Gersteinwerk: Warum der Werner Günter Schaar für einen Bundeskanzler Spalier stand

dzGersteinwerk Werne

In diesem Jahr erhielt Günter Schaar (80) eine Ehrenurkunde für 40-jährige Zugehörigkeit zur Gewerkschaft Bau. Dabei erinnerte er sich an einen ganz besonderen Tag in seinem Arbeitsleben.

Werne, Stockum

, 20.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor einiger Zeit ehrte die Industriegewerkschaft Bau verdiente Mitglieder aus dem Raum Dortmund-Bochum. Darunter auch den Werner Günter Schaar. Im Gespräch mit der Redaktion erinnerte sich der gelernte Maurer an einen ganz besonderen Tat seines langen Arbeitslebens.

Es war der 24. Oktober 1984, also fast genau vor 35 Jahren. Günter Schaar war Mitarbeiter der Firma Schröerbau, die den Block K des Gersteinwerkes in Werne-Stockum errichtet hat. Und an diesem Tag sollte hoher Besuch die neue Stromfabrik auf dem Stockumer Kraftwerksgelände einweihen.

Gersteinwerk: Warum der Werner Günter Schaar für einen Bundeskanzler Spalier stand

Zur Einweihung des neuen Steinkohle-Blocks empfing im Jahr 1984 Wernes Bürgermeister Willi Lülf (3.v.l.) Bundeskanzler Helmut Kohl (4. v. l.). © Foto Philip Watson

„Da hieß es, heute weiht Bundeskanzler Helmut Kohl den neuen Kraftwerksblock ein“, erinnert sich der 80-Jährige. Alle Beschäftigten hatten dafür anzutreten. „Sogar die Kranführer mussten herunterkommen und sich ins Spalier einreihen“, erinnert sich Schaar.

Wie viele Beschäftigte dem Kanzler letztlich die Ehre erweisen mussten, daran kann er sich nicht mehr erinnern. Aber daran, „dass wir ganz normal in Arbeitskleidung angetreten sind“.

Günter Schaar: „War Augenzeuge eines besonderen Augenblicks“

Der Bundeskanzler sei „an uns vorbeigegangen und hat kurz genickt“, erzählt Schaar. Das Gespräch mit denen, die den Block K gebaut haben, hätte Kohl nicht gesucht. Doch auch so ist ihm dieser denkwürdige Tag im Gedächtnis geblieben: „Ich war Augenzeuge eines ganz besonderen Tages für Werne“, erzählt er mit einem gewissen Stolz in der Stimme.

Das Ganze habe „ein paar Stunden gedauert“, dann sei der Festakt mit dem hohen Gast auch schon wieder vorüber gewesen. Knapp 35 Jahre später, im März 2019, ging der mit Steinkohle befeuerte Teil des Blocks K vom Netz.

Gersteinwerk: Warum der Werner Günter Schaar für einen Bundeskanzler Spalier stand

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (M.) bei einem Rundgang über das Kraftwerks-Gelände. © RWE Power AG

Und mit der Stilllegung des Steinkohleblocks K2 endete am Freitag, 29. April 2019, gegen 12.30 Uhr eine Ära. Seit 1917 wurde am Gersteinwerk in Stockum Kohle befeuert. Für die Mitarbeiter sei es ein sehr emotionaler Moment gewesen, erzählte Betriebsleiter Michael Wiegel damals.

Ende der Steinkohle-Zeit am Gersteinwerk

Doch auch nach dem Ende der Steinkohle-Verstromung geht es am Standort in Werne-Stockum weiter. Elf ältere Mitarbeiter, die nun in Altersteilzeit gehen, verbleiben noch bis nach der Übergangszeit 2021 am Gersteinwerk. Vorher waren es 140 Mitarbeiter. Man habe eine sozialverträgliche Lösung für die Mitarbeiter gefunden, erklärt Dr. Christoph Schlechter, Leiter des Kraftwerkstandortes.

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Schon lange war klar, dass das Ende der Steinkohle-Verstromung am Gersteinwerk kommt. Viele Mitarbeiter haben sich selbst um neue Arbeitsstellen gekümmert. Das Ende der Steinkohle in Stockum wurde 2015 wegen wirtschaftlicher Gründe besiegelt.

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