Immer mehr Geschäfte in Selm und Olfen ermöglichen auch bei Kleinstbeträgen Kartenzahlung

dzBargeldloses Zahlen

Immer mehr kleinere Läden bieten ihren Kunden inzwischen Kartenzahlung an. Mindestbeträge sind in vielen Supermärkten mittlerweile abgeschafft worden - aber nicht überall.

von Marcel Schürmann

Selm, Vinnum

, 28.01.2020, 14:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der eine oder andere wird die Situation sicherlich kennen: Man steht an der Kasse im Supermarkt, hat ein paar Produkte auf das Band gelegt und stellt plötzlich fest, dass man kein Bargeld dabei hat.

Zum Glück ist die EC-Karte im Portemonnaie. Oftmals bekam man früher bei Kleinstbeträgen vom Kassierer zu hören, dass man einen bestimmten Mindestumsatz haben müsse, um bargeldlos mit Karte bezahlen zu können. Etwa fünf oder zehn Euro. Die Lösung: Noch ein Produkt aus der Abteilung Quengelware oder eine Zeitschrift mit aufs Band legen, damit man über diesen Mindestbetrag kommt.

Mindestbetrag für Kartenzahlung vermehrt abgeschafft

Diese Zeiten gehören inzwischen größtenteils der Vergangenheit an. Denn in vielen Supermärkten ist die Regel des Mindestbetrags für das Bezahlen mit Karte aufgehoben worden. Wie etwa in der Edeka-Filiale Geldmann an der Botzlarstraße.

„Als das bargeldlose Zahlen vor mehr als 20 Jahren losging, brauchte man noch einen Mindestbetrag, weil für uns ja auch Buchungskosten angefallen sind“, sagt Edeka-Filialleiter Georg Geldmann auf Nachfrage. Für niedrige Beträge ergebe eine Kartenzahlung für Geldmann aus finanzieller Sicht „wenig Sinn“. Doch mittlerweile geht Geldmann mit seiner Filiale „mit der Zeit“, wie er sagt. Einen Mindestbetrag gibt es bei ihm nicht mehr.

„Nicht mehr zeitgemäß“

Auch der Rewe-Markt Gawdi an der Ludgeristraße hat den Mindestbetrag für das bargeldlose Zahlen abgeschafft. „Erst mal ist so ein Mindestbetrag nicht mehr zeitgemäß“, führt Alina Makow, stellvertretende Marktleiterin, aus, „und viele Kunden haben gefragt, warum das überhaupt noch gemacht wird.“ Dem Wunsch der Abschaffung dieses Mindestbetrags für bargeldloses Zahlen ist Rewe Gawdi vor gut einem Jahr entgegenkommen.

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Doch nicht nur in Supermärkten ist bargeldloses Zahlen möglich. Auch viele kleinere Läden bieten inzwischen Kartenzahlung an - oder überlegen, diese einzuführen. So wie die Bäckerei Artmann in Selm. „Wir wollen Kartenzahlung in unseren Filialen einführen, müssen aber noch abwägen, ob es sich am Ende auch tatsächlich für uns lohnt“, sagt Inhaberin Maria Artmann.

Keine Beschwerden, aber viele Anfragen

Das Problem bei der Kartenzahlung sei für Artmann, „dass Gebühren für die Geräte anfallen, und ich einen gewissen prozentualen Anteil des Umsatzes wieder abgeben muss, wenn Kunden mit Karte zahlen.“

Beschwerden, dass Kartenzahlungen in ihrer Bäckerei bislang nicht möglich waren, habe Artmann zwar noch keine erhalten, aber sie merke: „Gerade die jungen Menschen fragen immer mehr danach.“

Viele Kunden fragen nach Kartenzahlung - auch für Kleinstbeträge

In der Bäckerei Büsch in der Edeka-Filiale Geldmann ist das Zahlen mit Karte bereits möglich. Einen Mindestbetrag gibt es nicht. „Allerdings“, sagt Mitarbeiterin Rieke Lohmann, „muss der Endverbraucher für sich selbst entscheiden, ob es sich für ihn wirklich lohnt, nur ein Brötchen mit Karte zu bezahlen.“

Denn mitunter könnten für die Kunden beim Zahlen mit Karte auch Kosten anfallen - abhänging von der jeweiligen Bank, die die EC-Karte ausgegeben hat. „Da kann es ja auch schnell mal passieren, dass die Transaktionskosten teurer sind als das Brötchen selbst.“

Lohmann habe schon häufiger erlebt, dass Kunden nach der Kartenzahlung fragen. Einmal habe aber auch sie gestaunt: „Erst vor Kurzem war ein junges Mädchen hier und hat ein einzelnes Schokobrötchen tatsächlich mit Karte bezahlt“, sagt sie mit einem Lachen. Das war aber kein Problem, denn „mir ist es auch schon ein paar Mal passiert, dass ich mein Portemonnaie vergessen hatte. Da war ich immer dankbar, wenn ich auch Kleinstbeträge problemlos mit Karte zahlen konnte“, sagt sie.

Kunden zahlen auch für Kleinstbeträge mit Karte

Bargeldloses Zahlen ist im Dorfladen Vinnum schon seit der Eröffnung des Ladens Ende 2018 möglich. Das Angebot wird laut Mitarbeiterin Ursula Rotte, von den Kunden häufig genutzt. „Wir haben sehr viele Kunden, die inzwischen mit Karte zahlen - jüngere wie ältere. Auch für Kleinstbeträge von zwei Euro.“

Andreas Kurze, Inhaber des Dorfladens Cappenberg, hat die Kartenzahlung für seine Kunden drei Monate nach der Eröffnung des Ladens im Februar 2019 eingeführt. Bei ihm gibt es jedoch den Mindestbetrag von zehn Euro.

„Für das Karten-Terminal fallen für mich im Monat bis zu 80 Euro Gebühren an, denn neben den Anschaffungskosten und Leihgebühren zahle ich für jede Transaktion weitere Gebühren. Wenn ich meinen Kunden gewähre, einen Schokoriegel und eine Tasse Kaffee mit Karte zu bezahlen, dann bleibt am Ende für mich nicht viel übrig.“ In anderen Ländern werde das ganze Prozedere mit Kartenzahlung laut Kurze besser gehandhabt. „Deutschland“, sagt er, „hängt in der Hinsicht vielen anderen Ländern ganz schön hinterher.“

Immer mehr Händler bieten Kartenzahlung an

Barbara Thöne von der Sparkasse an der Lippe bestätigt, dass inzwischen immer mehr kleinere Läden Kartenzahlung anbieten. Das stellt sie fest, weil die Sparkasse als Vermittler der Karten-Lesegeräte, auch Terminals genannt, immer mehr Anfragen für die Geräte erhält. „Der Trend zeigt eindeutig auf, dass immer mehr Händler diese Bezahlmöglichkeit anbieten, weil die Kunden dies verstärkt nachfragen und als Standard voraussetzen.“

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