Historische Tour: Als selbst Beifang noch 20 Kneipen hatte

dzBesondere Führung

Mit Bier und Frikadellen im Gepäck, starteten zahlreiche Selmer eine Spurensuche durch die Selmer Kneipen. Zu hören gab es Geschichten von alten Gefängniszellen und legendären Tanzlokalen.

Selm

, 16.10.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Geführt von Malte Bock und Michael Reckers hat sich am Samstag eine große Gruppe auf die Suche nach ehemaligen Orten der Selmer Kneipenlandschaft begeben. Mit Erfolg und viel Spaß.

Es muss sie wohl gegeben haben, diese besondere Spezies Mensch. Kneipengänger, die einfach mal am Tresen gestanden haben. Ungezwungen. Für eine Unterhaltung. Auf ein Glas Bier. Und es muss sie wohl ebenfalls gegeben haben, diese Kneipe. Stets geöffnet. Mit zufriedenen Wirten. Gäste in Dreierreihen vor der Theke. Auf ein Glas Bier – oder mehrere. Zeugnisse davon gibt es viele.

Historische Tour: Als selbst Beifang noch 20 Kneipen hatte

Malte Bock (r.) hatte Informationen zu den Gaststätten in Selm-Beifang gesammelt. Die Teilnehmer der Kneipenführung erzählten dazu ihre ganz eigenen Anekdoten. © Veranstalter

20 Stationen hatte Malte Bock auf dem Zettel stehen. 20 Kneipen allein in Selm-Beifang, die es früher einmal gegeben hat und von denen heute nur noch eine Handvoll geöffnet sind. „Und das sind längst nicht alle“, sagt Malte Bock. Die Adressen dieser 20 Kneipen liegen aber so, dass sie auf einem Rundweg nacheinander angesteuert werden konnten.

Großes Interesse

Denn das war das Ziel der historischen Kneipenführung, einem Angebot der Selmer Volkshochschule, das nach Führungen in Selm-Dorf und Bork nun auch in Beifang aufgegriffen worden ist. Von FoKuS-Vorstand Michael Reckers angesprochen, hatte sich Malte Bock, dessen Familie seit 1911 in Selm Gastronomie betreibt und seit 1955 im Selmer Hof beheimatet ist, mit den Gaststätten in Selm-Beifang beschäftigt.

Dazu gehörte viel Recherche – ein Besuch im Stadtarchiv und Gespräche mit ehemaligen Wirten oder deren Angehörigen. Profitieren sollte davon eine große Gruppe Interessierter – bunt gemischt von 25 bis 80 Jahren – die am Samstag einiges über die Selmer Kneipenlandschaft erfahren konnten. „Mit so einem großen Interesse hatten wir gar nicht gerechnet“, erklärte Michael Reckers. Die Teilnehmerzahl war auf 25 beschränkt, schon bei der Anmeldung konnten im Vorfeld nicht alle eine Zusage erhalten.

Arrestzelle im Keller

Angefangen am Selmer Hof, 1911 als Gemeindegasthaus gebaut, mit historischer Telefonzelle und alter Arrestzelle im Keller, führte die Route über die Yalle sowie Schneider/Schickert und die Gaststätte Zum Kamin auf der Breite Straße zu Harrys Saloon. Auf dem Hermann-Löns Weg hatte Harry Jacobi bis 1989 Selms erste Diskothek geführt. Was 1957 noch mit Tanzkapellen im Lokal mit dem Namen Buddenberg angefangen hatte, entwickelte sich in den 1970er Jahren zur Disko mit Diskjockey, Spiegelwand und Nebelmaschine. Stars, wie Andy Borg und Wolfgang Petry, hatten in Harrys Saloon Auftritte.

Historische Tour: Als selbst Beifang noch 20 Kneipen hatte

Der Auftritt von Wolfgang Petry wurde so beworben. © Veranstalter

Die Erzählungen von Malte Bock bereicherten die Teilnehmer der Tour immer wieder mit ihren eigenen Erlebnissen und Anekdoten aus der Blütezeit der Kneipenszene. Bernd-Hubert Baumeister, Dieter Bohnenkemper oder Ludger Schwenken konnten darüber hinaus noch viel Wissenswertes aus der Selmer Stadtgeschichte beitragen. Vorbei an der Hirschklause und der Hermannshöhe, dem Casino der ehemaligen Zeche auf der Buddenbergstraße, führte der Weg zurück auf die Kreisstraße und den Beifanger Weg.

91-jährige Wirtin

„Drei Pils haben bei Inge Schulte auf dem Beifanger Weg einst 1 DM gekostet“, erzählte Malte Bock. Das war in den 1960er Jahren. Die mittlerweile 91-Jährige Wirtin Inge Schulte konnten die Teilnehmer der Tour sogar kurz kennenlernen. Wie in vielen der ehemaligen Gastronomien, finden sich auch bei Schulte am Beifanger Weg heute Wohnungen. „Wir hatten ein gutes Geschäft“, erzählte Inge Schulte.

Doch irgendwann habe es nachgelassen. Die Schließung folgte. Was bleibt, ist ein Zeugnis der guten Zeit. Und davon wollen die Teilnehmer der Kneipenführung bei einer nächsten Tour mehr hören und vor allem sehen. „Mehr Fotos“, wünschte sich Birgit Matera für eine Wiederholung. Damit man auch sehen könne, wie es einst gewesen ist. Und eine Wiederholung im nächsten Jahr stellten Michael Reckers und Malte Bock aufgrund des guten Zuspruchs gleich in Aussicht.

Wer Informationen und vor allem Fotos zu den Gaststätten in Selm-Beifang liefern kann, kann sich mit Malte Bock unter Tel. (0175) 2730474 oder per E-Mail unter malte.bock@gmx.de in Verbindung setzen.

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