Gebauer: Lehrer-Quereinstieg an Grundschulen nicht ausweiten

Wegen der hohen Geburtenzahlen und der Zuwanderung kommen mehr Kinder an die Grundschulen als gedacht. Für sie fehlen allerorts Lehrer. NRW versucht, mit Quereinsteigern gegenzusteuern. Das ist durchaus umstritten.

11.09.2019, 12:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Trotz des gravierenden Lehrermangels an Grundschulen will die Landesregierung die Möglichkeit des Seiteneinstiegs nicht ausweiten. Es werde keine weitere Fächeröffnung für Seiteneinsteiger geben, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwoch im Schulausschuss des Landtags. Bisher seien an den Grundschulen in NRW insgesamt 666 Quereinsteiger für die Fächer Kunst, Musik, Sport und Englisch gewonnen worden. Diese können zwar ein Fachstudium vorweisen, haben aber keinen Lehramtsabschluss.

Das bedeutet, dass Fächer wie Mathematik und Deutsch weiterhin nur von ausgebildeten Grundschullehrern unterrichtet werden dürfen. Auch an der Pflichtkombination Deutsch/Mathematik will Gebauer nicht rütteln. Das Ministerium habe aber erkannt, dass es angehende Lehrkräfte mit Mathe-Problemen gebe und arbeite an Maßnahmen.

Die Ministerin reagierte auf eine Studie der Bertelsmann Stiftung, wonach bis zum Jahr 2025 weit mehr Lehrer an Grundschulen bundesweit fehlen werden als bislang berechnet. Demnach werden mindestens 26 300 Lehrer für diese Schulform fehlen - rund 11 000 mehr als von der Kultusministerkonferenz (KMK) im vergangenen Oktober errechnet. Die Grünen hatten von Gebauer Auskunft verlangt, welche Konsequenzen sie aus der Studie ziehe.

Das NRW-Schulministerium habe längst mit aktuelleren Schüler- und Bevölkerungszahlprognosen gearbeitet, die den deutlichen Anstieg der Geburtenzahlen und die hohe Zuwanderung schon berücksichtigten, sagte Gebauer. Insofern führe der „Weckruf“ der Bertelsmann Stiftung zumindest in NRW „ins Leere“. Die Landesregierung werde aber weiter „jede Maßnahme prüfen“, um die Lehrerlücke zu schließen. An den NRW-Grundschulen waren zum Schuljahresstart 2019/2020 von rund 3200 ausgeschriebenen Lehrerstellen nur etwa 1760 besetzt.

Die CDU/FDP-Landesregierung bekämpft den Lehrermangel mit mehreren Maßnahmen: So haben nach Angaben Gebauers inzwischen 345 Lehrkräfte der Sekundarstufe II das Angebot angenommen, für zwei Jahre an einer Grundschule zu arbeiten. Durch Sondermaßnahmen seien in den Jahren 2018/19 mittlerweile knapp 1170 Lehrerstellen an Grundschulen besetzt worden. Zugleich räumte Gebauer ein: „Ich habe nie gesagt, alles ist gut. Dafür ist der Lehrermangel zu groß in NRW.“

Grund für die Lehrer-Lücke ist auch der Mangel an Studienplätzen. Zwei Drittel der Bewerber müssen abgewiesen werden. Für das Grundschullehramt wurden zum vergangenen Wintersemester nach Angaben des Schulministeriums 339 zusätzliche Studienplätze geschaffen. Das entspreche einer Steigerung um 18 Prozent. An fast 2800 Grundschulen in NRW unterrichten knapp 48 000 Lehrer etwa 645 000 Schüler der Klassen eins bis vier.

Zurückhaltend zeigte sich Gebauer weiterhin bei der Forderung von Opposition und von Lehrerverbänden, Grundschullehrer so zu bezahlen wie Lehrer der Sekundarstufe II.

Lehrer- und Bildungsverbände zeigten sich enttäuscht, dass Gebauer keinen Vorstoß für die gleiche Besoldung von Lehrern mache. Der Lehrerberuf müsse attraktiver und für den Seiteneinstieg eine verbindliche Vorqualifizierung eingeführt werden, forderte der Lehrerverband VBE. Auch die Bildungsgewerkschaft GEW erklärte: „Ganz maßgeblich ist auch eine deutliche Attraktivitätssteigerung des Berufes mit gleicher Bezahlung und besseren Arbeitsbedingungen an den Grundschulen.“

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