Harte Kino-Kost sorgt für Diskussionen in der Cineworld

Begegnungen beim Lüner Kinofest

Harte Kino-Kost mussten die Besucher des Lüner Kinofestes am zweiten Festivaltag verdauen. Anleihen bei den Verbrechen des NSU und das Thema Missbrauch sorgten für Diskussionen.

Lünen

, 23.11.2018, 19:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Harte Kino-Kost sorgt für Diskussionen in der Cineworld

Sebastian Urzendowsky (2.v.l.), Regisseurin Isa Micklitza und Anja Thiemann schauen sich ihren Film "Lass uns abhauen" im Kino an. © Günter Blaszczyk

Reine Unterhaltung wollen sie nicht bieten, die Leiter des Lüner Kinofestes. In diesem Jahr aber sind viele Filme so politisch wie lange nicht mehr. Beispiel „Wintermärchen“ von Jan Bonny. Ein Spielfilm, der Anleihen an den Verbrechen des NSU nimmt, ohne den Anspruch zu erheben, deren Geschichte zu erzählen. Die Dreharbeiten verlangten den Schauspielern alles ab. „Wir mussten schon an unsere Grenzen gehen“, so Schauspieler Jean-Luc Bubert.

Thema Missbrauch

Oder aber „Verlorene“ von Felix Hassenfratz. Der junge Regisseur erlebte es als erschreckend, wie Opfer sexuellen Missbrauchs oft jahrzehntelang schweigen, aus Scham. Seine Geschichte über zwei Schwestern in einem kleinen Dorf ist intensiv, überraschend und hervorragend gespielt. Hier gab es in Lünen ein Wiedersehen mit der jungen Schauspielerin Anna Bachmann, die schon 2017 mit dem Film „Ich gehöre ihm“ die Zuschauer beeindruckte.

Gedankenspiele einer Regisseurin

Einsamkeit und Verzweiflung - daran denkt man wohl als erstes, wenn es um Selbstmord geht. Regisseurin Isa Micklitza widmet ihren Film „Lass uns abhauen“ einem Kollegen, der Selbstmord beging. Doch sie zeigt das Ergebnis eines Gedankenspiels, in dem es darum geht, was wäre, wenn man einen solchen Menschen rettet.

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Kinofest 2. Tag

Viele Filme, viele Gespräche - der zweite Tag des 29. Lüner Kinofestes bescherte wieder zahlreiche Begegnungen in der Cineworld. Aber auch im Rathaus, in dem der Bürgermeister-Empfang stattfand.
23.11.2018
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Am RN-Stand luden die Hostessen dazu ein, lustige Selfies als Erinnerung ans Kinofest zu machen.© Günter Blaszczyk
Regisseur Stefan A. Lukacs (l.) stellte seinen Film "Cops" vor, hier im Gespräch mit Moderator Peter G. Dirmeier.© Günter Blaszczyk
Regisseur Felix Hassenfratz und Schauspielerin Anna Bachmann präsentierten ihren Film "Verlorene".© Günter Blaszczyk
Bettina Brokemper und Schauspieler Jean-Luc Bubert stellten "Wintermärchen" vor.© Günter Blaszczyk
Regisseurin Isa Micklitza (v.r.), Schauspieler Sebastian Urzendowsky und Schauspielerin Anja Thiemann vom Film "Lass uns abhauen".© Günter Blaszczyk
Lukas Bürger bietet gestressten Viel-Film-Schauern eine erholsame Massage im Foyer.© Günter Blaszczyk
Sebastian Urzendowsky (2.v.l.), Regisseurin Isa Micklitza und Anja Thiemann schauen sich ihren Film "Lass uns abhauen" im Kino an.© Günter Blaszczyk
Regisseurin Marie Reich ("Meine Welt ist die Musik")© Günter Blaszczyk
Regisseur Stefan A. Lukacs stellte seinen Film "Cops" vor.© Günter Blaszczyk
Antoinette Barthel und Lars Peter Barthel vom Film "Get me some hair".© Günter Blaszczyk
Antoinette Barthel und Lars Peter Barthel aus dem Film "Get me some hair".© Günter Blaszczyk
Christian Bruhn begeisterte das Publikum mit einem Medley aus vielen seiner großen Hits. Am Ende sang der Saal mit.© Günter Blaszczyk
Gäste des Bürgermeister-Empfangs über den Dächern von Lünen.© Günter Blaszczyk
Regisseur Felix Hassenfratz stellte seinen Film "Verlorene" vor.© Günter Blaszczyk
Schauspielerin Anna Bachmann nach der Vorstellung des Films "Verlorene".© Günter Blaszczyk
Das Team von "Wintermärchen" nach der Vorstellung im Kino.© Günter Blaszczyk
Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns begrüßte seine Gäste beim Empfang in der 14. Etage des Rathauses.© Günter Blaszczyk
Regisseurin Isa Micklitza ("Lass uns abhauen")© Günter Blaszczyk
Zwei Mitarbeiterinnen des Kinos, deren Vater aus Jamaica stammt, mit Antoinette Barthel (l.) aus dem Film "Get me some hair".© Günter Blaszczyk
"Meine Welt ist die Musik": Komponist Christian Bruhn mit Regisseurin Lisa Marie Reich.© Günter Blaszczyk
Regisseur Stefan A. Lukacs stellte seinen Film "Cops" vor, hier mit Moderator Peter G. Dirmeier (r.).© Günter Blaszczyk
Kinofestleiter Mike Wiedemann mit Marie Reich und Christian Bruhn.© Günter Blaszczyk

Bei ihr reisen Anja Thiemann als urlaubsreife Barfrau und Sebastian Urzendowsky als lebensmüder Physikstudent in den hohen Norden, nach Norwegen. Dort fanden auch die Dreharbeiten statt. Urzendowsky war schon mal vor einigen Jahren in Lünen mit einem Film beim Kinofest. „Ich hab damals in der Schwimmstaffel mitgemacht, zusammen mit Peter Lohmeyer“, erzählt er.

Film aus dem Polizeimilieu

In Wien spielt Stefan A. Lukacs Film „Cops“, der den Zuschauer eintauchen lässt in die Welt der Polizei. Eine Doku brachte den Regisseur in Kontakt mit Polizisten. Aus den Gesprächen entstand das Drehbuch, in dem es um einen jungen Mann geht, der in einer Eliteeinheit arbeitet und bei einem Einsatz einen Menschen tötet. Damit wird er nicht fertig, auch wenn er sich das einredet.

Bürgermeister-Empfang

Glutrot ging die Sonne über Lünen unter, als Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns Filmschaffende und Förderer zum Bürgermeister-Empfang in die 14. Etage des Rathauses einlud. Da zeigte er ihnen einen neuen Imagefilm über Lünen und warb für interessante Locations in der Lippestadt, die man ja mal für Dreharbeiten nutzen könnte.

Beschwingtes Erlebnis

Am Abend sorgte dann Komponist Christian Bruhn für ein beschwingtes Kinoerlebnis. Regisseurin Lisa Marie Reich stellte mit ihm ihren Dokumentarfilm „Meine Welt ist die Musik“ vor.

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