Mitten im alten Stadtquartier findet sich das Restaurant „Irodion“. Seit 1983 tischt Familie Tzes hier auf. Vater Christos steht persönlich in der Küche. Wir haben seine Kochkünste getestet.

Lünen

, 06.10.2018, 14:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Griechisch essen - das bedeutet normalerweise viel Fleisch mit Pommes und ein Ouzo zum Verdauen. Doch schon von außen ahnt der Gast, dass es im „Irodion“ am Roggenmarkt anders zugehen könnte. Das Fachwerkhaus passt ins Quartier, die Außenwerbung ist dezent und fügt sich in das Gesamtbild ein. Zeit, auch mal einen Blick hinein zu werfen.

Die Atmosphäre im Irodion

Für einen Donnerstagabend ist es ziemlich voll - so dass mein Begleiter und ich schon befürchten, unverrichteter Dinge wieder abziehen zu müssen. Doch Chefin Elena Tzes erwartet uns am Tresen und weist uns freundlich einen Tisch zu. Auf den zweiten Blick offenbart sich, dass das Irodion einen zweiten Raum hat - vor eineinhalb Jahren erweiterte die Familie ihren Betrieb und übernahm die benachbarte Kneipe, wo es nochmal rund 90 Plätze gibt - die Kapazität wurde also verdoppelt.

Die Dekoration ist ein Mix aus rustikaler Fachwerkbauweise und griechischer Tradition - wobei keins der beiden dominiert. Eine angenehme Abwechslung zu Lokalen, in denen zweitklassige Wandmalereien und Bouzouki-Gedudel die Gäste regelrecht einschüchtern. Wir fühlen uns willkommen.

Die Speisekarte

Bietet das, was man beim Griechen erwartet: Kalte und warme Vorspeisen, Salate und Beilagen, fünf Seiten Hauptgerichte plus Kinderkarte, Desserts und Getränke. Bei den Hauptgerichten dominieren die Grillplatten, es sind aber auch Spezialitäten mit Lamm und Fisch im Angebot.

Die Vorspeisen

Mein Begleiter ist an diesem Abend mein langjähriger Chef und Mentor Jörg Heckenkamp, der bereits gute Erinnerungen an dieses Restaurant hat.

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Keftedakia: Zarte Hackfleischbällchen in Tomatensoße. © Jörg Heckenkamp

Er entscheidet sich für Keftedakia, Hackfleischbällchen in Tomatensoße (5,50 Euro). Ich nehme Saganaki, panierten Käse (6,50 Euro). Die Vorspeisen kommen zügig, Jörg ist begeistert von seinen Hackbällchen: „Sehr zart, die zerfallen im Mund.“ Allerdings schmeckt die Soße nicht wirklich nach Tomate, sein Fazit fällt trotzdem positiv aus: „Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis.“

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Saganaki: Panierter Käse. © Daniel Claeßen

Bei meiner Vorspeise ist die Panade geschmacklich stärker als der Käse, unterm Strich sage aber auch ich: „Absolut in Ordnung.“

Die Hauptgerichte

Jörg nimmt Lammfleisch mit Okraschoten (13,50 Euro) - eine Spezialität aus dem Ofen. Meine Wahl fällt auf einen Klassiker: der Odysseus-Teller mit zwei Souvlakispießen und Gyros, als Beilage nehme ich Reis (12,50 Euro). Alle Hauptspeisen serviert Familie Tzes mit einem gemischten Salat, der auch unmittelbar nach dem Abräumen der Vorspeisen auf unserem Tisch steht.

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Beilagensalat mit Cocktaildressing. © Jörg Heckenkamp

Auch dieser Salat ist in Ordnung - das Gemüse knackig, die Tomaten saftig, die Cocktail-Soße leicht scharf.

Die Hauptspeisen lassen nicht lange auf sich warten. Jörgs erster Bissen ist zunächst eine Enttäuschung: „Lamm lebt von seinem Eigengeschmack. Das hier könnte aber auch eine Pute sein.“ Doch nach einigen weiteren Bissen revidiert er sein Urteil: „Ah, jetzt kommt der Geschmack durch.“ Im Gegensatz zur Vorspeise schmeckt die Tomatensoße hier tatsächlich nach Tomate, und der überbackene Käse bedeckt nicht das vollständige Gericht.

