Rund 100 Aktive „Foodsharer“ gibt es in Lünen. Sie retten Lebensmittel, die eigentlich noch gut sind, vor dem Müll. Manche tun das für sich – andere helfen damit auch noch Bedürftigen.

von Julian Beimdiecke

Lünen

, 30.10.2018, 15:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Foodsharing wird in Deutschland immer beliebter. Auch in Lünen gibt es eine Gruppe, die sich für die Rettung von Lebensmitteln einsetzt. 100 Mitstreiter sind es bereits, die regelmäßig bei Betrieben überschüssige Ware einsammeln und weiterverteilen.

Ein bestimmtes Ereignis ist Anita Riedelsberger aus ihrer Zeit als Lebensmittelretterin besonders hängen geblieben: „Als ich noch mit den Food-Savern in Dortmund unterwegs war, haben wir Ware aus Supermärkten abgeholt, die sonst weggeschmissen worden wäre – unter anderem eine Palette mit Honiggläsern“, erzählt sie. „Ein einziges Glas davon war kaputtgegangen, es klebte etwas. Der Honig an sich war vollkommen in Ordnung – trotzdem wollte man die ganze Palette wegschmeißen.“ Genießbare Lebensmittel wären also fast in den Müll gekommen.

100 Aktive in Lünen

Riedelsbergers Erlebnis ist kein Einzelfall: Rund 18 Millionen Tonnen an Nahrungsmitteln landen laut WWF jährlich in Deutschland in der Tonne. Die Hälfte davon sei vermeidbar. Vieles wird in Supermärkten weggeschmissen, aber auch in Kantinen, Restaurants und Bäckereien entsteht Lebensmittel-Müll.

Fast 100 Lebensmittelretter gibt es in Lünen, die genau solche Ware vor der Mülltonne retten wollen.

Sie haben sich zum Lüner Ableger des Vereins „Foodsharing“ organisiert, der 2012 in Berlin gegründet wurde und deutschlandweit rund 200.000 Mitglieder hat. An der Lüner Spitze des Vereins stehen Riedelsberger selbst und ihre Kolleginnen Kathrin Wedekin und Lisa Bußmann. „Ich finde es einfach erschreckend, wie viele genießbare Lebensmittel weggeschmissen werden“, sagt auch Wedekin. Für sie ist dieser Zustand Grund genug, einen Großteil ihrer Freizeit in das Retten von Lebensmitteln zu stecken. Denn das Retten nimmt einige Zeit in Anspruch, irgendetwas gibt es immer zu tun.

Betriebe stellen überschüssige Ware zur Verfügung

Zum Beispiel müssen Betriebe angesteuert werden, die mit den Foodsharern kooperieren und ihre überschüssige Ware zur Verfügung stellen. „Meistens freuen sich dabei die Mitarbeiter, dass sie die Lebensmittel nicht wegschmeißen müssen. Und es kommen ja auch noch finanzielle Vorteile dazu: Die Betriebe sparen ja Entsorgungskosten“, erklärt Bußmann.

Die abgeholten Waren werden dann entweder direkt unter den Foodsharern verteilt oder kommen in die „Fairteiler“-Schränke, in denen Lebensmittel für alle (nicht nur Foodsharing-Mitglieder) offen zur Abholung bereitstehen. Zwei gibt es insgesamt in Lünen: Einer steht in der Saarbrücker Straße 48, der andere in der Fontanestraße 20. Hier kann man auch privat überschüssige Lebensmittel abgeben.

Positiver Nebeneffekt des Foodsharings: Viele Menschen können auf diesem Weg an Lebensmittel kommen, ohne dafür zu bezahlen. Es gebe daher unter anderem auch Bedürftige, die die Anonymität des Angebots genießen. „Die Menschen, die beim Foodsharing mitmachen, haben unterschiedliche Beweggründe. Dem einen ist der Gedanke der Lebensmittelrettung wichtiger, der andere freut sich über den günstigen Weg, an die Lebensmittel zu kommen“, weiß auch Riedelsberger.

Foodsharing ist keine Konkurrenz zur Tafel

Als Konkurrenz zur Tafel möchte sich Foodsharing aber nicht verstehen. „Die Tafel hat bei den Abholungen Vorrang. Wir nehmen nur das mit, was übrig ist, wenn die Tafel schon da war“, erklärt Wedekin.

Beim Foodsharing geht es aber nicht nur um das sofortige Retten der Lebensmittel, man möchte auch langfristig Lebensmittel im Müll vermeiden – sozusagen Präventionsarbeit leisten. Ein weiteres Ziel von Riedelsberger, Wedekin, Bußmann und Co. ist es daher, das Bewusstsein der Gesellschaft für das Thema zu schärfen und die Menschen dazu zu bringen, nicht achtlos Lebensmittel wegzuschmeißen – auch, wenn zum Beispiel mal das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

„Wenn alles so aussieht und riecht, wie es sollte, warum sollte man dann das Essen entsorgen?“, fragt Wedekin. Bei ihren Abholungen hatte sie einmal mehrere Paletten Pudding abgeholt – so viel, dass sich das nicht auf die Schnelle verspeisen ließ. Das war aber auch gar nicht nötig. „Wir konnten den Pudding noch drei Monate später essen“, erzählt sie. Die Lebensmittel einfach wegzuschmeißen – das ist für die Foodsharer eben keine Option.

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