Gefahr in der Bananenkiste: So gelangen Regenwald-Spinnen in deutsche Supermärkte

Ungewollte Einreise

In Supermärkten werden immer wieder exotische Spinnen gefunden. Oft wird davon ausgegangen, dass es sich um die gefährliche Bananenspinne handelt. Doch wie wahrscheinlich ist das wirklich?

Hannover

von Ben Kendal

, 12.12.2019, 11:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gefahr in der Bananenkiste: So gelangen Regenwald-Spinnen in deutsche Supermärkte

Hin und wieder reisen die von den meisten Menschen ungeliebten Achtbeiner in Bananenboxen mit nach Deutschland. Den Anblick von exotischen Spinnen sind wir hier einfach nicht gewöhnt. © obs/LIDL/Lidl

Ein großer Schock in München: In einem Supermarkt hat ein Mitarbeiter beim Auspacken einer Bananenkiste eine exotische Spinne entdeckt. Experten vermuteten, dass es sich um die gifte Bananenspinne handelt - doch wenig später gab es Entwarnung: Es war eine eher harmlose Riesenkrabbenspinne, die dem Mitarbeiter einen großen Schrecken eingejagt hatte.

In Hamm gab es im Mai einen ähnlichen Fall, bei dem eine Riesenkrabbenspinne für eine Bananenspinne gehalten wurde. Die Riesenkrabbenspinne kann zwar beißen, ist aber nicht tödlich.

Immer wieder werden in Supermärkten gefährliche aussehende Spinnen in Bananenkisten entdeckt. Doch meist entpuppt sich die Spinne – wie in Hamm und München – als harmlose Art. Als Sicherheitsvorkehrung werden bei einer Sichtung einer exotischen Spinne häufig ganze Supermärkte geräumt.

2011 soll eine Bananenspinne in einem saarländischen Supermarkt gesichtet worden sein. Der Supermarkt musste tagelang schließen - doch die Spinne wurde nirgendwo gefunden, wie lokale Medien berichten.

Gefahr in der Bananenkiste: So gelangen Regenwald-Spinnen in deutsche Supermärkte

Ein männliches Exemplar der Riesenkrabbenspinne, welches 2014 in einem Düsseldorfer Supermarkt gefunden wurde. Auch dieses Tier wurde fälschlicherweise für eine Bananenspinne gehalten. © dpa

Brasilianische Wanderspinne: Eine der gefährlichsten und giftigsten Spinnen der Welt

Als Bananenspinne wird umganssprachlich die Art „Brasilianische Wanderspinne“ bezeichnet: Die „Phoneutria nigriventer“. Sie ist eine der gefährlichsten und giftigsten Spinnen der Welt.

Die Brasilianische Wanderspinne kann bis zu 5 Zentimeter lang werden und ihr Gift kann für Menschen lebensgefährlich sein. Wenn sie sich bedroht fühlt, reißt sie die Vorderbeine hoch und zeigt bei angehobenen Vorderkörper ihre rötlichen Giftklauen, informiert das staatliche Museum für Naturkunde Karlsruhe (SMNK).

Sie ist zudem sehr schnell - und lässt sich auch leicht reizen. Daher ist die Angst von Menschen zwar in der Theorie begründet, wenn sie eine Spinne in einer Bananenkiste finden. Aber kann es wirklich sein, dass die giftige Spinne als blinder Passagier in Bananenkisten von Ländern wie Brasilien in deutsche Märkte gelangt?

Fund von Bananenspinne in Deutschland „extrem unwahrscheinlich“

Es sei „extrem unwahrscheinlich, dass die für uns sehr giftige Phoneutria nigriventer mit Bananen nach Deutschland gelangt“, sagt das SMNK. Die Bananenspinne komme nur in Brasilien, Uruguay, Paraguay und Argentinien vor. Allerdings liefere von diesen Ländern nur Brasilien Bananen in die EU.

Im Vergleich zu anderen Lateinamerikanischen Ländern ist die Menge aber gering: 8.773 Tonnen kamen laut einer EU-Statistik aus Brasilien - und damit nur ein Bruchteil der fast fünf Millionen Tonnen.

Außerdem werden Bananen beim Transport nach Deutschland gründlich gereinigt, mit Insektiziden behandelt und durchgängig gekühlt, betont das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Demnach werden so gut wie nie lebende Spinnen auf Bananen gefunden, wenn diese in den Bananenreifereien in Deutschland ankommen.

Falscher Alarm: Andere Spinnenarten häufiger in Bananenkisten

Doch warum werden trotzdem immer wieder Spinnen in Bananenkisten entdeckt? Spinnen halten sich immer gerne dort auf, wo sie sich gut verstecken und auf ihre Beute warten können. Bananenplantagen sind aufgrund ihrer vielen Versteckmöglichkeiten also ein beliebter Ort.

Allerdings gibt es laut dem Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit keine Spinnen, die an oder gar in Bananen ihren natürlichen Lebensraum hat. Daher sei die Bezeichnung Bananenspinne eigentlich nicht korrekt.

Bisse vergleichbar mit Wespenstich

Bei den Spinnenfunden in Bananenkisten in Deutschland handelt es sich fast nie um die tatsächliche Brasilianische Wanderspinne, sondern um andere Arten. Laut dem SMNK werden häufig harmlose Arten wie die Riesenkrabbenspinne oder die große Wanderspinne mit der Bananenspinne verwechselt.

Die Bisse beider Gattungen sind mit einem Wespenstich vergleichbar: Sie sind also im Gegensatz zu der der Brasilianischen Wanderspinne nicht tödlich.

Selten wird in Ecuador, Kolumbien und Costa Rica – aus denen die meisten Bananen in die EU geliefert werden – die Giftspinne Phoneutria boliviensis zwischen Bananen gefunden. Ihr Gift wirke allerdings bei weitem nicht so stark wie bei der Bananenspinne, informiert das SMNK. Und die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass diese Spinnen nach Deutschland kommen.