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Spezialität aus dem Ofen: Lamm mit Okraschoten. © Jörg Heckenkamp

Mein Hauptgang ist auf den ersten Blick das, was ich erwartet hatte. Doch der erste Bissen überrascht: Das Souvlaki ist sehr saftig, die Spieße nicht angebrannt. Auch das Gyros hat einen vollen Geschmack, die Fettmenge ist gerade ausreichend, um das Fleisch auch ohne Soßen verzehren zu können (wobei ich mir beim nächsten Mal eine Portion Zaziki dazu bestellen würde). Der Reis erhält durch das Basilikum-Gewürz eine besondere Note. Für beide Hauptgerichte gibt es den „Daumen rauf“.

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Der Klassiker: Odysseus-Teller mit Reis. © Jörg Heckenkamp

Die Desserts

Gut, damit hätte man rechnen können: Die Portionen inklusive der Hauptspeisen waren derart üppig, dass wir diesen Gang auslassen müssen. Eigentlich schade - Galaktobureko, laut Spiesekarte Blätterteig mit Grießpudding, Eis und Sahne, hätte ich ja schon gern probiert.

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Ersetzt auch mal ein Dessert: Griechischer Mokka. © Jörg Heckenkamp

Die Getränke

Aber stattdessen bestellen wir uns einen Mokka (2 Euro). Mittelsüß. Und genauso kommt er auch an unseren Tisch. Wobei wir auf keine der Speisen so lange warten mussten wie auf dieses Getränk - was aber nicht verwunderlich ist, denn Mokka wird langsam mit kochendem Wasser aufgegossen.

Ansonsten gab es Bier zum Essen (0,3 Liter für 2,30 Euro), und gleich zu Beginn stellte uns Elena Tzes zwei Ouzo auf Kosten des Hauses auf den Tisch. Die mussten wir leider ablehnen, da jeder noch ein Auto nach Hause zu fahren hatte.

Irodion: Feste Adresse seit fast 36 Jahren

Das Geschenk der Gastgeber mussten wir als Fahrer leider ablehnen - obwohl der Ouzo beim Griechen eigentlich dazugehört. © Daniel Claeßen

Der Service

Schnell, freundlich und zuvorkommend. Nur auf die Rechnung mussten wir - verglichen mit der übrigen Wartezeit - ungewöhnlich lange warten, was angesichts der Atmosphäre nicht ganz so schlimm war. Obwohl an diesem Abend viele Plätze besetzt waren, hatte die Familie alles im Griff.

Die Preise

Am Ende stehen 47,90 Euro auf der Rechnung. Dafür haben Jörg und ich sehr gut gegessen - der Preis geht unserer Meinung nach völlig in Ordnung. Die Gerichte sind nicht billig, aber auch nicht überteuert.

Kinderfreundlichkeit

Es gibt fünf Kindergerichte für je 8 Euro auf der Karte - neben Souvlaki-Spieß und Gyros gibt es Schnitzel und Chicken Nuggets mit Pommes Frites und Salat.

Barrierefreiheit

Wer hinein will, muss drei Stufen steigen. In den engen Gängen könnte es für Rollstühle oder Rollatoren schwierig werden, außerdem liegen die Toiletten im Keller. Hier wäre also Improvisation nötig.

Erreichbarkeit

Das alte Stadtquartier ist nicht wirklich für Autos gedacht. Am besten parkt man am Rande der Innenstadt und läuft zum Irodion, wobei es natürlich in direkter Nähe am Roggenmarkt einzelne Stellplätze gibt. Die nächste Bushaltestelle ist an der Bäckerstraße, knapp 150 Meter entfernt.

Fazit

Christos Tzes hat das Kochen auch nach fast 36 Jahren nicht verlernt - und seine Familie versteht es, ein Restaurant zu führen. Wir haben einen netten Abend im alten Quartier verbracht und - ganz wichtig - sind satt geworden.

Was das Netz sagt

Google listet 250 Berichte auf, insgesamt kommt das Irodion hier auf 4,5 von 5 Sternen.

Alle Infos

Griechisches Restaurant Irodion, Roggenmarkt 20, Inhaber Christos und Elena Tzes. Öffnungszeiten: Täglich von 11.30 Uhr bis 14.30 Uhr und von 17 Uhr bis 23.30 Uhr. Montags nur von 17 Uhr bis 23.30 Uhr.

Tel. (02306) 12864, E-Mail info@irodion-luenen.de

Auf der Website des Irodions finden Sie Fotos und die Speisekarte des Restaurants.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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