Gunther Gerke und sein Theater in einem Wohnhaus in Ergste

dzSerie: Häuser erzählen

Manche Gebäude geben sofort Geheimnisse, die sich in ihren Mauern verbergen, preis. Andere bleiben rätselhaft. Wir spüren ihren Geschichten nach. Heute: Schwertes kleinstes Theater.

Ergste

, 24.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Heizöltanks raus, gestreifte Polstersitze und Cappuccino-Theke rein. Ein stilvolles Theatercafé unter der Spiegelkugel krönt als Sahnehäubchen die wohl kleinste Operettenbühne der Welt. Hinter der unscheinbaren Fassade eines 70er-Jahre-Bungalows im Heinkessiepen 5 hat sich Gunther Gerke, Direktor der Schwerter Operettenbühne, sein Traumreich geschaffen, wo die 50er-Jahre stillzustehen scheinen.

Theater für 31 Gäste

Exakt 31 Gäste können durch den Samtvorhang in den Zuschauerraum mit den roten Samtsesseln eintreten. Dann wird das Schildchen „Heute ausverkauft“ an das Kassenhäuschen gehängt.

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Das Theater im Einfamilienhaus

So hat sich Gunther Gerke sein Theater im Keller seines Hauses eingerichtet.
18.12.2018
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Nur 32 Zuschauer kann Gunther Gerke zu den Aufführungen in seiner Operettenbühne begrüßen. Dann sind alle Plätze samt Loge belegt.© Foto: Reinhard Schmitz
Nur 31 Plätze bietet das wohl kleinste Theater von NRW im Untergeschoss des Wohnhauses von Theaterdirektor Gunther Gerke.© Foto: Reinhard Schmitz
Im Keller seines Wohnhauses erfüllte sich Gunther Gerke den Traum von einem eigenen Theater.© Foto: Reinhard Schmitz
Das nostalgische Kassenhäuschen rettete Gunther Gerke aus dem Abriss des Plettenberger Stadttheaters.© Foto: Reinhard Schmitz
Eine stilvolle Loge in der obersten Sitzreihe darf im Privattheater von Gunther Gerke nicht fehlen.© Foto: Reinhard Schmitz

Ein Handgriff, der zu jeder Vorstellung gehört wie das Happy-End zur Komödie. Als deren vorerst letzte feierte im April 2014 „Der Kuss der Schwerterin“, mit ganz viel Musik seine Premiere.

Andere bauen sich einen Swimmingpool

„Andere bauen sich eine Bar oder einen Swimmingpool im Keller – dann baust du dir eben ein Theater“, dachte sich der beliebte Tenor Gunther Gerke, als er sein Häuschen zu Weihnachten 1999 erworben hatte. Das Drehbuch des Lebens hatte vorgesehen, dass sein Bruder Christian eine Schreinerlehre absolvierte. Er packte kräftig mit an, die Empore für den Zuschauerraum und die Bühne zu zimmern.

Seinen besonderen Charme erhielt das Theater aber durch die liebevolle Ausgestaltung. Das Kassenhäuschen beispielsweise, das Gunther Gerke zufällig beim Abriss des Stadttheaters Plettenberg retten konnte. Die Loge in der obersten Sitzreihe – wie alle Plätze mit Alu-Schildchen nummeriert. Oder die Kristallleuchter, die Garderobenmarken, die Himmelstapete – und, und, und. Nicht sattsehen kann sich das Auge an den Details, von denen es immer wieder neue zu entdecken gibt.

Schlagersängerin Elfi Graf im Scheinwerferkegel

Dann lenken die Scheinwerferkegel die Aufmerksamkeit auf die nicht minder nostalgisch ausgestattete Bühne, von der sich sogar schon Schlagersängerin Elfi Graf („Herzen haben keine Fenster“) bezaubern ließ. Eigentlich zelebriert auf den Brettern aber natürlich die Schwerter Operettenbühne ihre Heimspiele.

Mutterglück und Krankheitspech haben die Aufführungen zuletzt leider arg eingeschränkt. Derzeit – so bedauert Gunther Gerke – öffnet sich der Vorhang deshalb nur hin und wieder für geladene Gäste.

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