Gefahr Toter Winkel: Kreistag will für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen

dzTödlicher Unfall in Lünen

Etwa 40 Menschen sterben jedes Jahr bundesweit, weil abbiegende Lkw sie übersehen. In Lünen starb im Mai ein Radfahrer im „toten Winkel“. Der Kreistag will jetzt für mehr Sicherheit sorgen.

Lünen

, 17.10.2018, 17:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im Mai hat die EU-Kommission die „General Safety Regulation“ beschlossen, die den Straßenverkehr sicherer machen soll. Elektronische Abbiege-Assistenten für Lkw und Busse sollen künftig europaweit die Zahl von Verkehrstoten und Verletzten senken. 60 Prozent weniger schwere Unfälle, so schreiben die Kreistags-Grünen in einem Antrag, seien laut Verkehrsexperten durch elektronische Abbiege-Assistenten zu erwarten.

Die Grünen wollen nun, dass der Kreis seine eigenen Fahrzeuge mit der modernen Technik ausstattet, um einen kleinen Beitrag zu mehr Verkehrssicherheit zu leisten. Denkbar wäre der Einbau etwa in den Lkw der Abfallwirtschaftstochter GWA und in den Bussen der VKU.

Gefahr Toter Winkel: Kreistag will für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen

Bei einem Unfall an der Kurler Straße/Preußenstraße ist in Lünen erst im Mai ein Radfahrer gestorben. © Foto: Claeßen

Bei den anderen Fraktionen im Kreistag stieß der Vorstoß auf Zustimmung. „Wer gegen diesen Antrag der Grünen ist, ist auch dagegen, dass Kinder mit sechs Jahren in die Schule kommen“, formulierte etwa CDU-Fraktionschef Willi Jasperneite.

Die „GroKo“ aus CDU und SPD beantragte übrigens die Erstellung eines „Integrierten Handlungskonzepts Verkehrssicherheit“ – ein Vorhaben, das grundsätzlich in die gleiche Richtung zielt. Der Kreistag beschloss beides, doch eine Umsetzung konkreter Maßnahmen bedeutet das noch lange nicht.

Umsetzung und Kosten noch unklar

Diese hängt letztlich auch an der Zustimmung der Städte und Gemeinden. Landrat Michael Makiolla gab zu bedenken, dass es gut möglich sei, dass die Bürgermeister sich gegen ein solches Konzept – beziehungsweise die mit der Umsetzung verbundenen, noch völlig unklaren Kosten – aussprechen würden. Denn Geld, was der Kreis ausgibt, zahlen schließlich die Kommunen über die Kreisumlage mit. „Ich kann mir vorstellen, dass die Bürgermeister sagen: ,Das möchten wir nicht, das machen wir lieber selbst‘“, so der Landrat.

Erst im Mai war bei einem schweren Verkehrsunfall ein Radfahrer in Lünen ums Leben gekommen. Der 58-Jährige war an der Kreuzung Preußenstraße/Kurler Straße von einem Lkw erfasst und tödlich verletzt worden. 14 Tage später ist an der Stelle ein sogenanntes „Ghost Bike“ aufgestellt worden.

Gefahr Toter Winkel: Kreistag will für mehr Sicherheit auf den Straßen sorgen

In Gedenken an den am 2. Mai getöteten Radfahrer wurde an der Kurler Straße ein so genanntes Ghost Bike aufgestellt. Über 50 Menschen hielten eine Schweigeminute ab. © Beuckelmann

Als Unfall-Schwerpunkt für Radfahrer in Lünen ist schon länger die Kreuzung Moltkestraße/Konrad-Adenauer-Straße bekannt. Dort sind schon drei Radfahrer gestorben, zuletzt war dort 2015 eine 74-jährige Frau auf ihrem Rad von einem abbiegenden Lkw erfasst und getötet worden. Die Politik diskutiert schon länger, was sich an der Kreuzung ändern muss.

Erste Änderungen an der Kreuzung Moltkestraße gibt es schon jetzt, teilt die Stadt Lünen mit. Im Zuge der Umbaumaßnahmen an der Kreuzung Konrad-Adenauer-Straße mit der Moltkestraße sind vier neue Ampeln für Fahrradfahrer aufgestellt worden, die nun in Betrieb genommen werden sollen. Am Sonntag, 21. Oktober, wird deshalb die Software im Steuergerät der Ampelanlage umgerüstet. Dazu muss die Ampelanlage an der Kreuzung für etwa drei Stunden komplett abgeschaltet werden. Die Stadt Lünen bittet alle Autofahrer um erhöhte Vorsicht und erinnert daran, dass bei abgeschalteter Ampel die aufgestellten Verkehrszeichen gelten.
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