Schon seit Jahrzehnten ist die Hornemühle eine gute Adresse für Fleisch-Fans. Wer Vorspeisen liebt, muss Abstriche machen. Zumindest bei unserem Check. Und ab 2019 wartet etwas ganz Neues.

Werne

, 19.10.2018, 05:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Denn Wirt Mustafa Mrzljak (48) gab nach dem Check im Gespräch bekannt, dass er und Gattin Seherzada (46) Ende des Jahres 2018 den Betrieb aufgeben: „Aus gesundheitlichen Gründen“, so der Bosnier.

Die Nachfolge sei geregelt. Ein Landsmann mache mit seiner Frau („entfernte Verwandte von mir“) ab Januar 2019 die Hornemühle mit ähnlicher Küche neu auf. „Unser letzter Tag ist Silvester 2018.“

360-Grad-Panorama vom Hauptraum:

Ich kenne das Restaurant seit seligen Schüler-Zeiten. Mein erstes Geld als freier Mitarbeiter der Ruhr Nachrichten Werne vor 40 Jahren habe ich dort in einen Grillteller investiert.

Immer wieder besuchte ich das direkt an der Horne gelegene Restaurant in den vergangenen Jahrzehnten. Selbst, als ich viele Jahre in Dortmund wohnte und arbeitete, war das früher jugoslawische und heute internationale Restaurant einen Besuch wert.

Jetzt war ich allerdings schon etliche Zeit nicht mehr dort. Umso gespannter fieberte ich dem Restaurant-Check-Abend am Dienstag, 16. Oktober 2018, entgegen. Meine Begleitung war mein jüngerer Bruder Falk, der gerne kocht und gerne Essen geht.

Das Essen:

Die Karte weist sieben Vorspeisen und fünf Suppen aus. Mein Bruder entscheidet sich für die Champignonköpfe, gefüllt mit Krabben und Käsesauce überbacken (8,50 Euro). Ich nehme die Tomatensuppe (3,50 Euro). Resultat vorweg: Beides kann nicht überzeugen.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Die Champignonköpfe mit Krabben und Käsesauce waren alles andere als eine Offenbarung. © Jörg Heckenkamp

Die Champignons schmecken fad, die Krabben ebenso. Außerdem sind sie nicht in die Köpfe gefüllt, sondern schwimmen in der kräftig mit Knoblauch gewürzten Käse-Sauce, die die Zutaten fast ertränkt. Auch der optische Eindruck ist keine Offenbarung.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Eher ein heißer Brei als eine Suppe. Die Tomatensuppe mit reichlich Reis-Einlage. Die Scheibe Toast ist sowas von über. © Jörg Heckenkamp

Meine Tomatensuppe ist eher ein Tomaten-Brei: Dick, sämig und mit viel Reis als Einlage. Schmeckt fast wie heißer Tomatenketchup, ohne die süßliche Note allerdings. Fazit: Vorspeisen eher pfui als hui.

Als Hauptgerichte wählen wir den Klassiker Hornmühleteller (tatsächlich ohne das „e“ geschrieben) und für meinen Bruder den Piratenspieß. Einzig die Tatsache, dass die Hauptgerichte schon angerichtet waren, bevor wir die Vorspeisen verzehrt hatten, trübt die Freude ein wenig.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Mit dieser Bestellung haben wir nichts falsch gemacht: Die drei Fleischsorten auf dem Piratenspieß waren köstlich, die Pfeffersauce göttllich, die Kroketten gut. © Jörg Heckenkamp

Ansonsten: doppelt hui für die reichlichen und leckeren Fleischportionen. Der Piratenspieß (14,50 Euro) verwöhnt mit drei Sorten Fleisch (Schweinefilet, -lachs und Rindersteak). Lediglich das Filet ist etwa trocken geraten, vom Geschmack aber bestens.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Fleisch - das kann die Gaststätte. Der Hornmühleteller war klasse, inklusive Pommes und Reis. © Jörg Heckenkamp

Nichts anderes bei meinem Hornmühleteller (14,90 Euro): ob Cevapcici oder Rumpsteak - auch hier gibt‘s nichts meckern. Besonders aromatisch und kross fällt das Stück Speck aus. Djuwetschreis auf den Punkt und gute Pommes runden die Schlemmerei ab.

Großes Lob an Chefin Seherzada, die in der Küche das Regiment führt.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Die Portion Palatschinke mit Konfitüre geht in Ordnung für 6 Euro. © Jörg Heckenkamp

Obwohl wir pappensatt sind (und ich mir die Hälfte sogar für zu Hause einpacken lasse) wollen wir auf einen Nachtisch nicht verzichten. Die Palatschinke (6 Euro) reicht gut und gerne für zwei Personen und ist ihr Geld wert.

Die Getränke:

Die Auswahl ist umfangreich: Von der Cola (0,2 l, 1,60 Euro) über Bier (Krombacher 0,3 l, 2,50 Euro) und diversen Weinen (offenen und Flasche) bis hin zur Tasse Kaffee für 2 Euro. Zudem wartet ein großes Angebot an Spirituosen und Longdrinks auf die Gäste.

