Hitler-Attentat: Seine Familie weihte Wilhelm zur Nieden in die Pläne nicht ein

Hintergrund

Kurz vor Kriegsende, im April 1945, ermordete die SS den Fröndenberger Wilhelm zur Nieden und weitere Mitwisser des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944.

Fröndenberg

14.07.2019, 22:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hitler-Attentat: Seine Familie weihte Wilhelm zur Nieden in die Pläne nicht ein

Der gebürtige Fröndenberger Wilhelm zur Nieden wurde letztlich ein Opfer der NS-Diktatur, die er zu stürzen versucht hatte.

August Wilhelm zur Nieden, Rufname Willy, wird am 29. August 1878 in Fröndenberg geboren.

Der Diplom-Ingenieur war seit 1910 technischer Leiter der Stadtwerke in Wuppertal-Barmen und von 1927 bis 1934 Generaldirektor der Leipziger Stadtwerke und Mitglied des Stadtrates, 1934 wird aus diesem Amt aus politischen Gründen von den Nationalsozialisten entlassen.

Er hatte durch seine Tätigkeit in Leipzig Kontakte mit dem damaligen Leipziger Oberbürgermeister Carl Goerdeler, der zum Kreis des Widerstandes gegen Hitler gehörte.

Obwohl er aus christlichen Motiven vor einem Mord an Hitler zurückschreckte, wurde er von Goerdeler in den Plan des Attentates eingeweiht und war zur Mitarbeit in einer neuen Regierung bereit, eventuell im Amt eines Verkehrsministers.

Am 20. August 1944, ein Monat nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler, im mecklenburgischen Gut Bonsart verhaftet, wurde er im Januar 1945 vor dem Volksgerichtshof angeklagt unter Leitung von Roland Freisler.

Eine aktive Unterstützung des Attentates konnte ihm nicht nachgewiesen werden, er habe jedoch von den Planungen gewusst, so die Gestapo, und wurde daher wegen der Nicht-Weitergabe seiner Informationen des Hochverrates schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.

Eventuell ist seine ihm von den Attentätern zugedachte Rolle im Falle des Gelingens der Neuordnung des Staates auch höher einzuschätzen als bisher durch die Forschung geschehen.

Gesichert ist sein Aufenthalt konkret am 20. Juli in Berlin, wie er der Familie mittelte; „dort könne man dann alles Weitere besprechen“ heißt es verklausuliert und vieldeutig, denn er hatte aus Vorsicht und Rücksichtnahme gegenüber der Familie diese nicht konkret in das Vorhaben des Attentates eingeweiht.

Im April 1945 wurde er unter dem Vorwand der Verlegung in das Gestapo-Gefängnis des Prinz-Albrecht-Geländes (Hauptquartier der SS und der Gestapo in der Berliner Innenstadt) und anschließender Entlassung auf dem Wege dorthin zusammen mit anderen Mitgefangenen auf einem entlegenen Grundstück von der SS ermordet.

Am 5. Mai wurden die Leichen provisorisch auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof verscharrt und später in einem Ehrengrab unter einem Steinblock beigesetzt, auf dem ihre Namen eingemeißelt wurden.

Mit Wilhelm zur Nieden starben Rüdiger Schleicher (Schwager von Dietrich Bonhoeffer), der Bruder von Dietrich Bonhoeffer, Klaus Bonhoeffer; Friedrich Justus Perels, Carl Marks, Hans-Ludwig Sierks und Richard Kuenzer.

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