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„Herzer“ Hürmann strampelt zu WM-Silber

dzTischtennis

Franz-Josef Hürmann strampelt für den Erfolg. Von Deutschland ist er bis zum WM-Silber in Las Vegas unterwegs - mit dem Container-Schiff und dem Fahrrad.

von Horst Reinecke

Bönen

, 16.07.2018 / Lesedauer: 3 min

Noch nie hatte sich Franz-Josef Hürmann derart gefreut, am Ende der Tischtennis-Weltmeisterschaften der Senioren in Las Vegas keinen Pokal überreicht zu bekommen. „In meinen Satteltaschen wäre es dann ganz schön eng geworden“, sagte der 68-jährige mit einem Lachen. Platz für die beiden Medaillen hatte er allerdings noch: Hürmann gewann Ende Juni bei den 19. Weltmeisterschaften der Senioren in Las Vegas bei den Herren 65 Silber im Doppel und Bronze im Einzel (wir berichteten).

Zu einer der Attraktionen im Las Vegas Convention Center wurde er aber aus einem anderen Grund: Der ehemalige Bundesligaspieler des TTC GW Bad Hamm war zum größten Tischtennisturnier der Welt aus Deutschland mit dem Fahrrad angereist. Schon im März hatte sich der Landesligaspieler, der für die Tischtennis-Freunde Bönen aktiv ist, auf den Weg gemacht. Von seiner Heimat Hamm aus war er in die norditalienische Hafenstadt Genua geradelt. Dort heuerte er auf der Cap Jackson an: Auf dem über 2501 m langen Containerschiff verbrachte Hürmann 33 Tage und fuhr über den Atlantik, durch den Panamakanal und schließlich über den Pazifik bis nach Sans Francisco, wo er von Bord ging. „Ich habe die Zeit sehr genossen“, sagt Hürmann. Sein persönlicher Höhepunkt war die Einfahrt in die San Francisco Bay, unter der Golden Gate Bridge hindurch. „Das war unglaublich.“

Auf dem Festland angekommen, stieg er wieder auf den Sattel. „Nach der langen Zeit habe ich darauf gebrannt, mal wieder den Schläger in die Hand zu nehmen“, erzählte der pensionierte Lehrer. „An Bord gab es sogar einen Tischtennistisch, aber ich hatte ja niemanden zum Spielen“. Mit Trainingsrückstand wollte er aber nicht bei den Weltmeisterschaften starten. Auf der Suche nach Sparringspartnern machte er sich in Kalifornien zunächst auf den Weg zu einem Landsmann und trainierte eine Woche regelmäßig im Tischtenniszentrum des ehemaligen Bundesligaspielers Stefan Feth in Santa Clara im Silicon Valley. Dann fuhr Hürmann weiter, den Pacific Coast Highway hinunter zu einem alten Bekannten - keinem geringeren als Stellan Bengtsson. Mit dem Einzel-Weltmeister von 1971 hatte er einst in Hamm in der Bundesliga gespielt. Heute lebt der Schwede in San Diego und betreibt mit seiner Frau, der ehemaligen US-Nationalspielerin Angie Rosai eine Tischtennisschule. Auch dort trainierte Hürmann. Und wenn nicht dort, dann im Balboa-Park, dem größten Park San Diegos: „Mein härtester Gegner hieß Mustafa. Und woher kam der? Aus Deutschland“, erzählt Hürmann von der neuen Bekanntschaft mit einem ehemaligen Oberliga-Spieler aus Norddeutschland.

Doch noch lag zwischen Hürmann und dem Austragungsort der WM, Las Vegas die „größte Herausforderung meiner Reise“: die Mojave-Wüste. Auf der legendären Route 66 strampelt der 68-jährige mehrere hundert Kilometer durch menschenleere Steppe - eine Grenzerfahrung. „Mit einem Ziel vor Augen war das machbar“, relativiert Hürmann diese Herausforderung in seiner für ihn typischen ruhigen Art. Pünktlich zum Start der World Veteran Championsships (WVC) erreichte er Las Vegas.

Dort lief es prächtig. „Die WM war mir wichtig, aber sie war ja nur ein Puzzleteil meiner großen Reise“ erzählt er. „Vielleicht hat mir das die nötige Lockerheit gegeben“. Der „Brettchenspieler“ - mit zwei schwammlosen Noppen-Außen-Belegen - spielte eines seiner erfolgreichsten Senioren-Turniere seiner Karriere. Drei Siege in der Verlängerung des Entscheidungssatzes gegen Kontrahenten aus China, Tschechien und Estland führten ihn ins Halbfinale, wo er dem späteren Sieger, Huang aus China, knapp unterlag. „Hier hat der Tischtennisgott bei mir das eine oder andere Mal ein Auge zugedrückt“, sagt Hürmann.

In den kommenden Monaten wird der Unermüdliche weiter die USA mit seinem Fahrrad bereisen, in denen er in den 70er- Jahren für einige Jahre lebte, und unter anderem seinen Sohn Noel im Bundesstaat Utah besuchen.

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