Geräteversicherung für Tablet und Smartphone ist oft teuer und überflüssig

dzVerbrauchertipp

Kauft man ein Tablet oder Smartphone, wird oft eine Geräteversicherung dazu angeboten. Allerdings nützt das vermeintliche Rundum-Sorglos-Paket oft nur dem Vermittler und dem Versicherer.

Lünen

, 28.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Policen für Geräteversicherungen, die das teure Smartphone oder Tablet absichern sollen, wenn die Geräte hingefallen sind, bei Bedienungsfehlern, Diebstahl oder Feuchtigkeitsschäden, sind in der Regel nicht nur teuer, sondern greifen auch in vielen Fällen nicht. Deshalb rät Pia Blödow von der Lüner Verbraucherberatung eher davon ab, solche Versicherungen abzuschließen. Was man beachten sollte, erklären wir in Fragen und Antworten.

? Warum lohnen sich solche Geräteversicherungen, die beim Kauf angeboten werden, eher nicht?

Weil sie oft sehr teuer werden. Kauft man beispielsweise ein Smartphone für 1000 Euro, kommen dann mit einer Geräteversicherung zusätzlich zwischen zehn und 30 Prozent des Kaufpreises pro Jahr dazu. Das richtet sich nach dem Neuwert des Gerätes. So können leicht Zusatzkosten von bis zu 300 Euro im Jahr entstehen. Diese Kosten kann man sich sparen, meint Pia Blöow, denn auch wenn das neue Smartphone kaputt geht, kann man es oft für weniger Geld reparieren. Nicht immer sind Schäden wirklich Totalschäden. In vielen Fällen kann man den Schaden für viel weniger Geld reparieren lassen als der Versicherungsbeitrag im Jahr kostet.

? Zahlen denn die Versicherer immer, wenn ein Schaden am Gerät entstanden ist?

Oft halten sich die Versicherer leider ein Hintertürchen offen. Bei einfachen Geräteversicherungen ist oft kein Schaden durch Diebstahl abgedeckt. Oder man muss höhere Beiträge zahlen. Außerdem wird oft eine hohe Selbstbeteiligung vereinbart. Bei Reparaturen muss man dann beispielsweise 100 Euro selbst tragen und nur bei höheren Kosten zahlt die Versicherung. Manchmal bekommt man gar kein Geld für eine Reparatur, sondern ein Ersatzgerät mit ähnlichem Leistungsumfang. Pia Blödow: „Das kann aber auch ein älteres Modell sein, nicht das gleiche, das man gekauft hat.“

? Gibt es Ausnahmen, bei denen Versicherungen nicht zahlen?

Manche Versicherungen haben Nachtklauseln, nach denen nur Geräte erstattet werden, wenn der Diebstahl zwischen 6 und 22 Uhr stattgefunden hat. Versicherungen zahlen auch nicht, wenn das Gerät kurze Zeit unbeaufsichtigt war. Auch bei Bedienfehlern, Virenbefall oder kaputten Kleinteilen muss der Besitzer trotz Versicherung selbst für den Schaden aufkommen. PIa Blödow: „Dass man das Handy nicht unbeaufsichtigt gelassen hat, ist schwer zu beweisen. Da versuchen Versicherungen oft, dem Kunden einen Strick daraus zu drehen.“

? Wann lohnt sich eine Geräteversicherung tatsächlich?

In der Regel lohnt sie sich nur, wenn der Verlust des Geräts eine echte finanzielle Katastrophe für den Besitzer wäre. Bevor man eine Police abschließt, solllte man sich genau überlegen, wie sinnvoll so eine Geräteversicherung ist und ob sich die hohen Zusatzkosten rechnen.

? Muss man die Versicherung sofort beim Kauf des Geräts abschließen?

In den meisten Fällen kann man so eine Versicherung noch bis zu 30 Tage nach dem Kauf abschließen. Deshalb rät Pia Blödow: „Man sollte sich nicht vom Verkäufer drängen lassen, Smartphone oder Tablet sofort beim Kauf versichern zu lassen. Dann hat man auch mehr Zeit, sich das Kleingedruckte im Vertrag durchzulesen.“ Diese Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) variieren von Anbieter zu Anbieter. Hier lauern viele Fallen, deshalb sollte man sie genau durchlesen.

? Wenn ein Gerät defekt ist, braucht man dann unbedingt eine Versicherung?

Zunächst greift bei einem Gerät, das kaputt gegangen ist, die gesetzliche Gewährleistung. Und zwar auch ohne teure Geräteversicherung. Bei Schäden innerhalb der ersten sechs Monate muss der Kunde zudem nicht beweisen, dass das Gerät schon zum Zeitpunkt des Kaufs defekt war.

? Kann man einen Vertrag für eine Geräteversicherung auch widerrufen?

Das ist innerhalb von 14 Tagen möglch - innerhalb dieser Frist, gerechnet von der Unterschrift unter den Vertrag, kann man mittels schriftlichem Widerruf noch vom Vertrag zurücktreten.

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