Fußballjugend: „Dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion“

Im Profifußball ist auch das Geschäft im Stadion-Namen ein riesiges. Mit einer augenzwinkernden Idee macht jetzt ein kleiner Sportverein in Herne von sich reden: Ihre Spielstätte soll demnächst den Namen der Bürgermeister-Gattin tragen - für einen guten Zweck.

30.07.2019, 06:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Fußballjugend: „Dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion“

Erich Leichner, Bürgermeister der Stadt Herne zusammen mit seiner Ehefrau Livia. Foto: Caroline Seidel/Archivbild

Ein kleines Fußballstadion in Herne trägt ab diesem Donnerstag ein Jahr lang den Namen vom „Bürgermeister seine Frau“: Als Livia-Leichner-Stadion gehört es damit zu den bundesweit allenfalls vereinzelt zu findenden Fußball-Spielstätten, die nach Frauen benannt sind. Der 1. Bürgermeister der Stadt, Erich Leichner, hat den Stadionnamen für ein Jahr als Geschenk zum 60. Geburtstag seiner Gattin erworben - mit einer vierstelligen Summe. Mit der Aktion wollen er und der Verein Sportfreunde Wanne-Eickel die Aufmerksamkeit weiterer Sponsoren auf die Jugend- und Integrationsarbeit im Verein lenken.

„Ich schwanke noch zwischen 'Da hatte mein Mann wohl keine Lust sich was Vernünftiges zu meinem Sechzigsten auszudenken' und 'So kann ich wenigstens was Gutes tun“, sagt Livia Leichner zu diesem außergewöhnlichen Präsent. Bei „Backfisch und Bier“, wie es in der Einladung heißt, werden an diesem Donnerstag zwei Stadionschilder offiziell enthüllt.

Das Livia-Leichner-Stadion wird im Untertitel „Dem Bürgermeister seine Frau ihr Stadion“ heißen - „im besten Ruhrgebiets-Platt“, wie Erich Leichner erklärt. Dahinter steckt eine Anspielung auf ein Zitat des späteren Bundespräsidenten Johannes Rau, der auf die Frage, ob Fußballstadien nicht auch einmal nach Frauen benannt werden sollen, gesagt haben soll: „Und wie sollen wir das denn nennen? Dem Ernst Kuzorra seine Frau ihr Stadion?“. Auch wenn sie diesen Spruch eher frauenfeindlich finde, gehe es ihr darum, ein eher augenzwinkerndes Zeichen für eine doch wichtige Sache zu setzen: Es sei ein Unding, dass dem Frauenfußball so wenig Anerkennung zukomme, findet Livia Leichner, selbst wie ihr Mann Fan des Regionalligisten mit Kultstatus Wattenscheid 09.

„Wir wollten mit unserem Geld und diesem Gag aber vor allem den Verein unterstützen“, sagt Erich Leichner. „Die kleinen Fußballvereine fallen oft hinten runter. Dabei machen sie, wie die Sportfreunde Wanne-Eickel, hier außergewöhnliche Jugendarbeit“, sagt er. Sieben Jugendmannschaften trainieren dort auf selbst finanziertem Kunstrasen, die erste Mannschaft spielt inzwischen in der Bezirksliga. Doch neben sportlichen Erfolg gehe es bei den Sportfreunden auch um Integration und soziales Engagement, wie der Vereinsvorsitzende Markus Rohmann erläutert: 2014 hat der Verein das Projekt „Anpfiff zum Berufsleben“ ins Leben gerufen. Es soll mit Kontakten und Praktika den eigenen Jugendspielern den Übergang von der Schule in den Beruf erleichtern.

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