Fußgängerzone Schwerte: Wie hoch sind eigentlich die Mieten an der Hüsingstraße?

dzLeerstände in der Innenstadt

550 Euro, so viel Geld verlangte ein Vermieter von der Freiwilligen Feuerwehr Schwerte, die ein leerstehendes Schaufenster mit Mitgliederwerbung dekorieren wollte. Das Fenster blieb leer.

Schwerte

, 19.12.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vom ehemaligen Laden der Modekette Gerry Weber bis zur Ex-Filiale von Blumen Risse am Cava-Platz: Selten standen so viele Landelokal in vermeintlich bester Lage in Schwerte leer. Michael Kersting, seit Mitte des Jahres als Stadtmarketing-Manager auch für die Leerstände zuständig, sieht einen Großteil des Problem in den Vorstellungen mancher Immobilienbesitzer.

15 Euro pro Quadratmeter, so viel darf ein kleines Ladenlokal in bester Lage in Schwerte kosten. Das hat die Industrie- und Handelskammer im aktuellen Mietspiegel für Gewerbeimmobilien ermittelt. „Die Vermieter der aktuellen Leerstände verlangen zum Teil 6 bis 8 Euro mehr“, erklärt Kersting. Dass man bei solchen Forderungen Leerstände in Kauf nehme, sei klar.

Gewerbemieten sind im freien Fall

Dabei sind es nicht nur Immobiliengesellschaften, die gar nicht aus Schwerte kommen, sondern auch Erbengemeinschaften und heimische Besitzer, deren Ladenlokale leerstehen. Gemeinsam ist den meisten, dass sie überholte Vorstellungen von Mieteinnahmen haben. Denn noch vor kurzem konnte man für ein 60 Quadratmeter großes Ladenlokal an der Hüsingstraße 25 Euro pro Quadratmeter kassieren, 2013 lag die Durchschnittsmiete sogar noch bei 30 Euro.

Bei den größeren Ladenlokalen empfiehlt der Mietspiegel 18 Euro. Da sich das Werk nicht an den bestehenden Schwerter Mieten, sondern an den Daten des Immobilienverbandes Deutschland orientiert, liegt das vermutlich daran, dass die großen Einzelhandelsketten, die größere Ladenlokale brauchen, mehr Miete zahlen können als kleine Einzelhändler.

Fußgängerzone Schwerte: Wie hoch sind eigentlich die Mieten an der Hüsingstraße?

Michael Kersting leitet in Schwerte das Stadtmarketing und ist deshalb auch für die Leerstände zuständig. © Sebastian Becker

Doch auch die Filialisten stehen derzeit nicht Schlange; „Wir haben 50 Filialisten angeschrieben, die zum Standort Schwerte passen“, sagt Kersting. Nicht einer war interessiert. Brax und Co. verlassen derzeit eher die kleinen Städte und planen Neuansiedlungen nur noch in Metropolen. „Die haben alle Angst, dass es ihnen wie Gerry Weber ergeht“, so Kersting. Abgesehen davon sind viele Schwerter Ladenlokale für große Filialisten zu klein.

Kein Herz für die Freiwillige Feuerwehr

„Das Problem besteht halt auch darin, dass sich einige der Immobilienbesitzer derzeit nicht für die Fußgängerzone zuständig fühlen“. Als Beleg erzählt Kersting die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr. Die wollte ein Schaufenster für die Mitgliederwerbung nutzen. Das fand man auch beim Stadtmarketing gut. Denn jedes Fenster, das nicht abgeklebt ist, helfe weiter.

Der Vermieter, eine Immobiliengesellschaft vom Niederrhein, verlangte für die Nutzung 550 Euro. Auch nach zähen Verhandlungen kam man nicht zusammen. Das Fenster blieb mit Papier zugeklebt.

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Doch das Stadtmarketing hat zumindest einen Plan, wie man die Lage verbessern kann: Im Januar soll ein Forum „Zukunft Innenstadt“ in der Rohrmeisterei stattfinden. Am 23. Januar ab 19 Uhr will man alle Beteiligten an einen Tisch bringen und für das Thema sensibilisieren. Am Ende könnte eine Interessengemeinschaft Fußgängerzone entstehen, ähnlich wie an der Bahnhofstraße. Hier hatten Gewerbetreibende und Vermieter sich zusammengefunden, um gemeinsam eine Strategie zu entwickeln. Allerdings war das auch eine Forderung des Landes, damit für den Ausbau der Straße Fördermittel fließen.

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Am Westenhellweg in Dortmund bis zu 220 Euro pro Quadratmeter

Doch die Mieten in der Schwerter Innenstadt sind noch sehr moderat, wenn man in Richtung großer Städte blickt. Am Westenhellweg in Dortmund werden in Spitzenlagen bis zu 220 Euro pro Quadratmeter verlangt. Doch auch hier ist die Spanne laut Gewerbemietpreisspiegel sehr groß. Am Ostenhellweg und in Randlagen können die Immobilienbesitzer nur noch mit 24 bis 50 Euro pro Quadratmeter rechnen.

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