Gruppenvergewaltigung nicht erwiesen - vier von fünf Angeklagte bekommen Geldstrafen

Landgericht Kleve

Mehrere junge Männer sollen Frauen betäubt und gemeinsam in einer Wohnung in Krefeld vergewaltigt haben. Dem Gericht erscheinen die Vorwürfe nicht plausibel - ein spezieller Hinweis fehlte.

Kleve

21.12.2019, 12:03 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gruppenvergewaltigung nicht erwiesen - vier von fünf Angeklagte bekommen Geldstrafen

Die Angeklagten vor Beginn der Verhandlung am 15. November 2019. © dpa

Im Prozess um mutmaßliche Gruppenvergewaltigungen sind vier von fünf Angeklagten am Landgericht Kleve lediglich zu Geldstrafen verurteilt worden. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Frauen gegen ihren Willen zu sexuellen Handlungen gezwungen worden seien, befand das Gericht am Freitag nach Angaben eines Sprechers.

Ebenso gebe es keine Anhaltspunkte für eine Betäubung der Frauen mit K.o-Tropfen beispielsweise. Zwar seien sie deutlich alkoholisiert gewesen, dies sei aber nicht gegen ihren Willen geschehen. Außerdem seien sie nicht völlig bewusstseinsgetrübt gewesen.

Wie der WDR berichtet, sollen die Frauen vor einem Düsseldorfer Club von den Männern angesprochen worden sein. Schließlich verlagerte sich das Geschehen auf eine Krefelder Hausparty. Da dort ohne Einverständnis der Frauen Sex-Aufnahmen angefertigt worden waren, wurden nun vier der fünf Männer zu Geldstrafen in Höhe von 700 bis 2700 Euro verurteilt. Ein Angeklagter wurde von allen Vorwürfen freigesprochen.

Keine Hinweise auf K.o.-Tropfen

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft bis zu siebeneinhalb Jahre Haft beantragt. Sie sah es als erwiesen an, dass die zwei Frauen Opfer des Quartetts geworden seien. In einem Fall soll das Geschehen bis zu fünf Stunden lang gedauert haben. Toxikologische Untersuchungen hatten aber keine Hinweise auf K.o.-Tropfen ergeben.

Die Staatsanwaltschaft hatte während des Prozesses vergeblich einen Befangenheitsantrag gegen das Gericht gestellt, nachdem dieses die Haftbefehle aufgehoben hatte. Angeklagt waren die Männer wegen gemeinschaftlicher Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung und der Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Nur im letzten Punkt kam es zu Verurteilungen.

Die drei Männer, die in Untersuchungshaft saßen, wurden laut WDR inzwischen wieder freigelassen.

mit dpa

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