Gefahr durch Noroviren ist im Kreis Unna wieder hoch - so schützen Sie sich vor Ansteckung

Ansteckungsgefahr

Das Norovirus sucht vor allem im Winter Gemeinschaftseinrichtungen heim: Weihnachten 2016 etwa das Altenheim St. Josef Selm und Januar 2019 das Krankenhaus Werne. Vorsorge ist aber möglich.

Selm

, 23.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gefahr durch Noroviren ist im Kreis Unna wieder hoch - so schützen Sie sich vor Ansteckung

Desinfektion ist wichtig, um sich nicht anzustecken. Aber nicht jedes Mittel hilft. © picture alliance/dpa

Die Infektion verläuft in der Regel kurz und heftig: Sie beginnt plötzlich mit schwallartigem Erbrechen oder starkem Durchfall. Die Betroffene fühlen sich schwach und matt, haben oft Bauch-, Kopf- und Gliederschmerzen, gelegentlich leichtes Fieber. Sie leiden an Gastroenteritis, verursacht durch das Norovirus.

„Anstecken kann man sich zwar das ganze Jahr über, aber im Herbst und Winter kommt das besonders häufig vor“, teilt die AOK Nord-West mit. 2018 habe es im Kreis Unna 380 Fälle von Gastroenteritis, verursacht durch das Norovirus, gegeben. Wie viele davon in der kalten Jahreszeit litten, lässt sich aus dieser Angabe des Robert-Koch-Instituts in Berlin nicht entnehmen.

Robert-Koch-Institut sieht einen Anstieg der Fälle

Das Robert-Koch-Institut bestätigt aber, dass es rund um den Jahreswechsel besonders viele Patienten gibt - und dass ihre Zahl seit einigen Jahren steigt. „In den Wintermonaten der Jahre 2002/2003, 2004/2005, 2006/2007 und 2007/2008 wurde eine erhebliche Zunahme an Norovirus-Ausbrüchen in Deutschland und auch in einigen europäischen Nachbarländern beobachtet.“

Der Kreis Unna ist da keine Ausnahme. Weihnachten 2016 mussten zum Beispiel Bewohner des Seniorenheims St. Josef an der Kreisstraße in Isolierzimmern verbringen, weil die Krankheit ausgebrochen war. In Werne hatte das hochansteckende Virus im Januar 2019 eine ganze Station lahmgelegt.

Ansteckungsgefahr ist besonders hoch

Gemeinschaftseinrichtungen seien besonders stark betroffen, bestätigt Dr. Staudt, der Arzt beim Kreis Unna. Die Viren, die sich nur im Menschen wohlfühle, werden übertragen über den Stuhl und das Erbrochene.

Gefahr durch Noroviren ist im Kreis Unna wieder hoch - so schützen Sie sich vor Ansteckung

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Noroviren. 1972 wurden die Erreger entdeckt. © picture alliance / Gudrun Hollan

„Die Infektiosität ist sehr hoch“, so Staudt. „Zehn bis 100 Viruspartikel reichen schon, um sich anzustecken.“ Das sei, so Staudt, „sehr wenig“. Wer etwa ein Badezimmer säubert, das ein Patient benutzt hat, die Bettwäsche wechselt oder auch nur in der Nähe ist, wenn jemand erbricht, ist die Chance sehr groß, bald selbst krank zu sein - in 6 bis 50 Stunden, wie das Robert-Koch-Institut mitteilt.

Die Krankheit ist meldepflichtig. Sobald eine Person betroffen ist, die im Lebensmittelbereich arbeitet, erhalten Staudt und sein Team eine Mitteilung. Außerdem, wenn zwei Menschen aus einer Einrichtung erkrankt sind.

So schützt man sich vor der Ansteckung

Es gibt Maßnahmen, die verhindern, dass es so weit kommt - allerdings keine vorsorgliche Impfung. „Im Wesentlichen kommt es auf Hygiene an“, so Staudt. Das Tragen von Handschuhen, Schutzkittel sei empfehlenswert - nicht nur im Krankenhaus. Hände seien zu desinfizieren, Toiletten, Waschbecken und Türgriffe ebenfalls. Allerdings kommt es auf das Desinfektionsmittel an.

„Die einfachen Präparate reichen nicht aus“, sagt Dr. Staudt. Nur solche mit dem Wirkbereich „begrenzt viruzid plus“ oder „viruzid“ wirkten. Der Nachteil: „Sie sind teurer als die einfachen.“

In Selm sind die Wartezimmer nicht voller als sonst

Noch häuften sich die Fälle in seiner Praxis an der Kreisstraße in Selm nicht, sagt Internist Dr. Michael Stockmann. Es seien nicht mehr oder weniger als das ganze Jahr über. Ohnehin sehe er im Sommer ein erhöhtes Risiko - durch belastete Lebensmittel wie Salate, Krabben und Muscheln.

Oft ist alles nach ein bis zwei unangenehmen Tagen überstanden. „Kinder und Senioren können bei länger anhaltenden Durchfällen Kreislaufprobleme bekommen, weil sie über geringere Flüssigkeitsreserven verfügen“, schreibt die AOK. Ihre Empfehlungen: Bettruhe einhalten, viel trinken und sich mit Schonkost begnügen.

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