Viele freie Plätze: Das passiert mit den leeren Räumen des größten Selmer Übergangsheims

dzFlüchtlingsunterkunft

Nur die Hälfte aller Plätze in der Flüchtlingsunterkunft an der Industriestraße sind aktuell belegt. Stadtsprecher Malte Woesmann erklärt, was mit den freien Räumlichkeiten passieren soll.

Selm

, 17.08.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das städtische Übergangsheim an der Industriestraße bietet seit April 2017 Platz für bis zu 200 Flüchtlinge. 98 Personen leben dort aktuell (Stand: 6. August). Es gibt also theoretisch noch viel Platz für weitere Bewohner. Die Stadt Selm hat sich darüber bereits Gedanken gemacht. Erste Veränderungen gab es bereits, weitere könnten noch folgen.

Die Unterkunft an der Industriestraße beherbergt die mit Abstand meisten der 167 Flüchtlinge in Selm. Im Übergangsheim an der Straße Auf dem Südfeld in Bork sind zur Zeit 33 Flüchtlinge untergebracht, Am Kohuesholz in Cappenberg sind es 36. Im Juli 2018 waren die Zahlen ähnlich. Einzig in Cappenberg waren es mit 48 Bewohnern deutlich mehr als momentan. Die Nationalitäten verteilen sich dabei „auf mehr als 30 Nationalitäten“, sagt Malte Woesmann, Sprecher der Stadt Selm.

Neuer Bücherraum und weitere Aufenthaltsräume

Es gebe aber mehr als die in den drei Übergangsheimen untergebrachten 167 Flüchtlinge, erklärt Woesmann. Denn nicht alle Geflüchteten würden in den städtischen Unterkünften leben. Wie viele außerhalb der Flüchtlingsunterkünfte leben, könne aber nicht gesagt werden.

„Uns sind nur die Belegungszahlen in den städtischen Übergangsheimen bekannt“, so Norbert Zolda von der Stadt Selm. Eine eigene Wohnung können alle anmieten, „die eine Wohnsitzauflage haben und bereits Leistungen vom Jobcenter beziehen“, erklärt er.

Auch wenn die Unterkunft an der Industriestraße zurzeit nur etwa zur Hälfte ausgelastet ist, gebe es dennoch nicht viele leer stehende Räume, so Woesmann. Vielmehr sei die „Belegungsdichte pro Raum entzerrt“ worden. Um weitere freie Räumlichkeiten sinnvoll zu nutzen, seien einige umfunktioniert worden. Unter anderem gebe es jetzt ein Lesezimmer und weitere Aufenthaltsräume.

Weniger DRK-Betreuer als früher

Einen möglichen Abbau von Teilen des Übergangsheimes plane die Stadt Selm trotz der geringeren Nutzung jedoch vorerst nicht, so Woesmann. Das sei zwar durchaus möglich, aber „da die Flüchtlingszuweisungen erfahrungsgemäß nicht genau zu kalkulieren sind, macht es aktuell Sinn, Unterbringungskapazitäten vorzuhalten“.

Aber aufgrund der zurückgegangenen Bewohnerzahlen habe die Stadt die Sozialbetreuung durch den DRK-Betreuungsdienst vor Ort reduziert. Waren es früher noch zwölf Mitarbeiter, die die Einwohner dort betreuen, seien es nun nur noch zehn, erklärt Caroline Schlüter von der DRK-Betreuuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH.

Ab September sollen dann sogar nur noch sieben DRK-Betreuer vor Ort tätig sein. Diese kümmern sich um verschiedenste Betreuungsangebote und Hilfestellungen. Sie unterstützen die Bewohner beispielsweise bei ihren Hausaufgaben oder helfen ihnen bei bürokratischen Angelegenheiten.

Was passiert mit der Kindertagesstätte?

Auch eine Kindertagesstätte gibt es an der Industriestraße noch. Die sinkende Bewohnerzahl werde daran auch nichts ändern, sagt Caroline Schlüter: Aktuell wohnen in Selms größter Flüchtlingsunterkunft zwölf Kinder, die nicht älter als sechs Jahre alt und in der Kita untergebracht sind. Für diese Kinder ist aktuell eine Mitarbeiterin zuständig. „Eine weitere Stelle ist vakant“, so Caroline Schlüter.

Neben den Mitarbeitern der DRK gibt es noch viele weitere Menschen, die sich um die Flüchtlinge kümmern. Dazu zählen unter anderem Sicherheitskräfte, in der Einrichtung arbeiten, und vier ehrenamtliche Arbeitskreise. Wie viele sich insgesamt um die Flüchtlinge in ganz Selm kümmern, könne aber nicht genau gesagt werden, teilt Malte Woesmann mit.

Die Kosten für die Beschaffung, Bewirtschaftung und Bauunterhaltung der drei Flüchtlingsunterkünfte trägt die Stadt Selm, erklärt er. Über Benutzungsgebühren würden die Bewohner aber an den Kosten, die sich im vergangenen Jahr auf 600.000 Euro beliefen, beteiligt, so Woesmann.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Klimaschutz

Streit um Zweifachhalle: Wer ist zuständig für Fotovoltaik auf neuem Hallendach in Selm?

Hellweger Anzeiger Straßensanierung

„Brauereiknapp bleibt lebensgefährlich.“ Radfahrer fordert mehr Sicherheit in Cappenberg

Hellweger Anzeiger Überfall

Nach dem brutalen Überfall auf ein Ehepaar stellt sich vor allem eine Frage in Selm

Meistgelesen