Influencerin als Berufswunsch: Da kann eine 16-jährige Lünerin nur drüber lachen

dzHeinrich-Bußmann-Schule

Berufsziel Influencerin - da kann Hasna Dib nur den Kopf schütteln. Die 16-Jährige ist im Netz unterwegs, aber vieles sieht die Schülersprecherin der Heinrich-Bußmann-Schule sehr kritisch.

Lünen

, 29.01.2020, 15:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hasna Dib hat den Ausbildungsvertrag schon in der Tasche. Wenn sie im Sommer die Heinrich-Bußmann-Schule mit ihrem Abschluss verlässt, wird sie eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten beginnen.

Auf die Idee, als Berufswunsch „Influencerin“ anzugeben, wäre die 16-Jährige nie gekommen. „Natürlich bin ich auch in den sozialen Netzwerken unterwegs, aber ich finde, dass Blogger und Influencer viele junge Leute sehr beeinflussen“, sagt die Schülersprecherin der Lüner Hauptschule.

Sensibilisieren für den Umgang mit Hass im Netz

Deshalb interessiert es Hasna auch, was Said Rezek ihr und ihren Mitschülern aus der 10. Klasse zu sagen hat. Der Blogger ist in der Woche vor den Halbjahreszeugnissen als Workshop-Leiter an der Bußmann-Schule. Der junge Journalist mit libanesischen Wurzeln, will die Zehntklässler dafür sensibilisieren, wie sie mit Hass im Netz umgehen sollten.

„Ich will zeigen, wie man als User selbst Akzente setzen kann. Aber auch das Handwerkliche ist dabei wichtig und da gibt es Parallelen zum Journalismus“, so Rezek. Seit neun Jahren ist er selbst Blogger und bietet Blogger-Workshops in Schulen, Initiativen gegen Rechts oder bei Wohlfahrtsverbänden an.

Influencerin als Berufswunsch: Da kann eine 16-jährige Lünerin nur drüber lachen

Blogger Said Rezek (l.) mit Schulsozialarbeiter Markus Rüth, der die Projektwoche mit Lehrern, seiner Kollegin und der Elternpflegschaftsvorsitzenden organisiert hat. © Günter Blaszczyk

So wie in der Bußmann-Schule. Seit 2016 trägt die Hauptschule den Titel „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“. „Wir hatten schon viele kleinere Projekte und Aktionen dazu. Diesmal bieten wir erstmals jahrgangsübergreifende Aktionstage an“, sagt Markus Rüth vom Team Schulsozialarbeit. An das jeweilige Alter der Schüler angepasst, gibt es verschiedene Themen in der Woche am Halbjahresende.

Der Jahrgang 5 beschäftigt sich mit dem Thema „Kinderrechte“ und besucht die Waldschule Cappenberg. Die Sechstklässler haben Besuch von Theaterpädagogen des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel, die in ihrem Workshop Mut zur Zivilcourage vermitteln wollen.

Anderen zu helfen, ohne sich selbst zu gefährden, ist das Stichwort. Finanziert wird dieses Projekt dank der Unterstützung des Lüner Kulturbüros. Auch der Förderverein der Schule finanziert die Projektwoche mit.

Wolfgang Brust von der Bundeskoordinationsstelle „Schule ohne Rassismus“ ist ebenfalls zu Gast. Er spricht am Beispiel eines jungen Liebespaares („Lukas liebt Aische“) über Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religionen Christentum, Judentum und Islam. Diese Diskussionen sind in den Jahrgangsstufen 7 und 8 geplant.

Zeitzeuge und Lernzentrum

Die Achtklässler besuchen außerdem das Lernzentrum des BVB, dort steht auch Zivilcourage im Mittelpunkt. Die Jahrgangsstufe 9 bekommt Besuch von Kurt Glodny, einem Zeitzeugen aus Lünen, und spricht über Manipilation und Unterdrückung am Beispiel des „Gefrierfleischordens“, einem theaterpädagogischen Konzept.

„Zeitlich passt das Projekt gut, denn die Kollegen gehen auch auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 75 Jahren ein“, so Rüth. Das Verbot von Combat 18 und die NSU-Morde sind ebenfalls Themen in der Projektwoche.

Wie man auf Hasstiraden in den sozialen Netzwerken reagieren soll, lernen die Zehntklässler bei Said Rezek. Melden, löschen und kluge Gegenrede sind Möglichkeiten.

Influencerin als Berufswunsch: Da kann eine 16-jährige Lünerin nur drüber lachen

Zeitzeuge Kurt Glodny war in der Heinrich-Bußmann-Schule bei den Neuntklässlern zu Gast. © Günter Blaszczyk

Hasna Dib gefällt der Workshop: „Es ist abwechslungsreich und mal was Anderes.“ Sie selbst nutzt Instagram, stöbert aber eher dort, ist nicht selbst aktiv. Dass kürzlich im Netz Weltuntergangsszenarien verbreitet wurden und Ängste vor einem Dritten Weltkrieg geschürt wurden, mache nachdenklich, so Rüth mit Blick auf das Geschehen im Iran.

Schüler hätten Angst gehabt. Man müsse ihnen klar machen, dass sie nicht alles in den sozialen Medien ernst nehmen sollten. Hasna weiß jedoch: „Viele junge Mädchen lassen sich mitreißen, wenn Influencer etwas posten. Blogger haben schon viel Einfluss.“ Auch wenn sie selbst sich nicht beeinflussen lässt.

Organisiert wurde die Projektwoche von Daniela Mitroulis und Markus Rüth (Team Schulsozialarbeit), den Lehrern Silke Holtmann, Kris Schräder und Jaana Thienekamp sowie der Vorsitzenden der Elternpflegschaft Silvia Quandt.
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