Fotovoltaikanlage auf dem Dach: „Kernkraft und Kohle kommen nicht mehr infrage“

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Der Sommer 2018 bescherte Christoph Böckenbrink und seiner Fotovoltaikanlage ein Rekordjahr. Der Werner sagt: Der Strom aus der Sonne ist gut für die Umwelt – aber auch eine Geldanlage.

Werne

, 11.12.2018, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine Dekade hat er noch vor sich. Na gut, etwas länger – elf Jahre. Ab 2030 will Christoph Böckenbrink den Strom, den seine Fotovoltaikanlage erzeugt, selbst nutzen. Seit 2010 wird der Strom aus seiner Anlage ins öffentliche Netz eingespeist, er bekommt eine Einspeisevergütung. Nach 20 Jahren ist Schluss mit dem Fördersatz.

Hat sich jetzt schon gelohnt, sagt Böckenbrink und schaut gen Himmel. An diesem kalten diesigen Tag scheint keine Sonne auf sein Dach an der Goerdelerstraße. „Dann produziert die Anlage halt im Moment weniger. Aber bei dem Sommer – das wird ein Rekordjahr!“

2018 die Tausendermarke geknackt

Die Dächer von Werne haben sich in den vergangenen Jahren gewandelt. In fast jedem Wohngebiet sind mittlerweile Fotovoltaikanlagen installiert, die Sonne in Strom verwandeln. Ganz zu schweigen von Scheunen und Ställen der Landwirte.

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2010, als Böckenbrink beschloss, etwas tun zu müssen gegen die Kraftwerke, gab es 452 Anlagen in der Lippestadt. Ein Jahr später waren es nach Angaben von Westnetz schon knapp 600. 2018 dann knackte Werne die Tausendermarke: Aktuell gibt es 1016 Anlagen in der Stadt.

„Das ist schon enorm“, sagt Katrin Frendo, Pressesprecherin von Westnetz, und verweist auf den 2017 erzeugten Strom. Insgesamt seien die Werner Anlagen im vergangenen Jahr auf knapp 14 Millionen Kilowattstunden gekommen – nach diesem Sommer wird es mehr sein.

Mit jedem Sonnenstrahl klingelt die Kasse

Christoph Böckenbrink ist laut eigener Aussage einen Monat vor Ende des Jahres bei 119 Prozent – „ein Wahnsinnssommer“, wie er sagt. Die Ironie an der Sache: Er ließ die Anlage vor acht Jahren installieren, damit genau solche Wetterkapriolen in Zukunft nicht zur Normalität werden. „Was wir mit unserer Erde anstellen…“, sagt er nur. Der Vater von drei Kindern will etwas tun für die Umwelt. „Da werden wieder welche sagen: Bringt doch eh nichts. Aber irgendwo muss man ja anfangen.“

Neben dem Umweltaspekt seien die Platten auf dem Dach aber auch eine Geldanlage. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete Böckenbrink vor Jahren die Kolping Solar Kraftwerk Werne Gbr, die 2010 eine Fotovoltaikanlage aufs Dach des Kolpinghauses brachte.

Fotovoltaikanlage auf dem Dach: „Kernkraft und Kohle kommen nicht mehr infrage“

Regen wäscht die Platten auf dem Dach sauber. „Das passiert von ganz alleine“, sagt Böckenbrink. © Vanessa Trinkwald

Mit jedem Sonnenstrahl auf dem Werner Kolpingsaal klingelt seitdem die Kasse; mit jeder Kilowattstunde, die ins öffentliche Netz eingespeist wird, verdienen die Anteilseigner. „15 Prozent des Erlöses“, sagt Böckenbrink, „geht an die Kolpingsfamilie.“ Deren Vorsitzender war er bis März 2018.

„Wir können nicht so weitermachen wie bisher“

Die Idee einer zweiten Anlage der Gbr auf dem Dach des Anne-Frank-Gymnasiums scheiterte. „Das war mir damals zu viel Arbeit“, sagt Böckenbrink. „Ich hatte das Gefühl, die Stadt wollte Probleme herbeireden.“ So viele Dächer in der Stadt seien geeignet für eine Anlage – doch gegen Windmühlen wolle er nicht ankämpfen.

Im Gegenteil: Böckenbrink überlegt, sich ein eigenes Windrad aufs Grundstück zu stellen. Bislang noch Zukunftsmusik, aber der Wunsch ist da – und die Hoffnung, mit alldem etwas zu erreichen: „Kernkraft und Kohle kommen nicht mehr infrage. Wir müssen uns was einfallen lassen. Wir können nicht so weitermachen wie bisher.“

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