Illegale Müllkippen: Dreiste Männer laden ganze Wohnwand in Lüner Naturschutzgebiet ab

dzJäger beobachtet und greift ein

Als Jäger und Landwirt hat Dieter Kuhne schon viele illegale Müllkippen in Lünens Wäldern gesehen. Ein Fall aus dem vergangenen Oktober ist ihm als besonders dreist in Erinnerung geblieben.

Lünen

, 09.01.2020, 17:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er habe im Revier gesessen, erinnert sich Jäger, Landwirt und Immobilienmakler Dieter Kuhne, als er plötzlich diesen großen VW-Bulli den einsamen Waldweg im entlegenen Winkel des Naturschutzgebietes Welschenkamp entlangfahren sah.

Männer gaben sich als Bahnmitarbeiter aus

Zwei Männer, beobachtete er dann, luden eine komplette Wohnwand aus Holz ab - und wollten sich wieder aus dem Staub machen. Kuhne war aber längst in sein Auto gestiegen und stellte es vor dem Bulli ab.

„Ich habe sie dann gefragt, was sie hier machen“, erinnert er sich. Die beiden Männer gaben vor, im Namen der Bahn dort unterwegs zu sein. Sie müssten dort etwas kontrollieren. Mit dem Müll hätten sie nichts zu tun.

Bußgeld-Verfahren läuft

Kuhne stellte also seinen Wagen zur Seite und wünschte eine gute Fahrt, notierte sich aber das Kennzeichen des Wagens. Dass ihre Ausrede wenig Aussicht auf Erfolg haben würde, bemerkten die Männer offenbar kurz darauf. Sie kehrten zurück, gaben zu, dass das ihr Müll sei - und baten um Nachsicht. Sie würden ihren Müll auch wieder einladen.

Das ganze war im Oktober letzten Jahres. Kuhne ließ sich nicht darauf ein - und noch immer läuft das Bußgeld-Verfahren gegen die beiden Männer.

Wer erwischt wird, muss die Entsorgungskosten übernehmen und eben das Bußgeld bezahlen. Das kann saftig ausfallen, bis deutlich über 1000 Euro. Der Kreis Unna bestätigte den Fall am Dienstag (10.1.), das Bußgeld werde in diesem Fall bei einem hohen dreistelligen Betrag liegen.

„Was da abgeladen wird, ist unglaublich“

Kuhne würde sich über eine hohe Strafe freuen, auch aus Abschreckung für andere Umweltsünder: „Was da derzeit abgeladen wird, ist unglaublich.“ An manchen Stellen werde alle drei Tage neuer Müll hinzugefügt. Nur selten werden die Übeltäter, wie in diesem Falle, auf frischer Tat ertappt.

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Diese Umweltvergehen sind besonders ärgerlich, weil sie neben dem Schaden an der Natur die Allgemeinheit auch finanziell belasten. Müssen mehr wilde Müllkippen beseitigt werden, steigen in der Konsequenz die Müllgebühren - und die zahlen alle.

Teile des Mülls werden von außerhalb gebracht

Die Mitarbeiter der Wirtschaftsbetriebe Lünen (WBL) entsorgen den wilden Müll in der Regel, wenn man ihnen Bescheid gibt. Die „schnelle Entsorgung“ stünde bei manchen Menschen hoch im Kurs, sagte der stellvertretende Abteilungsleiter Stadtbildpflege der WBL im Gespräch mit dieser Zeitung. Rund ein Fünftel des Mülls stamme nicht aus Lünen, sondern von außerhalb, schätzte er.

In einem besonders heftigen Fall soll ein Dortmunder rund 1,4 Tonnen Müll am Datteln-Hamm-Kanal abgeladen haben.

Anmkerung, Freitag, 10.1.: In einer früheren Version hieß es, der Kreis Unna habe auf unsere Anfrage noch nicht geantwortet. Diese Antwort ist inzwischen da und im Text ergänzt.

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