Die Preise:

“Die Hornemühle war früher der Fresstempel für die Jüngeren, die gute Portionen für geringes Geld wollten“, erinnert sich mein Bruder und spricht mir aus der Seele. Wenn auch heute eher ältere Gäste das direkt oberhalb der Horne gelegene Restaurant ansteuern: An dem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis und den satten Portionen hat sich nichts geändert. Ein Schnitzel „Wiener Art“ ist für 10,50 Euro annonciert, das Rumpsteak Madagaskar kostet 18,90 Euro.

Die Atmosphäre:

Die Hornemühle ist ein großer Laden - das fällt allerdings nicht direkt ins Auge, weil sich die einzelnen Bereiche auf verschiedenen Ebenen beziehungsweise verteilt in dem historischen Bau befinden.

Der Hauptspeiseraum mit Thekenbereich ist länglich und L-förmig, es schließen sich der Essensraum mit Blick auf die Horne sowie ein weiterer kleiner Gastraum hinten zum Parkplatz an.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Innenansicht der Hornemühle an der Steinstraße 49 in Werne. Die Gaststätte ist in warmen Herbsttönen gehalten. © Jörg Heckenkamp

Im ersten Stock gelegen ist der Gesellschaftsraum für bis zu 40 Personen, die beiden Kegelbahnen finden sich in einem separaten Gebäudetrakt. Hinten heraus bietet die Hornemühle im Sommer einen kleinen Biergarten-Bereich, der ansonsten als Parkplatz fungiert.

Die Einrichtung des Restaurants gefällt mir gut. Unaufdringlich aber anheimelnd, in warmen Herbsttönen gehalten. Die etwas verschachtelten Räume suggerieren Exklusivität.

Der Service:

Problem! Zumindest an diesem Dienstagabend bei unserem Check. Wir hatten noch nicht Platz genommen, als die Bedienung bereits nach den Getränken fragte und die Speisenkarten hinlegte. Wir mussten um etwas Geduld bitten, was beinahe ironisch kommentiert wurde.

360-Grad-Panorama vom hinteren Raum:

Am Nachbartisch plauderte besagte Bedienung wenig später Interna des Hauses aus, die wir an unserem Tisch eigentlich gar nicht hören wollten.

Zwar steht unten auf der Speisenkarte der Hinweis, man könne sich zu jedem Hauptgericht einen Salat am Büfett nehmen (und ich als alter Kunde wusste das auch). Aber ein Hinweis der Bedienung wäre trotzdem hilfreich gewesen.

Wir hatten die Vorspeisen noch nicht beendet, da waren die Hauptgerichte schon fertig vorbereitet, also keinerlei Päuschen für den Magen - schlecht.

Hornemühle: Vorspeise pfui, Fleisch-Teller zweimal hui

Tatsächlich liegt das Restaurant direkt an der Brücke über die Horne. Der Service konnte am Testabend leider nicht punkten. © Jörg Heckenkamp

Als wir bezahlen wollten, ließ sich die Kellnerin gar nicht mehr blicken und wir mussten aufstehen und sie rufen.

Keine Ahnung, ob diese mangelnden Service-Leistungen mit dem bevorstehenden Abgang des Wirte-Paares zu tun haben. Aber eigentlich sollte man doch bis zum Schluss alles geben.

Kinderfreundlichkeit:

Schön: Es gibt eine eigene, sehr nett gestaltete Kinderkarte. Außerdem sind laut Wirt Mustafa Mrzljak fast alle Gerichte auf Anfrage als Kinderportion zu haben.

Barrierefreiheit:

Nicht gegeben. Eine kleine Stufe vor dem Haupteingang sowie mehrere Stufen am rückwärtigen Eingangsbereich.

Mein Fazit:

Wer große, gute, preiswerte Fleischportionen mag, ist in der Hornemühle richtig und sollte das auf jeden Fall noch unter der Ägide der Mrzljaks ausprobieren. Auf Vorspeise oder Suppe lässt sich unserer Erfahrung nach gerne verzichten. Und der schlampige Service muss deutlich besser werden.

Anfahrt/Parken:

Hinter dem Restaurant befindet sich der große Parkplatz am Hagen (Solebad). Dort kann man drei Stunden kostenlos parken. Die Hornemühle liegt nahe der Innenstadt, aber auch nicht weit vom Stadtpark entfernt. Beides Möglichkeiten für einen Verdauungsspaziergang.

Was sagt das Netz?

126 Google-Rezensionen summieren sich zu 4,4 von 5 Sternen. Typische Bewertungssatz: „Sehr gutes Essen. Große Portion. Nette Bedienung.“

Bei Tripadvisor finden sich elf Bewertungen, die die Note 4,5 von 5 vergeben.

Restaurant-Infos:

Hornemühle, Steinstraße 49, 59368 Werne, Tel. (02389) 4 02 91 71

Dienstags 17-22 Uhr, Donnerstag bis Sonntag 11.30 bis 14.30 und 17 bis 22 Uhr. Montags Ruhetag.

ACHTUNG: Ab Januar 2019 unter neuer Leitung.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich. Nachdem wir die Rechnung beglichen haben, offenbaren wir uns und vereinbaren für die nächsten Tage einen Fototermin für die Gaststätten-Aufnahmen.
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