Generalvikar warnt vor Spaltung der katholischen Kirche

In der katholischen Kirche stehen sich Reformer und Konservative gegenüber. Die Polarisierung geht so weit, dass der Generalvikar von Essen tiefgreifende Konsequenzen befürchtet.

21.09.2019, 09:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer sieht die Gefahr einer Spaltung in der katholischen Kirche. „Vor einigen Wochen hätte ich noch gesagt, das sehe ich so nicht, aber mittlerweile habe ich große Sorge, dass wir schon längst in einer Situation sind, in der Grundauffassungen von Kirche so weit auseinanderliegen, dass die Gefahr einer Spaltung nicht von der Hand zu weisen ist“, sagte Pfeffer der Deutschen Presse-Agentur.

Die deutschen Katholiken, aber auch Teile der Weltkirche, seien derzeit stark polarisiert. Dabei werde von beiden Seiten auch mit böswilligen Unterstellungen gearbeitet - jede werfe der anderen Seite vor, sie verfolge nur eigennützige Motive. „Die Grundfrage ist: Können wir als katholische Kirche auch trotz großer Differenzen beieinanderbleiben oder ist das nicht möglich, weil einige die Position vertreten: Einheit der Kirche bedeutet absolute Einheitlichkeit. Das würde ich für gefährlich halten.“ In einer globalen Welt könne eine christliche Kirche nur bestehen, wenn sie auch pluralitätsfähig sei. „Da haben wir noch viel Luft nach oben“, sagte Pfeffer.

Die Deutsche Bischofskonferenz, die an diesem Montag in Fulda zu ihrer Herbstvollversammlung zusammenkommt, will unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals einen Reformprozess einleiten, den sogenannten „synodalen Weg“. Darin geht es um vier Punkte: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die umstrittene Ehelosigkeit von Priestern (Zölibat) und die Position von Frauen in der Kirche. Der Vatikan hat die deutschen Bischöfe in diesem Monat jedoch unmissverständlich darauf hingewiesen, dass sie in so zentralen Fragen keine Entscheidungen treffen könnten. Das sei der Weltkirche vorbehalten.

Pfeffer sagte dazu, seiner Meinung nach wäre der „synodale Weg“ schon ein Erfolg, wenn er beide Seiten - Reformer und Konservative - wieder miteinander ins Gespräch bringe. „Ich würde davor warnen, sich jetzt nur auf die ganz großen Fragen wie „Priesteramt für Frauen“ zu fixieren, denn die sind tatsächlich nur im weltpolitischen Zusammenhang zu lösen. Das muss dann in der Tat Enttäuschungen produzieren.“ Ein autoritäres Gesprächsverbot, wie es der Vatikan in seinem jüngsten Schreiben an die deutschen Bischöfe offenbar verhängen wolle, sei dagegen inakzeptabel und zum Scheitern verurteilt.

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