Haben die Kölner 1968 verschlafen?

„Berlin brennt, Köln pennt“ - so spotteten Studierende im Epochenjahr 1968. Köln gilt als die deutsche Großstadt, die die Studentenrebellion verschlafen hat. Das Kölnische Stadtmuseum gibt sich jetzt in der Sonderausstellung „Köln 68! Protest. Pop. Provokation“ alle Mühe, dieses Bild zu relativieren.

19.10.2018, 10:39 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Kuratoren geben zwar unumwunden zu, dass sich Köln nicht mit 68er Städten wie Berlin oder Frankfurt messen kann. Doch immerhin zwei Besonderheiten wies die Stadt auf: Erstens war die Kunstszene sehr rege, und zweitens beteiligten sich die in Köln stark vertretenen Links-Katholiken an allem, was mit Friedensdemonstrationen und gesellschaftlichem Aufbruch zu tun hatte. Köln war immerhin die Wohn- und Wirkungsstätte des damals einflussreichsten deutschen Schriftstellers Heinrich Böll, der sowohl links als auch katholisch war.

Dass es in Köln alles in allem sehr friedlich zuging, wird auch der rheinischen Gemütlichkeit zugeschrieben: „Es ist eine These, die vielfach vertreten wird, auch unsere Zeitzeugen sprechen das an“, sagte Kuratorin Michaela Keim. Köln sei natürlich auch keine Frontstadt gewesen so wie das geteilte Berlin. Auch Gestalten wie der Studentenführer Rudi Dutschke oder der Philosoph Theodor W. Adorno hätten gefehlt.

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