Gymnasium Garenfeld steht vor dem Verkauf, Investor plant Wohnungen

Ex-Privatgymnasium

Seit über einem Jahr steht das Gymnasium Garenfeld leer. Die Gründervilla ist schon verkauft. Auch für den Rest gibt es Interessenten.

Schwerte

, 06.10.2018, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Gymnasium Garenfeld steht vor dem Verkauf, Investor plant Wohnungen

Dass noch einmal Schüler in das stillgelegte Gymnasium Garenfeld einziehen, ist unwahrscheinlich. Vermutlich wird es zu Wohnungen © Foto: Reinhard Schmitz

Wohnen statt Pauken. Darauf scheint die Zukunft des seit über einem Jahr leerstehenden Gebäudekomplexes, des aufgelösten Privatgymnasiums Garenfeld hinauszulaufen. Für die im vorderen Geländebereich an der Dorfstraße gelegene Villa der gestorbenen Schulbetreiber Hermann und Katharina Hille sind die Pläne sogar schon konkret. „Die Villa wird verkauft an privat“, sagt Christian Witte, Vorstand der Hermann-und-Katharina-Hille-Stiftung, auf Anfrage. Der neue Eigentümer wolle selbst in dem Gebäude wohnen.

Darüber hinaus habe der neue Villenbesitzer auch Interesse an dem nachgelagerten, ausgedehnten Schulgebäude geäußert, zu dem auch ehemalige Internatseinrichtungen gehören. Es soll nicht abgerissen werden, sondern entkernt und ebenfalls zur Wohnnutzung umgebaut werden. Voraussetzung für dieses Vorhaben ist jedoch die Zustimmung der zuständigen kommunalen Baubehörde. „Wir werden eine Bauvoranfrage bei der Stadt Hagen stellen“, berichtet Witte. Dabei wolle man eine Nutzungsänderung beantragen, um neben der Schulnutzung im Bestandsgebäude auch andere Nutzungen zuzulassen: „Nämlich wohnen.“ Das sei möglich, weil es sich um eine erhaltenswürdige Landmarke handele, die den Bereich seit Jahrzehnten geprägt habe. Als Stellplätze für Autos könnte man dann Teile des jetzigen Basketball- und Fußballfeldes herrichten.

Landwirt hat Interesse am Gelände

Zusätzlich – so Witte weiter – bestehe auch die Möglichkeit, eine schulische Einrichtung in dem Gebäude zu etablieren: „Aber das ist schwierig wegen der Größe der Immobilie und der Investitionskosten.“ Ein Nebeneinander von Schule und Wohnen kann sich der Stiftungsvorstand dort nicht vorstellen: „Es müsste eine Nutzung aus einem Guss sein.“ Sonst belästigt man sich gegenseitig.

Zu Äckern oder Wiesen werden, könnte schließlich der hintere Bereich des bis hinunter zum Quellenweg reichenden Grundstücks, der zuletzt als Sportplatz und Freifläche genutzt wurde. Mit 9.000 Quadratmetern nimmt er mehr als die Hälfte des – ohne die Villa – rund 17.000 Quadratmeter umfassenden Komplexes ein. „Ein Landwirt hat Interesse an dem Grundstück geäußert“, sagt Witte: „Er möchte es einer landwirtschaftlichen Nutzung zuführen.“

Das wäre sozusagen eine Rückkehr zu den Wurzeln. Denn auf seinem Bauernhof hatte der Pfarrer Friederich Höfinghoff im Jahre 1907 das Landschulheim gegründet, das zum Ursprung der Schule wurde. Es fußte auf den Ideen des Reformpädagogen Hermann Lietz (1868-1919), der eine natürliche, gesunde Umgebung als Voraussetzung für die Entwicklung zu einem guten Menschen ansah. Das damals neue Schulgebäude wurde dann im letzten Friedensjahr 1913 bezogen. Dabei wurde das Landschulheim gleichzeitig zu einer staatlich anerkannten Privatschule.

Schülerzahlen gingen in letzten Jahren zurück

Als der Gründer Höfinghoff im Jahre 1928 starb, übernahm sein Schwiegersohn Dr. Hermann Hille die Leitung des Lehrinstituts und baute es Zug und Zug weiter aus. 1941 erhielt es die staatliche Anerkennung als Gymnasium.

Noch Mitte der 1970er-Jahre besuchten im Schnitt mehr als 200 Schüler das Gymnasium Garenfeld, viele wohnten im angeschlossenen Internat. 1985 starb Dr. Hille, seine Ehefrau folgte ihm im Jahre 2012. Sie hatte ihr Vermächtnis der Dr. Hermann-und-Katharina-Hille-Stiftung übertragen, die seit 2012 als Schulträger tätig war.

Doch schon wenige Jahre später geriet das Gymnasium in finanzielle Turbulenzen. Die Schülerzahlen sanken rapide. Wies die Statistik im Jahre 2009 noch 233 Gymnasiasten aus, so wurden 2017 Jahr fast nur noch halb so viele unterrichtet. Zu dieser Entwicklung beigetragen hatte auch die Aufgabe des Internatsbetriebs im Jahre 2010. Außerdem ging durch die Einführung des Abiturs nach acht statt vorher neun Gymnasialjahren ein ganzer Schülerjahrgang verloren.

Verkaufserlöse fließen in eine Stiftung

Das Schulgeld wurde damit zu gering, um die Kosten für die Einrichtung zu tragen. Deshalb wurde der Betrieb mit dem Ende des Schuljahres im Juli 2017 beendet. Die aktuellen Abiturienten hatten ihre Prüfungen noch normal abgelegt. Ihre jüngeren Mitschüler mussten sich nach neuen Schulen umsehen.

Wenn das Gelände verkauft ist, fließt der Erlös der Stiftung zu. Die muss nicht unbedingt eine Schule betreiben. „Ihr Zweck ist es, Bildung im weitesten Sinne zu unterstützen“, sagt Witte. Beispielsweise könne man Stipendien vergeben oder Schulprojekte fördern. Sollte die Stiftung einmal aufgelöst werden, sieht die Satzung vor, das restliche Vermögen an die SOS-Kinderdörfer zu geben.

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