Handwerker in Lünen: Friseure führen Liste der Neugründungen 2019 an

dzHandwerk

Während im Kammerbezirk Dortmund der Gesamtbestand handwerklicher Unternehmen leicht ansteigt, ist er in Lünen rückläufig. Derweil wird quasi an jeder Ecke ein neuer Friseur gegründet.

von Kristina Gerstenmaier

Lünen

, 28.01.2020, 09:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wer sich die Haare schneiden, färben oder legen lassen möchte, ist in Lünen gut aufgehoben: Nicht nur, dass die Friseure in ihrer Anzahl die handwerklichen Betriebe in der Lippestadt anführen. Es gab 2019 auch am meisten Neugründungen (acht) in diesem Bereich. Damit führen die Haarspezialisten gemeinsam mit den Fliesen-, Platten- und Mosaiklegern (ebenfalls acht) die Liste der Existenzgründungen an.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 47 Gründungen handwerklicher Unternehmen in Lünen. Davon waren außerdem sechs Fotografen, drei Gebäudereiniger (beide Kategorie zulassungsfreie Handwerke), sechs Kosmetiker, jeweils drei Einbauer genormter Baufertigteile und Bodenleger (handwerksähnliches Gewerbe).

Bei den zulassungspflichtigen Handwerken liegen die Metallbauer und die Elektrotechniker mit jeweils einer Neugründung auf Platz 2. „Wir haben unter den Existenzgründern 2019 in Lünen tatsächlich nichts annähend Ungewöhnliches gehabt“, kommentiert Lothar Kauch, Abteilungsleiter bei der Handwerkskammer Dortmund, zu der auch Lünen gehört. Und Christoph Haumann in seiner Funktion als Stadthandwerksmeister stellt klar: „Tatsächlich ist die Zahl der Friseurbetriebe in Lünen im vergangenen Jahr gleich geblieben. Zu den gezählten Existenzgründungen werden auch Geschäftsübernahmen gerechnet.“

Anzahl der Lüner Betriebe seit Jahren leicht rückläufig

Insgesamt zählte die Handwerkskammer 2019 in Lünen 578 Betriebe. Bezogen auf den gesamten Kammerbezirk, zu dem neben dem Kreis Unna unter anderem auch Bochum, Bergkamen, Ennepetal, Hagen, Schwelm, Sprockhövel oder Witten gehören, liegen in Lünen drei Prozent der handwerklichen Betriebe.

Im Vergleich zum Gesamtbezirk, der einen leichten Zuwachs an Betrieben (99 = 0,5 Prozent) auf insgesamt 19.778 verzeichnet, sind die Betriebe in Lünen seit Jahren rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr gibt es neun, beziehungsweise 1,5 Prozent weniger und 29, beziehungsweise knapp 5 Prozent weniger als noch 2009. Im gesamten Bereich der Handwerkskammer Dortmund gibt es 1,2 Prozent (236 Stück) mehr als noch vor zehn Jahren.

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Auch bezüglich der Ausländer unter den Existenzgründern liegt Lünen unter dem Wert des gesamten Kammerbezirks: Während 2019 insgesamt 28 Prozent der Unternehmen von knapp 42 Prozent von Ausländern gegründet wurden, waren es in Lünen knapp 30 Prozent. Dafür liegt die Lippestadt deutlich über dem Wert des Kammerbezirks wenn es um Existenzgründungen durch Frauen geht: In Lünen wurden über 36 Prozent der Unternehmen durch Frauen gegründet, im Gesamtbezirk waren es 28 Prozent.

„Der Kammerbezirk ist extrem heterogen“, sagt Stadthandwerksmeister Christoph Haumann, „da lassen sich die einzelnen Kommunen kaum miteinander vergleichen.“ Die Gründe für den Rückgang des Handwerks seien vielfältig: Wettbewerb durch industrielle Fertigungen, Fachkräftemangel oder erschwerte Bedigungen bei Betriebsübernahmen. Aber insgesamt, so betont Haumann, „ist Lünen für Handwerker ein gutes Pflaster. Die Verwaltung funktioniert gut und die Wirtschaftsförderung ist aktiv.“

Nur schwappe der extreme Fachkräftemangel, der auf dem Land schon länger herrscht, langsam und etwas verspätet nun auch auf Lünen und vor allem die äußeren Bezirke der Stadt über.

Bäcker und Fleischer erliegen der Konkurrenz

„Der Zuwachs des Gesamtbestands im Kammerbezirk stimmt uns zuversichtlich“, sagt Kammer-Präsident Berthold Schröder. „Auch dass die Zahl der Existenzgründungen im vorigen Jahr um mehr als fünf Prozent zugenommen hat. Zeigt es doch, dass das Handwerk ein attraktiver Wirtschaftsbereich ist, in dem man sich gerne selbstständig macht.“ 2019 habe man allerdings seinen Spitzenplatz bezüglich des Frauenanteils bei Neugründungen im Landesvergleich verloren. „Deshalb hinterfragen wir dies jetzt genau und werden unsere Unterstützungsangebote für Existenzgründerinnen weiter optimieren“, kündigt Schröder an.

Aus dem Bericht der Handwerkskammer Dortmund geht außerdem hervor, dass vor allem Bäckern und Fleischern deutlich weniger gut geht, als den Friseuren: Sie haben deutlich an Anzahl verloren.

„Neben dem Fachkräftemangel mit seinen weit reichenden Folgen bis hin zur Betriebsnachfolge ist speziell die große Konkurrenz durch Supermärkte und Backshops dafür verantwortlich“, heißt es im Bericht.

„Das Handwerk muss einfach wieder eine breite gesellschaftliche Anerkennung bekommen“, fordert Lünens Stadthandwerksmeister Christoph Haumann. „Wir müssen zusehen, dass wir noch mehr für das Handwerk klappern, denn bei der jüngeren Generation ist viel Wissen verloren gegangen.“

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