Batterieforschung: Bund wählt Münster als zentralen Standort

Die Energiespeichertechnologie ist auch aus Klimaschutzgründen essenziell für Deutschland. Deswegen muss mehr darüber geforscht werden, entschied die Forschungsministerin - und Münster wird dafür der wichtigste Standort.

28.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Bei der Batterieforschung in Deutschland wird Münster künftig eine führende Rolle spielen. Die westfälische Stadt hat den Zuschlag als Hauptstandort für ein Paket von insgesamt 500 Millionen Euro zur „Forschungsfertigung Batteriezelle“ bekommen, wie die Bundesregierung am Freitag bekanntgab. Allerdings geht das Geld nicht komplett nach Münster, sondern auch an weitere Standorte außerhalb von NRW, etwa Ulm - die genaue Aufteilung ist noch unklar. NRW-Landes- und Lokalpolitiker waren am Freitag in Feierlaune. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sprach von einem „Quantensprung“ für den Innovationsstandort NRW.

Ein Forschungskonsortium aus Wissenschaftlern aus Münster, Jülich und Aachen hatte ein Konzept beim Bund eingereicht. Ein Wettbewerber war Ulm - die Stadt war in einer früheren 600-Millionen-Euro-Förderung zur Materialforschung zuvor besonders bedacht war. Derzeit werden diese Materialien zu Batteriezellen zusammengebaut und getestet. Ulm ist auch beim neuen Forschungspaket mit an Bord, aber nur nachrangig.

Die „Forschungsfertigung Batteriezelle“ soll Mitte 2022 ihren Betrieb aufnehmen. In Münster sollen auf einem 1,6 Hektar großen Grundstück Gebäude gebaut werden. Zu den Wissenschaftlern, die an dem Konzept mitgewirkt haben, gehören auch die beiden Elektropioniere Achim Kampker und Günther Schuh - einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden sie als Gründer des Elektrotransporters Streetscooter. Schuh betreibt inzwischen - parallel zu seiner Professur an der RWTH Aachen - den Elektroauto-Hersteller e.Go. Beide Wissenschaftler waren am Freitag in Berlin dabei, als die Bundesministerin die für sie gute Nachricht bekanntgab - und waren entsprechend erfreut.

Bei der Veranstaltung betonte Ministerin Karliczek, es gehe darum, möglichst den gesamten Wertschöpfungsprozess in Deutschland zu halten, vom Bau einzelner Teile bis zur Wiederverwertung. Die Frage des Recyclings alter Batterien beantwortete das Konzept aus NRW aus ihrer Sicht am besten - sie verwies hierbei auf den Münsteraner Professor Martin Winter sowie auf Schuh und Kampker. Das Konzept der drei Wissenschaftler enthalte „als einziges einen überzeugenden und rechtlich realisierbaren Ansatz, wie die testweise produzierten Batterien optimal genutzt werden können und nach der Nutzungsphase über ein Recycling-System wiederverwertet werden können“.

Karliczek, die aus Ibbenbüren in der Nähe von Münster kommt, räumte ein, dass die Wahl des Hauptstandortes für sie eine sensible Entscheidung gewesen sei. Sie habe sich aber bis zuletzt aus der Diskussion über die in Frage kommenden Bewerbungen herausgehalten. Die Wiederverwertung soll in Ibbenbüren aufgezogen werden. Dies könne dort dann eine Alternative zur mittlerweile eingestellten Steinkohleförderung sein, sagte die Ministerin.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) nannte die Entscheidung für Münster als Standort für die Batterieforschungsfabrik „ein starkes Zeichen für die Exzellenz unseres Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes“. NRW solle zum „Vorreiter, Antreiber und Impulsgeber der Elektromobilität“ werden. Die Landesregierung sicherte 200 Millionen Euro für die „Forschungsfertigung Batteriezelle“ als zusätzlichen Beitrag zu.

Die Erforschung und Entwicklung leistungsfähiger Speichertechnologien sei der wesentliche Erfolgsfaktor für eine nachhaltige Entwicklung im Energie- und Verkehrsbereich, betonte Laschet. Die Batterie habe als wichtige Zukunftstechnologie enorme strategische Bedeutung, argumentierte Laschet. Seine Parteikollegin Karlizcek nannte die Technologie essenziell für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

In Münster verspricht man sich nun starke wirtschaftliche Impulse. Die mögliche Zahl von 150 Fachkräften, die für die Forschungsfertigung direkt angestellt werden könnten, erscheint zwar nicht allzu hoch. Aber im Umfeld des Forschungsstandorts könnten weitere Jobs entstehen. „Ich gehe von einer hohen Wertschöpfung für die münsterische Wirtschaft aus“, sagte Thomas Robbers, Vorsitzender der Wirtschaftsförderung Münster GmbH. „Mit der Förderung der Batterieforschung werden hoch spezialisierte Firmen an unseren Standort kommen.“

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