Geduldsprobe in Selm: Von über 16.500 Bahnübergängen ist dieser etwas ganz Besonderes

dzBahnhof Selm

Wer vor der Bahnschranke an der Olfener Straße steht, braucht Geduld. Manchmal öffnet sie sich erst nach 9 Minuten, manchmal auch erst nach 16. Das findet auch die Bahn nicht richtig.

Selm

, 05.12.2019, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Bahnsprecher kennt die Beschwerden über die langen Wartezeiten vor der verschlossenen Schranke in Selm. Und er versteht sie auch. Das sei anders gedacht, sagt er und verweist auf die sogenannte 240-Regel.

„240 Sekunden“, übersetzt der Bahnsprecher, der ebenso wie seine Kolleginnen und Kollegen bei der Deutschen Bahn nicht seinen Namen veröffentlicht sehen will. Also vier Minuten: So lange dauere die Phase, in der Verkehrsteilnehmer mehr oder weniger geduldig vor einer Schranke warteten. Danach werde es kritisch.

Jetzt lesen

Daran orientiere sich die hauseigene Empfehlung für Schranken-Schließzeiten, die nicht länger dauern sollen als 240 Sekunden. Wer regelmäßig zwischen Selm und Olfen unterwegs ist, kann darüber nur schmunzeln.

Die 240-Sekunden-Regel funktioniert nicht in Selm

Für die Schranke an der Olfener Straße auf Höhe des Bahnhofs Selm gilt: Sie ist meistens länger geschlossen als diese 240 Sekunden. Das hat etwas mit der Entfernung zum nächsten Signal zu tun und mit dem Tempo des Zuges, wie der Bahnsprecher sagt, aber auch etwas mit der Art des Bahnübergangs. Und der in Selm ist inzwischen etwas ganz Besonderes.

Die Deutsche Bahn betreibt bundesweit rund 16.500 Bahnübergänge. Nach Angaben der Bundesregierung waren es Ende 2017 genau 16.541. Davon sind mehr als 60 Prozent technisch gesichert: etwa 20 Prozent mit Schranken, rund 70 Prozent mit Halbschranken und 10 Prozent mit Blinklicht. Weniger als 100 sind noch mit Personal besetzt: also mit einem Schrankenwärter oder einem Fahrdienstleiter - Tendenz weiter sinkend. Der Bahnübergang Olfener Straße gehört dazu.

Deutsche Bahn baut mechanische Bahnübergänge nach und nach um

„Es handelt sich um einen nach und nach auslaufenden Beruf“, sagt der Bahnsprecher. Die Technik werde Schritt für Schritt erneuert und modernisiert. Alle mechanischen Stellwerke der Region würden allmählich auf das elektronische Stellwerk in Coesfeld umgeschaltet: eine Mammutaufgabe, die bereits 2008 begann.

Mit der Strecke Münster-Gronau fing es damals an. Danach baute die Deutsche Bahn die bemannten Schrankenwärterposten zwischen Coesfeld-Gronau und Coesfeld-Lutum bei Billerbeck ab. Im vergangenen Jahr waren die Strecken Lutum-Mecklenbeck, Gladbeck und Dorsten an der Reihe. Mit der Aufschaltung von Reken im Dezember 2019 geht es gerade weiter. Eines ist aber noch offen.

Jetzt lesen

Wann die Olfener Straße in Selm an der Reihe ist, kann der Bahnsprecher noch nicht sagen. Wie aufwendig eine Umstellung ist, allerdings schon. Da Bahnübergänge Straße und Schiene gleichermaßen berühren, sind sie eine Gemeinschaftsaufgabe. Ihr Umbau ebenfalls. Bahn, Bund und Straßenbaulastträger, also der Eigentümer der Straße – in diesem Fall das Land NRW - müssen dabei an einem Strang ziehen.

Schwager: „Die Bahn sieht sich außer Stande“

Stephan Schwager, Baudezernent der Stadt Selm, hat es etwas drastischer formuliert: „So lange die Verkehrssituation so ist und so bleibt, sieht sich die Deutsche Bahn außer Stande, hier eine automatische Anlage zu installieren“, hatte er im Ausschuss gesagt.

Diese von Autofahrern ersehnte Umstellung werde wohl noch so lange dauern, bis die letzten Schrankenwärter in Rente seien, behaupten böse Stimmen. Die Deutsche Bahn widerspricht da entschieden. Die Schrankenwärter seien wegen ihrer langen Erfahrung besonders wertvolle Arbeitskräfte, sagt der Bahnsprecher. Niemand von ihnen werden entlassen. Sie würden vielmehr umgeschult für die Arbeit im rund um die Uhr besetzten elektronischen Stellwerk.

Neben Selm gibt es in der Region nur noch in Wulfen und in Mara Veen bemannte Bahnübergänge. In Bork steht zwar noch ein Schrankenwärterhäuschen. Der Übergang ist aber bereits automatisiert.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Gastronomie in Selm
Wiedersehen bei Suer und Abschied in der Adria: ein besonderes Gastro-Wochenende in Selm
Hellweger Anzeiger Döner-Imbiss
Ali-Baba wird Günes - Traditions-Imbiss ändert seinen Namen an der Kreisstraße in Selm
Hellweger Anzeiger Kreisstraße Selm
Bäckerei Spross schließt Filiale an der Kreisstraße in Selm - ein Nachfolger ist gefunden
Hellweger Anzeiger Brauereiknapp
Straßenbauarbeiten zwischen Cappenberg und Lünen wohl spätestens Ende Februar fertig
Hellweger Anzeiger Campus-Platz Selm
Haus der Wirtschaft: Erstmals zeigen 360-Grad-Fotos von innen den Neubau am Campus in Selm
Meistgelesen