Mähroboter und Insektensterben: Igel haben es immer schwerer - diese Selmerin hilft ihnen

dzHilfe für Igel

Die Selmerin Susanne Hübner kümmert sich schon seit mehreren Jahren um unterernährte und verletzte Igel. Sie erzählt, warum das immer notwendiger wird - und was der Lohn für ihre Mühe ist.

Selm

, 18.12.2019, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Susanne Hübner (52) erinnert sich noch genau daran, wie es war, als sie Luise vor drei Jahren fand. Die Igeldame lag unter dem Vogelhäuschen im Garten und war verletzt. Wahrscheinlich, so nimmt Susanne Hübner an, von einem Kantenschneider, einem Mähwerkzeug für den Garten.

Susanne Hübner, die einen Hundesalon in Selm betreibt, päppelte Luise damals auf. Es war ihr Start als Igelretterin und ist inzwischen ein Einsatz von vielen. Auch jetzt hat sie drei unterernährte Igel in ihrem Keller untergebracht. Das ist eine Zwischenstation, bis die Igel weiter ins Außengehege dürfen.

Igel haben Probleme alleine durch den Winter zu kommen

Für Igel ist es in den vergangenen Jahren immer schwerer geworden, alleine durch den Winter zu kommen. Die Heinz-Sielmann-Stiftung weist in einer Pressemitteilung auf die immer geringer werdende Igelpopulation hin. „Bis heute ist der Bestand regelrecht zusammengebrochen“, schreibt die Stiftung für Naturschutz mit Verweis auf zwei Langzeitstudien.

Die private Igelhilfe Münsterland, der Susanne Hübner angehört, kann dazu auch Zahlen nennen: Im vergangenen Jahr hat sie sich um insgesamt 500 Igel gekümmert. Dieses Jahr waren es bis zum 12. Dezember schon 750 Igel.

Weniger Insekten und Mähroboter als Problem

„Das liegt am veränderten Klima“, sagt Susanne Hübner. Es gebe weniger Insekten, die die Igel fressen konnten. Schon der letzte heiße Sommer habe dazu geführt, dass die Igel geschwächt in den Winterschlaf gegangen seien und dieses Jahr sei es nicht besser gewesen.

Hinzu kämen Gärten, die nicht gerade igelfreundlich sind. Zum Beispiel Steingärten. Und dann gibt es auch noch Hilfsgeräte für den Garten, die eine Gefahr für den Igel darstellen: „Ich bin ein großer Feind von Gartenmährobotern und Laubsaugern“, sagt Susanne Hübner, „die sind der Tod für Igel.“

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Müll und Mähroboter als Problem

Dieses Jahr fand sie einen Igel, dem die Hinterbeine abgemäht worden waren. „Die Fotos davon wollen Sie lieber nicht sehen“, sagt sie. Und wenn der Mähroboter über einen Baby-Igel fahre, der gerade lernt, wie er Insekten jagt, „dann finden Sie von dem nur noch die Stachel“, sagt Susanne Hübner. Sie würde sich deshalb wünschen, dass Menschen weg von Mähroboter und Laubsauger gehen würden und lieber hin zum etwas unperfekteren Garten.

Mähroboter und Insektensterben: Igel haben es immer schwerer - diese Selmerin hilft ihnen

Das ist Pumpkin, die Igeldame wird aktuell von Susanne Hübner aufgepäppelt. © Sabine Geschwinder

Hinzu käme der Müll, den manche Menschen achtlos in die Gegend werfen würden. Ein anderer Igel hatte sich in einer Brötchentüte verfangen, einer von denen mit einem durchsichtigen Plastikfenster, „er hatte sich damit die ganze Seite aufgerissen“, sagt Susanne Hübner.

Hilfe für Igel, die noch nicht im Winterschlaf sind

700 Gramm müssen Igel wiegen, um in den Winterschlaf gehen zu können. Sie wachen dann im besten Fall im Frühling mit der Hälfe an Gewicht auf. Doch auch jetzt finde man immer noch reichlich Igel, die längst nicht im Winterschlaf sind. Die Igel, die bei Susanne Hübner im Garten leben, seien erst im November in den Winterschlaf gegangen, „und auch das ist schon spät“, sagt sie.

Mähroboter und Insektensterben: Igel haben es immer schwerer - diese Selmerin hilft ihnen

Die Igel, die sich momentan im Keller von Susanne Hübner befinden, wiegen alle unter 700 Gramm. Das Gewicht für den Winterschlaf haben sie noch nicht erreicht. © Sabine Geschwinder

Wer jetzt noch einen Igel finde, der wisse, dass dieser Hilfe braucht. Dann ist er am besten bei einem igelkundigen Tierarzt oder einer Pflegestelle aufgehoben.. Dort werden dann die Igel aufgepäppelt, mit dem Ziel sie zunächst in ein Außengehege und später wieder völlig auszuwildern. Auch Privatleute können helfen, und nach fachkundiger Anleitung in ihrem Garten zum Beispiel ein Außengehege stellen. „Dafür suchen wir auch aktuell noch Leute“, erklärt Hübner.

Sich um einen unterernährten Igel zu kümmern ist zunächst nicht ganz unaufwendig und bedeutet auch einiges an Futter, was investiert werden muss. Dafür hat derjenige, der die Zeit investiert vielleicht bald einen Garten mit Igel. „Igel sind sehr gebietstreu“, erzählt Susanne Hübner. In ihrem Garten leben drei Igel. Einer davon ist Luise.

Die Igel-Hilfe Münsterland ist kontaktierbar über www.facebook.com/igelhilfeMuenster Das Notfallhandy hat die Nummer (0162) 2396640
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