Mehr als 1.000 Menschen aus dem Kreis Unna erkrankten bei der großen Grippewelle vor zwei Jahren. Mit einem Vierfach-Impfstoff soll das in diesem Jahr anders werden.

Selm

, 13.10.2019, 03:58 Uhr / Lesedauer: 3 min

Fieber, Husten, Halsschmerzen, Schnupfen, Glieder- und Kopfschmerzen. Das sind die typischen Symptome einer Grippe. Macht eine Impfung Sinn? Das klären wir mit Fragen und Antworten zum Thema.

? Was genau ist eigentlich eine Grippe?

Eine Erkrankung, die durch Influenzaviren ausgelöst wird. „Übertragen werden diese durch Tröpfchen- oder Schmierinfektion: Beim Husten, Niesen oder Naseputzen gelangen die Viren über kleinste Tropfen in die Luft und Umgebung, die dann von anderen eingeatmet werden oder sich über gemeinsam genutzte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe oder Toiletten schnell weiterverbreiten“, so erklärt es die AOK Nordwest. Habe man sich angesteckt, treten die Beschwerden nach ein bis zwei Tagen auf.

? Wieso ist eine Grippeimpfung nach Ansicht von Experten wichtig?

„Eine Grippe sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen: Denn sie ist keine gewöhnliche Erkältung, sondern eine ernstzunehmende Infektionskrankheit“, sagt Volker Brüning, Sprecher der Apothekerschaft im Nordkreis Unna und Inhaber von Apotheken in Selm und Lünen. Bei der starken Grippewelle in der Saison 2017/18 sind nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) 25.100 Menschen an den Folgen der Grippe gestorben. Das sei die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren, sagte der Präsident des RKI der dpa. Für die moderate Grippe-Welle 2018/19 liegen noch keine Zahlen des Instituts vor.

? Und wie viele Grippe-Erkrankungen gab es im Kreis Unna?

Auch hier zeigt sich deutlich, dass die Saison 2017/18 viele Grippe-Kranke gefordert hat. In der Grippesaison 2017/18 erkrankten in Selm im Jahr 2017 keine Menschen an Grippe, 2018 waren es 78 Menschen. Laut Zahlen des Kreises Unna erkrankten in Selm im Jahr 2017 keine Menschen an Grippe, 2017 waren es 78 Menschen. In Werne waren es im selben Zeitraum zwei (2017) und 94 (2018). Im gesamten Kreis waren es vier (2017) und 1120 (2018). Für die Saison 2018/19 sieht es bislang deutlich milder aus: 2018 ist in Selm ein Grippefall verzeichnet, 2019 (bis Woche 7) waren es 13 Grippefälle. In Werne null (2018) und 17 (2019). Für den Kreis fünf (2018) und 201 (2019).

? Für welche Menschen empfiehlt sich eine Impfung besonders?

„Für Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere sowie Personen mit einem erhöhten beruflichen Risiko empfiehlt die Ständige Impfkommission die Grippeschutzimpfung“, sagt Volker Brüning. Auch für Angehörige medizinischer Berufe und alle, die im Kontakt mit vielen Menschen stehen – zum Beispiel Lehrer oder Erzieher – kann eine Impfung mit dem aktuellen Vierfach-Impfstoff beim Hausarzt sinnvoll sein, so Apotheker Brüning: „Wer geimpft ist, schützt nicht nur sich selbst vor einer schweren Influenza-Erkrankung, sondern vermeidet auch andere anzustecken.“

? Was für eine Impfung ist das eigentlich genau?

Bei dem aktuellen Grippeimpfstoff handelt es sich um einen Vierfach-Impfstoff mit verschiedenen Grippestämmen, erklärt die Selmer Hausärztin Dr. Antje Münzenmaier. So sei mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sichergestellt, dass das richtige Grippevirus erwischt werde. Vor zwei Jahren zum Beispiel, als die große Grippewelle herrschte, hätten die Krankenkassen nur den Dreifach-Impfstoff bezahlt. Verbreitet hätte sich dann aber ausgerechnet der Influenza-Erreger, der nun auch in dem Vierfach-Impfstoff enthalten ist. „Die Krankenkassen haben daraus gelernt“, so Münzenmaier. Mit dem aktuellen Impfstoff „ist man mit großer Wahrscheinlichkeit geschützt“, sagt die Ärztin.

? Ab wann kann ich mich impfen lassen?

Die ersten Patienten hat Dr. Antje Münzenmaier schon Ende September gegen Grippe geimpft, doch so richtig geht die Impfsaison erst jetzt los. „Der Oktober ist eine gute Zeit für die Impfung“, sagt Münzenmaier, denn bis die Impfung richtig wirke, dauere es in der Regel bis zu drei Wochen. Auch Volker Brüning empfiehlt den Oktober und November für die Impfung. „Aber auch eine Impfung im Dezember und selbst zu Beginn oder im Verlauf der Grippewelle kann noch sinnvoll sein. Schließlich weiß niemand im Voraus, wie lange eine Influenzawelle andauern wird“, so Apotheker Brüning.

? Wird man nach einer Impfung nicht erst recht krank?

Nein, sagt Antje Münzenmaier. „Man kriegt durch diese Impfung auf keinen Fall eine Grippe“, so die Hausärztin. Wer krank werde, hätte auch schon vorher Erreger im Körper gehabt. Die Impfung sei außerdem sehr verträglich. „Die meisten merken nichts“, sagt Münzenmaier. Sie habe zum Beispiel noch nie Fieber von einer Grippeimpfung bekommen. Nur eine Rötung an der Einstichstelle. Aber auch die sei am nächsten Tag verschwunden.

? Was kann man sonst noch tun, um nicht an Grippe zu erkranken?

„Halten Sie Abstand zu Personen mit Symptomen einer akuten Atemwegserkrankung, und waschen Sie sich regelmäßig gründlich die Hände“, rät Volker Brüning.

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