„Essen wie im Urlaub“ verspricht das Grill-Restaurant Hellas schräg gegenüber des Borker Amtshauses. Stimmt: Wer kann schon behaupten, sich im Urlaub nie im Restaurant geärgert zu haben?

Bork

, 06.10.2018, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Nach einer dreistündigen Wanderung durch die Steverauen meldet sich der Hunger: nicht der kleine Hunger, sondern der große. Wie gut, dass das Grill-Restaurant Hellas mitten in Bork am Weg liegt: direkt auf der Ecke Kreisstraße/Hauptstraße. Dort, so hatten es Freunde erzählt, gebe es immer große Portionen, die lecker satt machen. Sie sollten recht behalten - zumindest zur Hälfte.

Obwohl es schon Oktober ist, bietet die überdachte Terrasse noch Plätze an gedeckten Tischen in der Abendsonne an. Andere Gäste genießen die letzten Sonnenstrahlen, manche auch die Möglichkeit, am Tisch rauchen zu können. Wir entscheiden uns, hinein zu gehen.

Hellas in Bork: Günstig, reichlich, gemütlich - aber Leber lieber lassen

Zentral gelegen und fast immer gut besucht: Hellas an der Kreisstraße 300. © Marie Rademacher

Pikanter Essensduft, fröhliches Stimmengewirr und griechische Musik erwarten uns, als wir die Glastür aufstoßen. Und ein freundlicher Kellner - ein Italiener, wie sich später im Gespräch herausstellt - , der uns zum Tisch führt. Dort bleibe ich aber nicht lange sitzen: Erst einmal Hände waschen. Schließlich habe ich in der Steveraue Esel gestreichelt. Da zeigt sich das erste Problem. Jeweils ein handbeschriebenes Papierschild mit der Aufschrift WC klebt an jeder der beiden Türen im Keller. Eine Unterteilung zwischen Herren und Damen gibt es nicht. Was mich allerdings mehr stört: Hinter keiner der beiden Türen wartet ein Seifenspender. Egal, wir sind ja nicht zum Waschen hier.

Hellas in Bork: Günstig, reichlich, gemütlich - aber Leber lieber lassen

Vassilios Tzeremes in seinem Element. Im Nu bereitet er für seine Gäste leckere Grillplatten zu. Seine Spezialität: Lammkoteletts. © Marie Rademacher

Wieder oben erwartet mich der gerade bestellte Wein - leider eisgekühlt. Dabei hatte ich mich für die rote und nicht die weiße Sorte Demestika entschieden. Der Kellner serviert ihn aber so charmant - mit dem Song „Red red wine“ auf den Lippen - , dass die Temperatur gleich spürbar steigt. Das Bier, das sich meine Begleitung bestellt hat, bleibt aber so, wie es gewünscht ist: frisch gezapft und gut gekühlt.

Hellas in Bork: Günstig, reichlich, gemütlich - aber Leber lieber lassen

Reichhaltig und lecker: die Vorspeisenplatte. © Sylvia vom Hofe

So erfrischt können wir uns dem Essen widmen. Zum Auftakt wählen wir eine gemischte Vorspeisenplatte: eine für zwei Personen. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellt. Denn die warmen gefüllten Weinblätter, dicke Bohnen in Tomatensoße, gemischter Salat und Zaziki sind mehr als reichlich bemessen: fast zu viel für zwei. Dabei fehlt sogar das an sich dazu erwartete Brot.

Die vier jungen Leute neben uns bekommen gerade ihre Hauptgerichte serviert. Der Duft von frisch gebratenem Fleisch weht herüber, und im Nu stellt sich der Appetit auf die Hauptgerichte ein. Mein Gegenüber hat die Spezialität des Hauses gewählt: Lammkoteletts. Ich hatte mich für die Platte Parthenon entschieden, benannt nach dem Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athene auf der Athener Akropolis. Die Heilige hätte aber die Nase gerümpft, genauso wie ich.

Denn während es von den inzwischen rundum besetzten Nachbartischen her immer noch verlockend duftet, riecht es vor mir ganz anders, nachdem der lustige Kellner den voll gepackten Teller vor mich stellt: ungewöhnlich streng und durchdringend. Die Quelle ist die Scheibe Leber, die braun, breit und gewellt oben auf dem Teller thront. Über einem Berg Gyros. Die vorsichtig abgeschnittene Kostprobe bestätigt den Verdacht: Der Geschmack ist nicht besser als der Geruch: zu streng, und dazu noch trocken. Ich habe in meinem Leben noch keine fünf Mal Essen reklamiert, doch dieses Mal tue ich es. Und sammele dabei keine guten Erfahrungen.

