Grippe-Viren im Weihwasser - Ist das nicht gefährlich, Pfarrer Iwan?

dzKuriose Empfehlung des Bistums

Wieder einmal leidet Deutschland unter eine Grippe-Welle. Jetzt hat das Erzbistum Paderborn Weihwasser als Übertragungsweg ausgemacht. Schwertes Pfarrer Hans-Peter Iwan reagiert gelassen.

Schwerte

, 22.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist eine logische Überlegung, trotzdem ist bislang niemand darauf gekommen: An den Händen und Fingern eines Menschen findet man die meisten Keime. In katholischen Kirchen tauchen viele Besucher diese Finger am Eingang in die Weihwasserbecken, um sich damit zu bekreuzigen.

Becken ist einer der Übertragungswege

Theoretisch macht das Weihwasserbecken zu Übertragungswegen für Krankheits-Keime, auch Grippe-Viren. Deshalb veröffentlichte das Erzbistum Paderborn, zu dem auch Schwerte gehört, jetzt Handlungsempfehlungen. Dazu zählen der Rat, Weihwasser häufiger zu wechseln und beim Friedensgruß während der Liturgie das Händeschütteln zu unterlassen.

Bei Schwerte Pfarrer Hans-Peter Iwan rief dieser Rat aus dem Amtsblatt gemischte Gefühle hervor. „Natürlich nehmen wir die Gesundheit der Gläubigen und die Hygiene in unseren Kirchen ernst“, so Pfarrer Iwan. „Aber das machen wir bereits seit Jahren.“ Er versteht den plötzlichen Wirbel nicht.

Schwerter Küster: Weihwasser wird ausgetauscht

Raimund Meka, der Küster in St. Marien, bestätigt diese Aussage. „Das Weihwasser wird einmal in der Woche ausgetauscht.“ Die Kirchgänger können also davon ausgehen, dass jeweils sonntags anderes Weihwasser in den Becken ist.

Das deckt sich mit den Wünschen von Dr. Roland Staudt, dem Amtsarzt im Gesundheitsamt des Kreises Unna: Zwischen den sonntäglichen Messen sollte das Wasser getauscht werden - insbesondere in der Grippe-Saison.

Amtsarzt: In Krankenhaus-Kapellen ist es dringender

„Wir kennen das Problem aber vor allem aus den Kapellen in konfessionellen Krankenhäusern“, erläutert Staudt. Dort gebe es zum einen viele Bakterien, die sich im Becken weiter vermehren könnten, zum anderen oft einen langen Zeitraum zwischen den Gottesdiensten in den Kapellen.

Andererseits könne man sich im Krankenhaus sofort wieder die Hände desinfizieren, in Kirchen normalerweise nicht, so Staudt.

Dennoch: Pfarrer Iwan kann seine Gemeindemitgliedern beruhigen, dass auch andere denkbare Übertragungswege im Rahmen eines Gottesdienstes verantwortungsbewusst entschärft werden. „Die Hände des Pfarrers bei der Ausgabe der Hostien während der Heiligen Kommunion sind immer frisch gewaschen.“

Grippe-Viren im Weihwasser - Ist das nicht gefährlich, Pfarrer Iwan?

Schwertes katholischer Pfarrer: Hans-Peter Iwan. © Foto: Bernd Paulitschke

Händereichen beim Friedensgruß

Zum Händereichen beim Friedensgruße hat Pfarrer Iwan eine eigene Meinung: „Das liegt ganz in der Eigenverantwortung der Menschen.“ Beim Friedensgruß habe sich das Händeschütteln eingebürgert, sei aber nicht ausdrücklich gefordert. „Beim Friedensgruß soll man miteinander kommunizieren, das geht auch ohne Anfassen.“

Grundsätzlich sieht Hans-Peter Iwan die Warnung des Erzbistums kritisch. Für ihn wird die Gesellschaft immer übervorsichtiger. Er hat vor allem Sorge um weitere Entwicklungen. „Da kann man erwarten, dass irgendwann jemand verlangt, dass wir die Kerzen in den Kirchen löschen, weil sie Rußpartikel entwickeln.“ Und dann sei auch irgendwann der Weihrauch nicht mehr sicher.

Tägliches Händeschütteln

Pfarrer Iwan bezieht seine Seelenruhe aus jahrelanger Erfahrung. Berufsbedingt schüttelt er täglich sehr viele Hände und hatte seit Jahren keine Grippeinfektion. „Hygiene liegt in der Verantwortung eines jeden Menschen“, ist seine Meinung.

„Jeder kann Maßnahmen ergreifen, die das Ansteckungsrisiko senken“, erläutert auch Amtsarzt Staudt. Es sei immer eine Gratwanderung „zwischen dem, was die Kirche möchte, und einem größeren Infektionsschutz“.

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