Grippe-Hochsaison - aber kaum Krankheitsfälle in Lünen

dzInfluenza

Tief durchatmen: Bislang bleibt Lünen von der Grippewelle verschont. Die Fälle sind so niedrig wie seit Jahren nicht mehr. Das könnte einen bestimmten Grund haben.

von Sina Osterholt

Lünen

, 27.01.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im gesamten Kreis Unna gibt es bislang 22 Grippefälle, die nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig sind. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 gab es insgesamt 1120 durch Erkrankte. „So still ist der Virus zu dieser Zeit schon lange nicht mehr geblieben“, sagt der Stellvertretende Pressesprecher des Kreises Unna, Max Rolke. Und das, obwohl die Grippehochsaison erfahrungsgemäß im Dezember und Januar sei.

Die Grippesaison hat keinen festen Termin

In Lünen kann es momentan kaum ruhiger sein: Im St.-Marien-Hospital gebe es gerade Mal vier Grippepatienten. „Die unterdurchschnittliche Ruhephase kann sich aber von Tag zu Tag ändern“, warnt Timo-Benjamin Baumeister, Leiter der zentralen Notaufnahme (LZN). Da der Virus keinen festen Termin hat, könne es immer noch zu einer Zunahme kommen - die Saison gehe von November bis April.

Für diesen Fall sei das Krankenhaus aber bestens vorbereitet: Man habe verschiedene Notfallpläne gegen die Ansteckung. Es gebe Infoveranstaltungen, einen Mund-Nasen-Schutz für Mitarbeiter und Patienten und auch eine mögliche Sperrung ganzer Räume sei möglich. „Aus den Erfahrungen der letzten Jahre haben wir gelernt, was in dem Fall zutun ist“, sagt der Notaufnahmeleiter.

Vierfachimpfstoff kann ursächlich für die Gripperuhe sein
Dass derzeit so wenig Menschen erkranken, könnte einen bestimmten Grund haben: den Vierfach-Impfstoff. Dieser Kombinationsimpfstoff gehe gegen verschiedene Krankheitserreger vor. Der Stoff werde jedes Jahr auf der Basis aktueller Erfahrungen neu zusammengestellt. In den Vorjahren sei vielfach lediglich ein Dreifachimpfstoff verabreicht worden.

Auch Dr. Petra Godeck, die ihre Praxis am Knick 10 in Lünen hat, sieht den Vierfachimpfstoff als möglichen Grund dafür, dass es bislang so wenige Patienten gibt. Die Krankenkassen haben laut der Allgemeinmedizinerin womöglich aus den Fehlern von der Saison 2017/18 gelernt und deshalb den besseren Impfstoff zugelassen. Genau sagen könne man das allerdings nicht, da der Virus sich beständig verändert und damit auch die Impfstoffe jährlich neu zusammengestellt werden. Rund 25.100 Menschen verloren in Deutschland in der außergewöhnlich starken Grippewelle 2017/18 ihr Leben, so das Robert-Koch-Instituts (RKI). Das sei die höchste Zahl an Todesfällen in den vergangenen 30 Jahren, erklärte RKI-Präsident Lothar Wieler im September 2019.

Schnelles Handeln ist bei Erkrankung erforderlich

Trotzdem hatte Godeck in der zweiten Kalenderwoche zwei Grippepatienten und hat diese in die Notaufnahme geschickt. Eine richtige Grippe entwickelt sich schnell, sie kommt mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und starkem Husten. Ihre beiden Patienten seien auch mit diesen Symptomen in die Praxis gekommen. „Ich fühle mich, als hätte ein Trecker mich überfahren“, sei laut der Ärztin eine Aussage der Patienten gewesen. Die meisten Patienten litten aber unter vergleichsweise harmlosen, wetterbedingte grippalen Infekten und Erkrankungen der Luftwege.

Anzahl der Impfungen hat zugenommen

Die Zahl der Impfungen sei in ihrer Praxis in dieser Saison auch etwas angestiegen. Mehr als 50 Impfstoffe hat die Ärztin nachbestellt. Den Großteil der Impfungen hat die Medizinerin im Herbst vorgenommen.

Aber: Für eine Impfung sei es aber noch nicht zu spät. Denn die Aussage ist die Gleiche wie die des Krankenhauses: Noch kann die Grippewelle auch noch kommen.

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