Hellas in Bork: Günstig, reichlich, gemütlich - aber Leber lieber lassen

Durchgefallen bei unserem Test: die Leber. © Sylvia vom Hofe

Der Kellner ruft den Koch, zugleich den Besitzer: Vassilios Tzeremes. Er kommt an den Tisch. Ich fange mit einem Kompliment für die Lammkoteletts an, die meine Begleitung bestellt hat: kross, saftig, lecker, wie auch ich nach einem Mundraub festgestellt habe. Und das Gyros, sage ich und meine es auch so, sei einfach großartig. Nach dem Lob die Kritik: „Die Leber ist nichts.“ „Warum?“, fragt der grauhaarige Koch, der in Selm an der Kreisstraße auch den Kerkyra-Grill betreibt. „Schneiden Sie sich doch selbst ein Stückchen ab und kosten Sie“, schlage ich vor. „Essen Sie zum ersten Mal Leber?“, fragt er stattdessen. Nein, in meinen 48 Lebensjahren habe ich schon oft gebratene Leber gegessen und auch selbst zubereitet, was allerdings keiner besser kann als mein Gegenüber. „Und was sollen wir machen?“, fragt der Koch. Ich schlage vor, einfach nur die Leber zu entfernen und mir den Rest wieder zu bringen.

Hellas in Bork: Günstig, reichlich, gemütlich - aber Leber lieber lassen

Knusprig und zart gleichzeitig: So müssen Lammkoteletts schmecken. © Sylvia vom Hofe

So passiert es auch. Ohne viele Worte darüber zu verlieren. Auf der Rechnung sehe ich später, dass 1,10 Euro abgezogen wurden von der Ursprungssumme: 8,80 statt 9,90 Euro: ein Spottpreis. Ich hätte gerne mehr bezahlt ohne das Hin und Her.

Die Preise:

Sind sehr günstig. Erst Recht im Hinblick auf die großen Portionen. Auch an den Nachbartischen haben die Gäste Mühe, alles aufzuessen. Zu den Hauptspeisen gibt es noch Beilagensalate. Alle Gerichte sind auch zum Mitnehmen.

Die Bedienung:

Der Kellner war lustig, zuvorkommend und bemüht, den Ärger um die Leber vergessen zu machen: „Möchten Sie Ouzo zum Abschied?“ Trinkgeld können wir ihm dafür nicht direkt zukommen lassen, denn bezahlt wird vorne an der Theke: beim Chef.

Die Atmosphäre:

Gemütlich, was nicht nur der Einrichtung - viele Spiegel und Griechenland-Nippes in Form von weißen Statuen - geschuldet ist, sondern den anderen Gästen, die sich in Hellas versammeln wie in einer griechischen Taverne im sonnigen Süden.

Kinderfreundlichkeit:

Während unseres Besuchs reicht das Altersspektrum der Gäste von Anfang 20 bis Mitte 70: eine bunte Mischung. So viele gut gelaunte Menschen an einem frühen Donnerstagabend hier anzutreffen, hat uns überrascht - positiv. Die gute Laune steckt an: Leber hin, Leber her. Kinder sind zwar nicht da, würden aber bestimmt ebenfalls willkommen geheißen. Echte Kindermenüs stehen zwar nicht auf der Karte, aber die kleinen Gerichte unter der Überschrift „Imbiss und Beilagen“ - von Bratwurst bis Kroketten - schmecken auch dem Nachwuchs.

Barrierefreiheit

Wer aus Richtung Hauptstraße kommt, kann das Grill-Restaurant barrierefrei betreten.

Das sagt das Netz:

Bei Facebook stößt Hellas auf ein überwiegend gutes Echo: 4,1 von 5 Sternen bei 62 Bewertungen.

Parksituation:

Vor dem Restaurant gibt es mehrere Parkplätze, die schnell besetzt sind. Der Parkplatz an der alten Synagoge ist aber nur wenige Schritte entfernt.

Öffnungszeiten:

Mittwochs, donnerstags, freitags: 17 bis 23 Uhr; samstags, sonntags und feiertags, 12 bis 14 Uhr und 17 bis 22.30 Uhr.

Wie funktioniert der Restaurant-Check? Wir gehen ohne Vorankündigung in die jeweiligen Restaurants – als ganz normale Gäste. Wir sind keine Gastro-Experten, sondern einfach Menschen, die gerne an schönen Orten essen. Wir beschreiben die Läden so, wie wir über sie auch mit Freunden und Bekannten sprechen würden. Mit ihren Schwächen, mit ihren Stärken. Ehrlich.
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