Jesus lacht früh: Bei Manfred Illner beginnt die Krippenzeit bereits im Advent

dzWeihnachtskrippe

Das Jesuskind lächelt Manfred Illner an. Eigentlich sollte es erst am Heiligabend seinen Platz in der Krippe finden. Für Illner beginnt die Krippenzeit aus gutem Grund aber schon im Advent.

Lünen-Süd

, 24.12.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter einem Stall aus Wurzelholz scharen sich weiße und braune Schafe um die Krippe, in der das Jesuskind liegt. Auch die Heiligen Drei Könige und ihr Kamel haben Platz in dem großzügigen Holzstall. „Den hat mir mein Bruder Klaus gebaut, weil er meinte, dass die Figuren von Onkel Kurt nicht in den kleinen Stall passen, den mein verstorbener Freund Kurt Knoche gebaut hatte“, erinnert sich Manfred Illner.

Als Rentner die Liebe zum Holz entdeckt

Onkel Kurt - das war Kurt Henke, der Mann von Illners Tante, der als Rentner seine Liebe zum Holz auslebte. Kurt Henke, der am Rande der Lüneburger Heide lebte, schnitzte die unterschiedlichsten Figuren, vor allem aus Lindenholz. „Früher hatte ich die so genannten Dürer-Krippenfiguren, die dann meine Tochter übernommen hat“, so Illner.

Jesus lacht früh: Bei Manfred Illner beginnt die Krippenzeit bereits im Advent

Die Krippe von Manfred Illner mit den Figuren, die sein Onkel Kurt Henke geschnitzt hat, und dem aus Wurzelholz gefertigten Stall von seinem Bruder Klaus. © Beate Rottgardt

Der Lünen-Süder (84) freute sich, als sein Onkel ihn 1980 fragte, ob er ihm auch etwas schnitzen sollte. „Da hab ich gesagt, ich würde mich über Krippenfiguren freuen.“ Das ließ sich „Onkel Kurt“ nicht zweimal sagen. Als die Figuren fertig waren, überzog er sie mit einem Speziallack, damit sie lange halten.

Jesus lacht früh: Bei Manfred Illner beginnt die Krippenzeit bereits im Advent

Die Heilige Familie mit dem Jesuskind in der Krippe © Beate Rottgardt

Zuerst gehörten nur fünf Schafe samt Hirte zu den Figuren. „Beim nächsten Besuch in der Heide hab ich dem Onkel gesagt, dass die Schafherde doch ein bisschen klein ist, und daraufhin hat er mir noch sechs weitere Schafe geschnitzt.“

Damit die Schafe, aber auch die Heilige Familie im entsprechenden Ambiente in dem Stall stehen, suchte Illner Moos im Wald für den Stallboden. Auch ein Stern schwebt über dem Wurzelholz-Haus.

Alle anderen Figuren sind ein Geschenk des fleißigen Onkels. Das Jesuskind und die Krippe selbst sind aus einem Stück Holz geschnitzt. „Ich finde, es lacht mich an“, so Illner.

Jesus lacht früh: Bei Manfred Illner beginnt die Krippenzeit bereits im Advent

Manfred Illner mit dem Jesuskind in der Krippe, beides aus einem Stück Holz geschnitzt. © Beate Rottgardt

Eigentlich solle man das Jesuskind ja erst an Heiligabend in die Krippe stellen. Und die Weisen aus dem Morgenland erst ab 6. Januar, aber Illner hat sich in den vergangenen Jahren angewöhnt, die kompletten Figuren schon am ersten Advent aufzustellen.

„Ich bin praktizierender Katholik, für mich ist die Krippe auch ein Meditationsort und ein Ort für Gebete, wenn ich abends davor stehe“, sagt Illner, der seit 2004 Ehrenvorsitzender der Kolpingsfamilie Lünen-Süd ist.

Lindenholz holte Kurt Henke oft selbst aus dem Wald

Das Lindenholz für seine Schnitzarbeiten holte sich Kurt Henke oft selbst aus dem Wald, der nahe am Dorf steht, in dem er lebte. „Und wenn dort Linden gefällt wurden, hat er sich immer ein paar Blöcke geholt.“ Bis zu seinem Tod mit 89 Jahren am 5. Dezember 2004 hat er Figuren geschnitzt. Illner bekam nicht nur die kompletten Krippen-Figuren. Im Wohnzimmer stehen auch eine Eule, die er zur Silberhochzeit bekam, ein Hirsch und ein Rübezahl.

Jesus lacht früh: Bei Manfred Illner beginnt die Krippenzeit bereits im Advent

Diese Eule, das Symbol der Weisheit, schnitzte Kurt Henke als Geschenk zur Silberhochzeit von Manfred Illner und seiner inzwischen verstorbenen Frau. © Beate Rottgardt

Den Berggeist aus dem Riesengebirge schnitzte Henke seinem Neffen nach dessen Reise ins Riesengebirge, aus dem Illners Familie stammt. „Ich hab mir da einen maschinell hergestellten Rübezahl gekauft. Als Onkel Kurt den gesehen hatte, meinte er nur: ,Manfred, das ist ja schrecklich, ich schnitz‘ dir einen neuen Rübezahl.‘“

Begeisterung auch für andere Krippen

Illner mag Krippen, schaut sie sich auch gerne in Kirchen wie in Soest an, wo eine große westfälische Krippe aufgebaut ist. Oder an Ständen aus Südtirol auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt.

Jesus lacht früh: Bei Manfred Illner beginnt die Krippenzeit bereits im Advent

Die Heiligen Drei Könige und das Kamel. © Beate Rottgardt

Die für ihn schönste Krippe ist und bleibt aber seine eigene, mit den liebevoll geschnitzten Figuren seines Onkels. Nicht nur, weil die Figuren schon einiges mitgemacht haben. „Im Juli 2006 und im Juni 2018 hatten mein Sohn, der nebenan wohnt, und ich unsere Keller komplett unter Wasser, wegen eines Unwetters. Die Krippe ist auch im Keller gelagert, aber sie hat es zum Glück unbeschadet überstanden“, so Illner.

Und so lächelt das Jesuskind auch dieses Weihnachten den Lünen-Süder an.

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