Brenzlige Situationen oder gar Unfälle: Jede Stadt hat so ihre Problemzonen. Dennoch fallen Unfallschwerpunkte manchmal urplötzlich aus der Statistik. Will da jemand was herunterspielen?

Werne

, 16.08.2019, 16:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auf den ersten Blick könnte man meinen, hier habe jemand etwas vergessen: Wer die in der jüngsten Verkehrsunfallstatistik der Polizeibehörde Kreis Unna aufgeführten „Unfallhäufungsstellen“ mit denen vergleicht, die die Unfallkommission bei ihrer letzten Untersuchung in Werne ins Auge gefasst hat, könnte ins Grübeln geraten. Denn die ausgemachten Unfallschwerpunkte sind alles andere als deckungsgleich.

Gleich drei Stellen waren für die Lippestadt in der Statistik ausgewiesen und verschiedenen Kategorien zugeordnet worden:

  • Drei Unfälle mit gleicher Ursache (z.B. beim Abbiegen) innerhalb eines Jahres: Münsterstraße / Hansaring / Penningrode
  • Fünf Unfälle mit Fußgängern oder Radfahrern innerhalb von drei Jahren: Capeller Straße / Bahnhofstraße / Ottostraße
  • Fünf Unfälle mit schweren Personenschäden innerhalb von drei Jahren: Bahnhofstraße / Fürstenhof / Tenhagenstraße

Doch von all diesen Stellen fehlte jede Spur, als die Unfallkommission, die 2018 auf der Suche nach Gefahrenpunkten durch die Lippestadt gezogen war, im April 2019 ihre Ergebnisse veröffentlichte. Denn auffällig waren dabei lediglich zwei Stellen rund ums Stadthaus - die Kreuzung Münsterstraße / Bahnhofstraße / Konrad-Adenauer-Platz sowie der Fußgängerüberweg am Stadthaus / Konrad-Adenauer-Platz.

„Wir sind mit dem Kreis Unna in Gesprächen über den Kreisverkehr am Bahnhof.“
Adrian Kersting
Tiefbauamtsleiter

Wie kann das sein? Vor allem vor dem Hintergrund, dass sich allein im Januar 2019 schon drei Unfälle mit Radfahrern im Kreisverkehr am Bahnhof ereignet haben...

Vera Howanietz, Pressesprecherin der Polizeibehörde Kreis Unna, erklärte das Prozedere auf Anfrage unserer Redaktion so: „Grundsätzlich werden die Unfallhäufungsstellen jährlich erhoben, dann ausgewertet und Maßnahmen besprochen.“ Und weil all das natürlich eine Weile dauert, weise die jüngste Unfallstatistik zunächst einmal lediglich die Stellen aus, die im Jahr 2017 auffällig waren.

Unfallursache ist ausschlaggebend

Zudem könne es sein, dass selbst Stellen, an denen es über Jahre hinweg ordentlich gescheppert hat, plötzlich aus der Liste herausfallen. Und das rein theoretisch sogar, wenn die Zahl der Unfälle gestiegen ist. Denn ausschlaggebend sei mitunter die Art und Weise, auf die die Unfälle zustandegekommen sind.

„Nur so kann man ja entsprechende Maßnahmen treffen. Wenn beispielsweise an einer Kreuzung innerhalb eines Jahres zwei Unfälle wegen Alkoholkonsums passiert sind, zwei beim Abbiegen und zwei beim Überholen, dann ist es schwer zu sagen, was genau man dort ändern muss“, so Howanietz.

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Stadt will sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Scheint fast so, als könne sich die Stadt auf der Statistik erst einmal ausruhen, oder etwa nicht? Adrian Kersting versichert, dass dem nicht so ist: „Wenn solche Bereiche nach getätigten Maßnahmen nicht mehr als Unfallhäufungsstellen in der Statistik auftauchen, dann heißt das zunächst einmal, dass wir einiges richtig gemacht haben. Wir haben zum Beispiel am Fürstenhof durch die neue Fahrbahnmarkierung nachjustiert“, so Wernes Tiefbauamtsleiter im Gespräch mit unserer Redaktion.

Gerade den Kreisverkehr am Bahnhof habe man aber nach wie vor im Blick. Nicht zuletzt wegen der Unfälle mit Radfahrern zu Jahresbeginn.

2018 hatte es im Bereich Capeller Straße / Bahnhofstraße / Ottostraße laut Polizei keinen einzigen Unfall gegeben. Von 2015 bis 2017 waren es sieben. Nach den drei Unfällen im Januar 2019 hatte die Polizei im Zuge einer größeren Kontrolle Radfahrer auf ihr Fehlverhalten aufmerksam gemacht. An der Kritik an dem als unübersichtlich geltenden Kreisverkehr mit irritierenden Fahrspuren hatte das aber nichts geändert.

Gedanken kreisen um den Kreisverkehr

Die kleinen roten Fähnchen, die die Stadt zur Geschwindigkeitsdrosselung bereits im vergangenen Jahr auf der Fahrbahn angebracht hatte, brachten nicht den gewünschten Effekt. „Deswegen sind wir weiter mit dem Kreis Unna in Gesprächen. Vielleicht müssen wir die Stelle auch zu einer normalen Kreuzung zurückrüsten. Es ist ja baulich noch nicht mal ein echter, sondern nur ein angedeuteter Kreisverkehr“, so Kersting.

Mehr als erste Überlegungen seien das aber noch nicht. Ein „Gedankenkreisen“, wenn man so will: Denn grundsätzlich sei die Stadt in Sachen Kreisverkehr am Bahnhof auf den Kreis Unna angewiesen, da es sich um eine Kreisstraße handelt.

Hier knallt‘s oft in Werne - aber die Unfallstatistik sagt was ganz anderes

Unübersichtlich: So stellt sich die Verkehrssituation am Stadthaus dar. © Felix Püschner

Lösungsansätze für Situation am Stadthaus

Beim Fußgängerüberweg am Stadthaus - eine der beiden von der Kommission ausgemachten Unfallstellen - sei man schon einen Schritt weiter. Den „Verkehrsschilderwald“ wolle man definitiv stark ausdünnen, so Kersting: „Das Durchfahrtsverbotsschild zum Busbahnhof beziehungsweise die Rechts-vor-Links-Regelung ist zum Beispiel unsinnig. Die Busse haben dort sowieso einen Anforderungskontakt. Man steht dann als Autofahrer also ohnehin vor einer roten Ampel.“ Auch eine verbesserte Beleuchtung im Bereich des Fußgängerüberwegs könnte Abhilfe schaffen. Dazu sei man bereits in Gesprächen mit Westnetz, erklärte der Tiefbauamtsleiter.

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