Funkel vor 500. Spiel: Viel, dass „ich nicht gut finde“

Urgestein Friedhelm Funkel bestreitet sein 500. Bundesligaspiel als Trainer. Der Coach von Fortuna Düsseldorf ist der Trainer mit den sechstmeisten Partien in der Eliteliga. Bis zum Saisonende könnte er auch Udo Lattek (523) und Thomas Schaaf (524) einholen.

03.10.2019, 07:39 Uhr / Lesedauer: 4 min
Funkel vor 500. Spiel: Viel, dass „ich nicht gut finde“

Steht vor seinem 500. Bundesliga-Spiel: Friedhelm Funkel, Cheftrainer von Fortuna Düsseldorf. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

In den vergangenen 30 Jahren kamen viele Trainer in die Bundesliga, etliche davon sind längst nicht mehr da. Einer steht seit 1991 an der Seitenlinie.

Friedhelm Funkel bestreitet am Freitagabend sein 500. Bundesligaspiel als Trainer, wenn seine Fortuna Düsseldorf bei Hertha BSC antritt.

Welche Erinnerung haben Sie an Ihr erstes Spiel als Trainer?

Friedhelm Funkel: Keine Ahnung. Das war mit Uerdingen, klar. Aber ich weiß nicht mehr gegen wen das war. Moment mal - Hertha BSC? Das zweite Spiel war auf jeden Fall gegen die Bayern. Da haben wir 2:2 gespielt.

Genau. Schon damals ging es gegen Hertha, Sie verloren 1:2.

Funkel: In dem Spiel haben wir sogar zwei Elfmeter verschossen. Mein Bruder Wolfgang verschoss einen und auch Holger Fach. Ansonsten ist diese Partie bei mir sehr wenig präsent.

Haben Sie es jemals bereut, Trainer geworden zu sein?

Funkel: Nein, nie. Zu keiner Sekunde.

Welche Erinnerung haben Sie an den Fußball von damals?

Funkel: Ich habe ja seitdem wirklich alle gewaltigen Veränderungen im Fußball miterlebt. Damals hatte ich nur meinen treuen Co-Trainer Armin Reutershahn. Sonst gab es niemanden an meiner Seite. Keinen Torwarttrainer, keinen Reha-Trainer. All das, was heute selbstverständlich ist, gab es damals noch nicht. Es gab auch kleinere Kader. Es war alles anders, auch ein Stück weit familiärer. Auch der Umgang mit den Medien war einfacher. Die Rahmenbedingungen für uns Trainer haben sich dann nach und nach verbessert.

Gehen Sie heute insbesondere mit jüngeren Spielern anders um?

Funkel: Ich gehe vor allem gelassener mit ihnen um. Die Spieler heute sind selbstbewusster. Die hinterfragen auch schonmal Dinge, die man dann erklären muss. Ich gehe völlig neutral mit ihnen um, nehme sie genau wie früher mal in den Arm und gebe ihnen manchmal aber auch mal einen Tritt in den Hintern. Dinge, die heute normal sind, akzeptiere ich auch, ohne sie gut zu finden. Es gibt viele Dinge, die ich nicht gut finde, aber das gehört dazu.

Was genau missfällt Ihnen?

Funkel: Die ganzen Tätowierungen - das ist ja Wahnsinn. Das finde ich absolut nicht gut. Aber da müssen die Spieler mit umgehen, nicht ich. Oder in der Kabine vor den Spielen diese laute Hip-Hop-Musik. Ich weiß gar nicht, was das ist. Da bekomme ich Ohrenschmerzen. Da gehe ich in der Zeit auch nicht mehr in die Kabine. Aber die Jungs brauchen das. Oder wenn die Spieler aufs Spielfeld gehen, als gingen sie auf die Modelbühne. Das war uns früher völlig egal. Aber soll ich das verbieten? Der Umgang mit dem Handy, mit dem Smartphone, wird auch völlig übertrieben. Früher haben Spieler in der Kabine geraucht. Die Zigaretten von damals sind die Smartphones von heute. Finde ich nicht gut, aber ich akzeptiere das.

Was ist Ihre Formel dafür, sich über fast drei Jahrzehnte als Trainer im Spitzenfußball gehalten zu haben?

Funkel: Das Wichtigste ist, dass man authentisch bleibt. Man darf sich weder im Erfolg noch im Misserfolg verstellen.

Wer war Ihr verrücktester Spieler?

Funkel: Ioannis Amanatidis. Damals hatte er immer seine lange Matte und war wirklich nicht einfach. Heute ist er top seriös. Jermaine Jones mussten wir mehrfach einfangen. Toller Typ, aber schwierig, wirklich schwierig. Der zog schonmal um die Häuser zu einem Zeitpunkt, zu dem man das als Profi eigentlich nicht machen sollte. Ich habe beide sogar mal zu gewissen Situationen zum Kapitän gemacht. Da haben einige gesagt: Der Funkel ist bekloppt. Aber beide haben schließlich nur noch für die Mannschaft gelebt.

