Friedhofsgärtner entsorgt Leiche im Müllcontainer – Gemeinde darf Betrieb nicht kündigen

Oberlandesgericht Düsseldorf

Ein Friedhofsgärtner hat in Solingen eine Leiche einfach in einem Müllcontainer entsorgt. Er hatte das falsche Grab ausgehoben. Jetzt beschäftigte sich erneut ein Gericht mit dem Fall.

Düsseldorf

, 04.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Friedhofsgärtner entsorgt Leiche im Müllcontainer – Gemeinde darf Betrieb nicht kündigen

Bei einem Familiengrab in Solingen kam es zu einer folgenschweren Verwechselung. © dpa/Archiv

Es war im September 2016, als ein 37-jähriger Angestellter eines Friedhofsgärtners in Solingen mit der Vorbereitung einer Beerdigung beauftragt wurde. Der gelernte, aber angestellte Gärtner sollte in einem Familiengrab das mittlere Grab ausheben. Stattdessen grub der Mann links – und stieß auf die Leiche einer erst sechs Jahre zuvor beerdigten Frau. Die in Tücher eingewickelten Leichenteile entsorgte er daraufhin im Müll.

Der Fall sorgte für riesige Empörung, berichtete das Solinger Tageblatt. Bei der Trauerfeier entdeckte die Familie schockiert, dass das falsche Grab ausgebaggert wurde, Tage später fand man die Leiche im Müll. Die Solinger Kirchengemeinde kündigte dem Friedhofsgärtner fristlos. Zu Unrecht, wie jetzt das Oberlandesgericht Düsseldorf bestätigte.

Friedhofsgärtner hatte 25 Jahre fehlerfrei gearbeitet

Schon das Landgericht Wuppertal hatte zuvor festgestellt, dass der Gemeinde zwar nicht zuzumuten gewesen sei, den Mitarbeiter des Friedhofsgärtners weiter zu beschäftigen. Das rechtfertige aber nicht die Kündigung für den Friedhofsgärtner, der über 25 Jahre beanstandungsfrei gearbeitet habe, stellten die Richter fest. Die Gemeinde hätte ihn abmahnen und Gelegenheit geben können, den Mitarbeiter von weiteren Tätigkeiten zu entbinden.

Laut Solinger Tageblatt hatte der Friedhofsgärtner nach diesem Vorfall seinen Betrieb schließen müssen. Vier Mitarbeiter – darunter auch der 37-Jährige – wurden arbeitslos. Der Friedhofsgärtner könne jetzt die Vergütung für das halbe Jahr bis zur fristgerechten Beendigung des Vertrages verlangen, urteilten die Richter in Düsseldorf.

Warum das falsche Grab ausgehoben wurde, bleibt unklar

Letztlich ungeklärt bleibt in dem Fall die Frage, ob dem Mitarbeiter des Friedhofsgärtners damals das falsche Grab genannt wurde, ob also die Kirchengemeinde einen Fehler gemacht hatte, oder ob es ein Versehen des Mitarbeiters war. Der Angestellte jedenfalls wies bei seiner Verhandlung im Jahr 2017 vor dem Amtsgericht in Solingen alle Schuld von sich.

„Ich habe die Leichenteile beim Ausbaggern nicht gesehen“, zitierte das Solinger Tageblatt in der Berichterstattung über die erste Verhandlung den 37-Jährigen. Die Richter nahmen das dem 37-Jährigen allein wegen der Größe der Leichenteile nicht ab. Es habe ihm „in jedem Fall“ auffallen müssen“, begründete der Richter des Amtsgerichtes.

Mit dpa

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