Im Prozess nach tödlichem Trucker-Unfall auf der A1 sprechen Richter mildes Urteil

A1 bei Schwerte

Es sah nach einer normalen Panne aus, endete aber tödlich. Ein schrecklicher Unfall auf der A1 bei Schwerte beschäftigte die Richter. Zentrale Frage: War der angeklagte Lkw-Fahrer abgelenkt?

Schwerte

, 23.10.2018, 18:27 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alles sah nach einer ganz normalen Panne aus. Am Abend des 5. Januar 2017 hielt ein Lkw-Fahrer kurz hinter der Auffahrt Schwerte auf dem Standstreifen an, weil eine seiner Bremsen blockiert hat. Er stieg aus und wurde von einem anderen 40-Tonner erfasst. Zahlreiche andere Autofahrer hatten die Leiche des Mannes später auf der rechten Fahrbahnspur liegen gesehen.

Tödlicher Unfall hatte sich angedeutet

Das Amtsgericht Hagen hat den Unfallverursacher am Dienstag zu einer Geldstrafe von 4500 Euro (90 Tagessätze) verurteilt. Damit kann der 52-Jährige seinen Job als Berufskraftfahrer weiter ausführen. Die Strafe ist so niedrig, dass sie nicht ins Führungszeugnis kommt.

Der tödliche Unfall hatte sich schon angedeutet. Ein Autofahrer, der direkt hinter dem Lkw des Angeklagten gefahren ist, hatte alles genau beobachten können. „Der ist plötzlich nach rechts abgedriftet – in Richtung Standspur“, sagte er den Richtern. Genau dort habe jedoch der liegen gebliebene Lkw gestanden. Dann war es auch schon passiert.

Lkw-Fahrer hatte keine Chance

Der Angeklagte schrammte an dem anderen Laster vorbei, erfasste dabei den Fahrer, riss auch noch den Spiegel ab. Der Mann hatte keine Chance. Ein Notarzt, der schnell am Unfallort eingetroffen war, konnte nur noch den Tod feststellen.

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Warum der Angeklagte plötzlich nach rechts gezogen ist, ist unklar. „Ich weiß wirklich nicht, was passiert ist“, sagte er den Richtern. „Ich kann mir nicht erklären, warum ich das andere Fahrzeug nicht gesehen habe.“

Der 52-Jährige hatte eigentlich nur noch bis zum nächsten Rastplatz fahren wollen. Ob er abgelenkt war? „Nein“, lautete seine Antwort im Prozess. „Ich habe nichts gemacht.“ Müde sei er auch nicht gewesen. „Ich hatte erst anderthalb Stunden vorher eine Pause gemacht.“

Laut Fahrtenschreiber keinerlei Verstöße

Eine Auswertung des Fahrtenschreibers hatte tatsächlich ergeben, dass es keinerlei Verstöße gegen die Lenk- und Ruhezeiten gab. Auch sein Handy hatte der Angeklagte zur Unfallzeit nicht bedient. Fakt ist jedoch: Der liegen gebliebene Lkw hatte die Warnblinkanlage eingeschaltet, außerdem gab es an der Heckseite große Reflektoren. Der Verteidiger des Angeklagten sprach in seinem Plädoyer von einem „Augenblicksversagen“.

Trotz gegenteiliger Beteuerung gehen die Richter davon aus, dass der Angeklagte durch irgendetwas abgelenkt war.

„Er hätte den Lkw auf dem Standstreifen auf jeden Fall wahrnehmen müssen“, hieß es im Urteil. Wäre er innerhalb seiner Fahrspur nur etwas weiter links gefahren, wäre nichts passiert. Das Urteil lautet auf fahrlässige Tötung.

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