Gibt es eine Begegnung, an die Sie sich immer erinnern werden?

Funkel: Das war 2006 nach dem verlorenen Pokalfinale mit Frankfurt gegen die Bayern. Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hand zu schütteln und tröstende Worte von ihr zu hören, das war schon besonders. Was sie gesagt hat, weiß ich aber nicht mehr.

Vor welchen Weggefährten haben Sie besonders Respekt?

Funkel: Wahrscheinlich sagen jetzt viele: Ist der bekloppt? Aber ich bewundere Uli Hoeneß und habe ihn immer bewundert. Für sein Lebenswerk. Die Bayern haben auch nichts geschenkt bekommen, die haben einfach gut gearbeitet. Dafür steht in erster Linie der Uli. Das habe ich bewundert. Auch den Werdegang von Jürgen Klopp in den letzten 15, 16 Jahren bewundere ich sehr. Wie erfolgreich er arbeitet, wie der mit Menschen umgeht - das finde ich phänomenal.

Zucken sie bei einigen Hoeneß-Wortmeldungen nicht zusammen?

Funkel: Absolut. Da denke ich dann auch: Mensch Uli, was machst du da? Das hast du doch eigentlich gar nicht mehr nötig. Die Pressekonferenz mit Kalle Rummenigge war unterirdisch. Da gibt es überhaupt keine zwei Meinungen. Auch jetzt gab es aus meiner Sicht keinen Grund, Manuel Neuer zu verteidigen. Jogi Löw und Oliver Bierhoff hatten sich ja schon klar vorher positioniert. Das finde ich natürlich alles nicht gut. Er hat oft polarisiert und gestritten und hatte dabei auch oft Recht. Man darf auch nicht vergessen, wem er alles geholfen hat. Darum bewundere ich ihn. Aber die letzten Dinge waren einfach schlecht.

Mit dem Klassenerhalt von Fortuna hat kaum jemand gerechnet. Macht Sie diese Wertschätzung zum Ende Ihrer Karriere stolz?

Funkel: Unangenehm ist mir das natürlich nicht. Die letzten dreieinhalb Jahre bei Fortuna sind wirklich so positiv verlaufen, wie ich mir das niemals hätte vorstellen können. Ich habe eine Mannschaft damals übernommen, die stand kurz vor dem Abstieg in die Drittklassigkeit und war aus meiner Sicht nicht gut zusammengestellt. Wir sind dann nicht abgestiegen und haben wirklich Riesen-Erfolg gehabt mit dem Aufstieg. Und das letzte Jahr ist ja wirklich traumhaft an uns vorbei geflogen.

Gibt es was, was Sie unbedingt noch erreichen wollen?

Funkel: Ich würde unglaublich gerne noch einmal nach Berlin fahren. Ich war als Spieler einmal Pokalsieger und als Trainer zweimal im Finale in Berlin. Das wäre schon ein Traum, ein weiteres Mal dorthin zu kommen. In dieser Saison ist es noch möglich.

Sie sind am Freitag schon in Berlin. Mit welchen Gefühlen gehen Sie in ihr 500. Bundesligaspiel als Trainer?

Funkel: Die Mannschaft muss im Mittelpunkt stehen, nicht ich. Wir müssen versuchen, dort zu punkten. Klar, 500 Spiele - das ist schon Wahnsinn. Das hätte ich mir nie vorstellen können. Das ist schon toll, es bis hierhin geschafft zu haben.

Wäre bei einem Abstieg für Sie als Trainer sofort Schluss?

Funkel: Das kommt auf die Konstellation an. Ich will nicht ganz ausschließen, auch dann noch weiterzumachen. Aber jetzt schauen wir erstmal, dass wir drin bleiben. Das wird schwieriger als letztes Jahr. Aber wir haben alle Möglichkeiten, drin zu bleiben.

Was kommt, wenn es irgendwann vorbei ist?

Funkel: Dann werde ich wieder das Tennisspielen intensivieren, ganz klar. Meine Leistungen haben nachgelassen, weil ich kaum Zeit hatte. Trainer werde ich dann nicht mehr sein. Vielleicht arbeite ich dann noch als TV-Experte oder als Berater für einen Verein.

ZUR PERSON: Friedhelm Funkel (65) spielte als Profi für Bayer Uerdingen und den 1. FC Kaiserslautern. Zum Ende seiner Spielerkarriere wurde er 1991 zwei Spieltage vor dem Saisonende Cheftrainer in Uerdingen und löste den von ihm geschätzten Timo Konietzka ab. Seitdem arbeitet Funkel fast ununterbrochen als Trainer in der ersten oder zweiten Bundesliga. Mit Uerdingen (1992, 1994), dem MSV Duisburg (1996), dem 1. FC Köln (2003), Eintracht Frankfurt (2005) und Fortuna Düsseldorf (2018) stieg der gebürtige Neusser insgesamt sechs Mal in die Bundesliga auf. In der Eliteliga erlebte er als Trainer bislang 499 Spiele.

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