unter denen Jimmy Gawdi in Selm angefangen hat, nicht gerade günstig: Die Anlieferung liege in direkter Nachbarschaft zu Wohnhäusern. Der damit verbundene Lärm habe die Nachbarn damals, also 2013, erheblich gestört, erzählt der 34-Jährige. Eine Klage drohte. Kunden blieben weg, Umsatzrückgänge, Verunsicherung bei den Mitarbeitern.

Vom Marktmanager zum Inhaber

Gawdi und sein Team schafften die Kehrtwende. Als Marktmanager, später als Inhaber, habe er Schritt für Schritt Probleme gelöst. Wie? „Ich habe LKW-Fahrer, die sich bei der Anlieferung nicht an die Vorschriften gehalten haben, wieder weggeschickt.“ Gespräche mit den betroffenen Anwohnern haben dann zu mehr Vertrauen geführt. Die Anwohner zogen die Klage wegen Lärmbelästigung zurück. Das Rewe-Geschäft habe wieder einen guten Ruf bekommen. Gawdi investierte in Einrichtung und Produktpalette.

Folge: „Die Kunden kommen wieder gern, was sich natürlich auch auf die Atmosphäre unter den Mitarbeitern auswirkt.“ Innerhalb weniger Jahre hat er das Geschäft vom drohenden Aus zu Umsatzsteigerungen in zweistelliger Prozentzahl geführt. Unternehmerisches Risiko und Mut, die sich gelohnt haben. Auch mit Hilfe seiner Frau Rita, die immer hinter ihm stehe. Auch dank des Teams. Und dank der Rewe-Zentrale. „Deren Unterstützung war für mich auch sehr wichtig.“

Und jetzt die Auszeichnung zum bundesweiten Jungunternehmer des Jahres 2018. Rewe Deutschland schreibt auf seiner Homepage dazu unter anderem: „Ihm gelang es innerhalb von drei Jahren, einen schwierigen Bestandsmarkt der Rewe Dortmund in einem herausfordernden Wettbewerbsumfeld überaus erfolgreich weiterzuentwickeln.“

Den Markt attraktiver machen

Ist damit die Reise des Jimmy Gawdi am Ziel angekommen? Eher nicht. „Der Preis ist auch gleichzeitig eine Herausforderung für mich, mich weiter anzustrengen, das erreichte Niveau für unsere Kunden und Mitarbeiter zu halten.“ Gerade erst hat das Geschäft den Getränkebereich erweitert. „Den wirtschaftlichen Erfolg investiere ich in den Selmer Markt, statt selber persönlich davon zu profitieren, um den Markt für unsere Kunden attraktiver zu machen.“

Im kommenden Jahr eröffnet er ein neues Rewe-Geschäft in Lüdinghausen. Ob Jimmy Gawdi auch in das Rewe-Geschäft ziehen möchte, das auf der jetzigen Rüschkamp- und Tankstellenfläche an der Kreisstraße geplant ist? „Mein Wunsch ist es, im Dorf zu bleiben, in Lüdinghausen zu eröffnen und vielleicht auch, an die Kreisstraße zu ziehen.“ Konkret sei Letzteres aber nicht.