Fridays gegen Altersarmut in Schwerte – Mahnwache vor der Agentur für Arbeit

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Ist diese Mahnwache nun rechts oder unverdächtig? Das hatten sich viele im Vorfeld von „Fridays gegen Altersarmut“ gefragt. In Schwerte wurde deutlich: Es gärt. Und ist kompliziert.

Schwerte

, 24.01.2020, 18:09 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man ärgert sich. Über die Politik, über soziale Ungerechtigkeiten, aber auch darüber, dass man als „rechts“ oder „Nazi“ beschimpft werde, wenn man hierher komme.

Das stimme doch gar nicht. Man sei doch nur wegen der Sache an sich hier bei der ersten Mahnwache unter dem Titel „Fridays gegen Altersarmut“ vor der Agentur für Arbeit in Schwerte.

Viel Wirbel hatte es im Vorfeld gegeben um die deutschlandweiten Demonstrationen unter diesem Namen. Eine rechte Bewegung sei das, zumindest gegründet von einem Radikalen, einer dubiosen Person zudem, hieß es.

Der Anmelder der Schwerter Demo hatte sich bemüht, weit von sich zu weisen, dass er einen ähnlichen Hintergrund habe. „Ich bin total gegen rechts“, hatte Michael Lange unterstrichen. Würden rechte Gruppen auftauchen, wäre er wieder weg.

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Jahrzehntelang gearbeitet und nur 800 Euro Rente

Lange fehlte er am Freitagnachmittag aus gesundheitlichen Gründen. Seine Frau Heike aber war da – neben ihr kamen mehr als 20 andere Mahnwachen-Teilnehmer, auch aus Iserlohn und Hemer.

Das mag wenig klingen. Doch zum Vergleich: An der Reinoldikirche in Dortmund standen fast zeitgleich auch nicht mehr als 30 Teilnehmer. Dort übrigens wurden auch Mitglieder der Partei „Die Rechte“ gesehen.

Auf dem Cava-dei-Tirreni-Platz in Schwerte hingegen verdeutlichen viele Teilnehmer, sie seien alles, aber keine Nazis. Umso mehr ärgere sie, wenn man sie auf Facebook oder anderswo als solche beschimpfe.

Sie argumentieren mit Biografien, mit den eigenen oder mit denen von Bekannten, Freunden, Kollegen von Kollegen: 40 oder sogar 50 Jahre gearbeitet, am Ende nur 800 Euro Rente, dann die Besteuerung, zudem der Griff in die Rentenkasse für andere Zwecke. Und dass Beamte nicht einzahlen müssten, sei doch auch eine Frechheit. Ganz zu schweigen davon, dass den Müttern, wenn sie nicht berufstätig waren, genau diese Jahre später bei der Rente fehlten.

Fridays gegen Altersarmut in Schwerte – Mahnwache vor der Agentur für Arbeit

Die zentralen Forderungen waren auf eine große Pappe gepinnt. Davor: Kerzen. © Foto: Manuela Schwerte

Teilnehmer entzünden Kerzen – und ärgern sich über Verschwendung

Die Teilnehmer entzünden Kerzen, die auf der Rundbank um den Baum vor der Arbeitsagentur stehen. Auf einer Pappe sind die zentrale Forderungen von „Fridays gegen Altersarmut“ zu finden: Rücknahme der Agenda 2010, Einführung der Reichensteuer, Rentenkassen-Gelder nur noch für die Rente sowie ein Rentensystem, in das ausnahmslos alle einzahlen müssten.

Aber auch: Beamte und Politiker müssten mit Privatvermögen für die Verschwendung von Steuergeldern einstehen.

Es gärt, auch bei der Demo in Schwerte. Das wird in den Unterhaltungen der Teilnehmer deutlich. Es bleibt nicht beim Thema „Rente“ an sich. Es geht ums Geldausgeben der öffentlichen Hand im allgemeinen. „Aber wir müssen ja die Welt retten“, sagt eine Frau. Wie viel Geld man für Indien ausgebe, für „irgendwelche Öko-Projekte“, habe sie gelesen. Und schon ist man bei „die Merkel“.

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