Herzstillstand: Drei Minuten kosten einen Arm, sechs Minuten das Gehirn

dzNeuer Defibrillator

Hunderttausende sterben jährlich in Deutschland an plötzlichem Herzstillstand. Bei Rewe Hüber gibt es nun einen Defibrillator, der Leben retten soll. Doch das Gerät alleine reicht nicht aus.

Lünen

, 29.11.2018, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwischen 120.000 und 150.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an plötzlichem Herzstillstand. Die Zahlen schwanken je nach Quelle, das Problem ist jedoch eindeutig. Und Michael Hübner sagt deshalb: „Wir sagen dem plötzlichen Herztod den Kampf an.“ Mit „wir“ meint der Inhaber der beiden Rewe-Märkte an der Cappenberger Straße eine Gruppe aus Sponsoren, die einen automatisierten externen Defibrillator (AED) im Geschäft an der Kreuzung Kurt-Schumacher-Straße finanziert haben.

Herzstillstand: Drei Minuten kosten einen Arm, sechs Minuten das Gehirn

Zahlreiche Sponsoren hatten sich an der Finanzierung des Defibrillators im Markt von Michael Hüber (r.) beteiligt. © Claeßen

Bei einem plötzlichen Herzstillstand geht es um Minuten, wie Mike Füllbeck betont: „Ist das Gehirn drei Minuten ohne Sauerstoff, wird das Opfer später einen Arm oder ein Bein nicht mehr bewegen können. Bei sechs Minuten wird es zum Pflegefall.“ Nach zehn Minuten sei es ausgeschlossen, dass das Opfer sein Bewusstsein jemals wiedererlangt. „Und nach elf Minuten ist es tot.“ Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel. Grundsätzlich gelte jedoch: „Pro Minute sinkt die Lebenschance um zehn Prozent.“

Angst vor dem Ernstfall lähmt die Helfer

Der neue Defibrillator bei Rewe Hübner soll dafür sorgen, dass im Ernstfall nicht mal drei Minuten vergehen müssen, bis ein Opfer erstversorgt wird. „Der Defibrillator führt einen Laien durch die Reanimationsmaßnahmen“, erklärt Füllbeck, der seit 21 Jahren im Rettungsdienst tätig ist. Anhand eines Trainingsgeräts spielt er die Phasen durch - der Defibrillator erläutert mit mechanischer Stimme, wann die Elektroden angelegt werden müssen, er führt einen Check durch, ob noch Herzaktivität besteht. „Das Gerät erkennt ganz genau, ob es auslösen muss oder nicht“, beruhigt Füllbeck die Anwesenden.

Unwissenheit und daraus resultierende Angst sind nämlich die Hauptgründe, warum Menschen im Notfall nicht von einem Defibrillator Gebrauch machen. „Ich würde mir das nicht zutrauen“, sagt auch Karin Feck. Die Mitinhaberin des Sachverständigenbüros „Blindeck + Feck“ gehört zu den Unterstützern des Projekts. „Das ist ein wichtiger Beitrag, um Menschen zu helfen.“ Dennoch gesteht sie ein: „Ich weiß nicht, ob ich im Ernstfall die Ruhe hätte, um alles richtig zu machen.“

Mike Füllbeck würde es begrüßen, wenn mehr Menschen Erste-Hilfe-Kurse inklusive einer Defibrillator-Schulung absolvieren würden. Aber er sagt auch: „Im Ernstfall funktioniert ein Mensch und der Kopf weiß ganz genau, was zu tun ist.“ Und dann gibt es ja auch noch den Defibrillator, der jeden Schritt anweist - auch das Auslösen eines Elektroschocks mithilfe des Knopfes, wonach der Ersthelfer aufgefordert wird, Abstand zum Opfer einzunehmen. „Der Elektroschock soll das Herz entkrampfen und in seinen normalen Rhythmus zurückbringen“, erläutert Füllbeck die Funktionsweise.

Zwischen den Elektroschocks gibt das Gerät Anweisungen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung. Außerdem gibt es einen Kindermodus - für alle Patienten bis maximal 25 Kilo. „In dem Fall ist der Stromstoß nicht so heftig“, erläutert Füllbeck, der wie auch alle Sponsoren hofft, dass das Gerät nicht zum Einsatz kommen muss. Bisher hat es im Rewe-Markt einen Fall gegeben, in dem ein Kunde wiederbelebt werden musste.

Neben dem Rewe-Markt Hübner gibt es in Lünen auch an anderen Stellen bereits Defibrillatoren - zum Beispiel im Rathaus, beim Deutschen Roten Kreuz am Spormeckerplatz, bei den Stadtwerken oder auch beim Schützenverein Lünen 1332. Die Kosten für ein Gerät betragen laut Mike Füllbeck 1250 Euro.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Fleischer entsetzt

Stolzenhoff zu Wilke-Skandal: „Den Lüner Fleischern kann man vertrauen!“

Meistgelesen